Gericht: Leitender Banker im kriminellen Teufelskreis

Vorarlberg / 18.12.2021 • 09:00 Uhr
Gericht: Leitender Banker im kriminellen Teufelskreis
Einen Freispruch gab es für den Angeklagten (r.) und seine Ex-Gattin (l.) vom Vorwurf der betrügerischen Krida. VN/GS

Untreue, Erpressung, Urkundenfälschung: Ex-Bankangestellter zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt.

Feldkirch Es ist ein unseliger Wust an schweren Vorwürfen, den Staatsanwältin Sarah Haugeneder dem 46-jährigen Angeklagten beim Prozess am Landesgericht Feldkirch entgegenschmettert. Zum einen muss sich der ehemalige Abteilungsleiter in einer Vorarlberger Bank des Verbrechens der Untreue verantworten, des Weiteren der schweren Erpressung, der betrügerischen Krida und der Urkundenunterdrückung.

Zu einigen Fakten ist der Angeklagte geständig. So räumt er ein, seine damalige Vollmacht, über fremdes Vermögen zu verfügen, wissentlich missbraucht und das Geldinstitut damit um mehr als 540.000 Euro geschädigt zu haben. Dies bewerkstelligte er dadurch, dass er widerrechtlich fremde Wertpapierdepots verkauft und den Geldwert im Namen der jeweiligen rechtmäßigen Inhaber auf sein eigenes Konto fließen ließ.

„Eine Ausnahmesituation“

Nicht geständig zeigt sich der 46-Jährige hingegen zum Vorwurf der schweren Erpressung. Laut Anklage soll er zwei Vorstandsmitglieder der Bank per E-Mail aufgefordert haben, ihm einen Kredit von einer halben Million Euro zu bewilligen. Andernfalls würde er rechtswidrige Machenschaften des Geldinstituts offenlegen und so für die Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz sorgen.  

Doch diese Verantwortung sei seiner Meinung nach nicht gültig, sagt der Angeklagte und begründet dies damit, dass er sich damals in einer Ausnahmesituation befunden habe. „Es war zum Zeitpunkt, als die Malversationen aufflogen. Eine Bombe war geplatzt und ich verlor den Boden unter den Füßen“, erinnert sich der Beschuldigte und: „Ich irrte mit Selbstmordgedanken im Wald umher, setzte mich in einen Zug nach Frankreich, habe mich dort ein paar Tage angetrunken und in einem Internetcafé das Mail verfasst. Ich war verzweifelt und nicht mehr bei mir.“

„Der absolute Sargnagel“

Hinter der Sache mit den veruntreuten Geldern sei der „absolute Sargnagel“, nämlich seine pathologische Spielsucht, gestanden, so der Angeklagte weiter: „Zum einen habe ich gearbeitet wie ein Viech, zum anderen gespielt wie ein Viech.“ Es habe Tage gegeben, da habe er fünf- bis siebentausend Euro beim Onlinepokern verspielt.

Zerrüttete Ehe

Als Beitragstäterin mit auf der Anklagebank sitzt auch die 45-jährige ehemalige Frau des Beschuldigten, der mehrfacher Vater ist. Hier geht es um die betrügerische Krida. Aufgrund der zerrütteten Ehe sei es zur Scheidung gekommen. Im Rahmen eines Vergleichs habe der Angeklagte damals seine Liegenschaften der Ex-Gattin zugesprochen. Die Bank sah den Betrug darin, dass ihr damit die Veräußerung der Liegenschaften zur Schadenstilgung unmöglich gemacht wurde. Doch der Beschuldigte wehrt massiv ab: „Die eine Liegenschaft war heillos verschuldet, über der anderen bestand ein Veräußerungsverbot.“

Gericht: Leitender Banker im kriminellen Teufelskreis
Rechtsanwalt Horst Lumper vertrat als Privatbeteiligtenvertreter die betroffene Bank: “Urteil war zu erwarten.”

Verurteilung und Freispruch

Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Magdalena Rafolt spricht den Ex-Banker wegen Veruntreuung, Erpressung und Urkundenfälschung schuldig und verurteilt ihn zu zwei Jahren Haft, 16 Monate davon auf Bewährung. Vom Vorwurf der betrügerischen Krida wird er freigesprochen, ebenso seine Ex-Gattin. Der Verurteilte erbat Bedenktzeit. Rechtsanwalt Horst Lumper, Privatbeteiligtenvertreter der Bank: „Das Urteil war zu erwarten, ein Teil des Schadens ist gutgemacht worden.“