Shootingstar wird Novize: Filip Adametz hat auf Wanderschaft Gott entdeckt

Vorarlberg / 10.12.2021 • 08:00 Uhr
Shootingstar wird Novize: Filip Adametz hat auf Wanderschaft Gott entdeckt
Frater Filip kam vor knapp zwei Jahren ins Kloster Mehrerau. Der Tscheche fühlt sich hier sehr wohl. Roland Paulitsch

Filip Adametz (48) war ein Shootingstar in der internationalen Werbeszene. Heute ist er Novize im Kloster Mehrerau.

Bregenz Ein Adventkalender gehört seit dem 19. Jahrhundert zum christlichen Brauchtum in der Zeit des Advents. Im Kloster Mehrerau hat man heuer einen Adventkalender gestaltet, um das Miteinander in der Adventzeit zu stärken. Die Idee kam von Abt Vinzenz Wohlwend und dem Novizen Frater Filip. Letzterer entwarf nicht nur die Vorlage für den „Mehrerauer Adventkalender“, sondern gestaltete ihn auch grafisch. Die Bilder und Texte kommen von den Mitbrüdern und Mitarbeitern. Auf www.mehrerau.at kann man jeden Tag einen Text aus dem Adventkalender lesen.

Ins Burn-out geschlittert

Frater Filip unterstützt das Kloster auch bei diversen Werbeprojekten. „Wir wollen die Dachmarke bekannter und eine neue Internetseite machen.“ Es freut den 48-Jährigen, „dass ich meine Fachkenntnisse einbringen kann“. Filip Adametz kommt aus der Werbebranche. Der Tscheche, der sich in Prag zum Englischlehrer ausbilden ließ, machte im Werbe-Mekka London internationale Karriere. Ikea, Sony-Ericsson, Kia Motors und Hyundai waren seine Kunden. Der große berufliche Erfolg hatte aber seinen Preis. „Der Druck war enorm, jeden Tag unzählige Konferenzen und Powerpoint-Präsentationen, Hunderte E-Mails, Arbeit bis Mitternacht. Es war unmenschlich. Ich verlor den Kopf vor lauter Stress.“ Der Werber schlitterte ins Burn-out. „Ich konnte kaum mehr einschlafen, wachte nachts schweißgebadet auf und stand morgens kraftlos und ohne Lebensfreude auf.“ Filip zog – „fünf Minuten nach zwölf“- die Reißleine. „Ich sagte mir: ,Du hast jetzt 15 Jahre im Büro verbracht. Jetzt gehst du für einige Zeit spazieren und schaust, was sich draußen tut.‘“

Aus dem Workaholic wurde ein Wanderer, der aus dem Rucksack lebte. Zu Fuß marschierte er – auf Fernwanderwegen – durch den Südwesten Deutschlands. Aus den geplanten paar Wochen wurden fünf Jahre. „Ich wollte, dass das Wandermärchen weitergeht. Denn ich war auf mich und die ganze Welt sauer, weil ich die Karriere in London verspielt hatte.“

Das Buch "Der Name der Rose" führte Filip Adametz während der Wanderschaft ins Mönchsleben ein.
Das Buch "Der Name der Rose" führte Filip Adametz während der Wanderschaft ins Mönchsleben ein.

Auf der Wanderschaft passierte aber etwas mit ihm, er fand – peu à peu – zu Gott. Zunächst fielen ihm die spitzen Kirchtürme auf. „Sie zogen mich unwiderstehlich an.“ Einmal suchte er in einer Kirche Schutz vor Regen und Wind. „Ich fühlte mich wohl. Die Atmosphäre sprach mich an.“ Immer öfter betrat er nun Gotteshäuser und sank vor dem Altar und dem Kreuz in die Knie. Auch Messen wohnte er nun gerne bei. „Danach fühlte ich mich voller Frieden.“ Manches in der Natur verstand er jetzt als Zeichen Gottes. „In einem Donnerschlag hörte ich die gewaltige Stimme des Herrn.“ Später wurden Klöster zu Zielen seiner Reise. „Ich habe mir fast 50 angeschaut. Ich wollte hinter die Kulissen schauen, das geistliche Leben kennenlernen und etwas Gutes tun für die klösterliche Gemeinschaft.“ ‚Filip erwog jetzt ernsthaft, in einen Konvent einzutreten. In der Zisterzienserabtei Marienstatt im Westerwald bekam er die Chance, das Klosterleben kennenzulernen. Drei Monate verbrachte er dort und arbeitete im Garten mit, im Wald und in der Bibliothek.

Weihnachten hatte für Filip immer etwas Magisches.
Weihnachten hatte für Filip immer etwas Magisches.

Auf Vermittlung des Abtes Andreas Range kam Filip schließlich im Jänner 2020 in das Zisterzienserkloster Mehrerau nach Bregenz. Hier bekam er die Chance des allmählichen Hineinwachsens in die Ordensgemeinschaft. Aus dem Klosterkandidaten ist inzwischen ein Novize geworden, der voller Pläne steckt. „Ich möchte das Noviziat abschließen und dann Theologie und Kunst studieren.“ Danach kann sich Frater Filip gut vorstellen, ins Kloster zurückzukehren. „Aber das entscheidet dann die Gemeinschaft.“

Filip Adametz

geboren 17. September 1973 in Turnov (Tschechien)

Ausbildung Pädagoge

Familie geschieden

Hobby Mountainbiken