Ein Ort der Zuflucht

Vorarlberg / 10.12.2021 • 09:00 Uhr
<p class="caption">Neben einem Schlafplatz bieten die Notschlafstellen auch Beratung an.  <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"><span class="copyright"> </span></span><span class="copyright">Caritas</span></p>

Neben einem Schlafplatz bieten die Notschlafstellen auch Beratung an.  Caritas

Die Schlafplätze in den Vorarlberger Notschlafstellen sind nicht nur zur kalten Jahreszeit stark gefragt.

Von Laura Fitsch, Redaktionstrainee

Bregenz. Feldkirch. Der bevorstehende Winter bringt neben Schnee und Eis vor allem Kälte mit sich. Besonders nachts herrschen teils eisige Temperaturen. Ein gesicherter und warmer Schlafplatz ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Doch nicht jeder hat dieses Privileg.

Notschlafstellen, wie jene der Caritas Vorarlberg oder die von Dowas, sind Orte, an denen Wohnungslose nächtigen können. Jedoch ist neben der Aufenthaltsdauer auch die Anzahl an Betten beschränkt. Bei der Notunterkunft der Caritas in Feldkirch stehen gesamt acht Betten zur Verfügung. Dowas in Bregenz zählt zwölf Schlafplätze. Drei davon sind ausschließlich für Frauen vorgesehen. Die Auslastung der Betten ist, laut Angaben der beiden Organisationen, phasenweise unterschiedlich hoch und kann sich rapide ändern. „Ob wir nächste Woche ein Bett frei haben, können wir heute noch nicht sagen“, erzählt Julia Märk, Fachverantwortliche für die Notschlafstelle in Bregenz.

Julia Märk ist Fachverantwortliche der Notschlafstelle von Dowas in Bregenz. <span class="copyright">Laura Fitsch</span>
Julia Märk ist Fachverantwortliche der Notschlafstelle von Dowas in Bregenz. Laura Fitsch

Nachfrage ganzjährig hoch

Generell sei die Nachfrage das ganze Jahr über hoch. 1897 Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr in der Notschlafstelle am Feldkircher Jahnplatz gezählt. Dowas verbuchte in diesem Jahr bis Ende Oktober bereits 2420 Nächtigungen. Es kommt auch immer wieder einmal vor, dass Menschen abgewiesen werden müssen, weil kein Platz mehr ist. In einem solchen Fall wird meist an andere Einrichtungen vermittelt. Oft sind die Wohnungslosen aber auch gezwungen, die Nacht auf der Straße zu verbringen. „Für jene, die draußen schlafen, vergeben wir Schlafsäcke und Decken“, erklärt Julia Märk.

Herausforderung Lockdown

Die aktuellen Begebenheiten erschweren die Situation der Betroffenen zusätzlich: Nicht nur die Witterungsverhältnisse, die der Winter mit sich bringt, machen den Obdachlosen zu schaffen. Der aktuell geltende Lockdown macht die Situation noch viel prekärer. „Es wird grundsätzlich zu wenig beachtet, dass es während des Lockdowns für Menschen ohne Obdach keinen Aufenthaltsort gibt“, erklärt Märk. Die Leute seien gezwungen, ihre Zeit auf der Straße zu verbringen, da Cafés und andere Orte, an denen sie sich aufwärmen könnten, geschlossen haben.

Bis zu 28 Nächte dürfen die Betroffenen in der Notschlafstelle bleiben. <span class="copyright">dowas</span>
Bis zu 28 Nächte dürfen die Betroffenen in der Notschlafstelle bleiben. dowas

Versteckt obdachlos

Generell bekäme das Thema Obdachlosigkeit in Vorarlberg zu wenig Aufmerksamkeit. Davon betroffen sind weitaus nicht nur jene, die von uns wahrgenommen werden, weil sie auf der Straße sitzen. „Da gibt es so viele Leute, die versteckt wohnungslos sind. Die schlafen bei irgendwelchen Bekannten und Verwandten auf der Couch oder im Auto. Das Thema ist viel größer, als man denkt“, manifestiert Ferdinand Koller, der für die Beratung bei Dowas verantwortlich ist. Das sieht der Stellenleiter für Existenz und Wohnen der Caritas, Christian Beiser, genauso. „Ich würde mir wünschen, dass das Thema ganzjährig stärker wahrgenommen wird und nicht immer nur kurz vor Weihnachten, wenn es kalt wird. Es betrifft einen gewissen Prozentsatz der Menschen und damit müssen wir uns einfach auseinandersetzen.“

Christian Beiser ist Stellenleiter für Existenz &amp; Wohnen bei der Caritas. <span class="copyright">Caritas</span>
Christian Beiser ist Stellenleiter für Existenz & Wohnen bei der Caritas. Caritas