Gebremster Klimawandel im Herbst

Kleinerer Temperaturanstieg als in anderen Jahreszeiten. Heuer war es sogar recht kühl.
SCHWARZACH Zumindest im Herbst ist es in Vorarlberg in den vergangenen 50 Jahren „nur“ um ein Grad wärmer geworden. Das ist grundsätzlich sehr viel und auch spürbar, im Vergleich zur Entwicklung in anderen Jahreszeiten jedoch bescheiden. „Im Sommer ist es um zwei bis zweieinhalb Grad wärmer geworden“, erklärt Alexander Orlik von der „Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik“ (ZAMG).
Für das Phänomen existieren nachvollziehbare Gründe, die der Experte erläutert: Zum einen gebe es den globalen Treibhauseffekt, der die Erderwärmung antreibe. Zum anderen gebe es Faktoren, die bremsend oder aber auch verstärkend wirken würden. Im Sommer habe beispielsweise die Sonnenscheindauer zugenommen. Also falle der Temperaturanstieg hier größer aus. Im meteorologischen Herbst, der von Anfang September bis Ende November dauert, habe sich die Sonnenscheindauer dagegen kaum verändert. Also sei der Temperaturanstieg kleiner.

Heuer war dieser Herbst hierzulande überhaupt bemerkenswert. Das verdeutlichen Daten, die Orlik zusammengestellt hat: In Bregenz war es mit durchschnittlich 9,7 Grad sogar etwas kühler als im langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 (zehn Grad). Von der Temperatur her entsprach das Verhältnissen, wie sie zuletzt etwa Anfang der 1980er Jahre gewöhnlich waren. „Spannend“ ist laut Orlik, „dass es nie so richtige Schwankungen gegeben hat“.
Landesweit wurden immerhin 18 Frosttage registriert. Von 1991 bis 2020 waren es durchschnittlich 16. Von einem Frosttag ist die Rede, wenn die Temperatur zumindest einmal unter den Gefrierpunkt fällt. „Das ist eine wichtige Grenze für Pflanzen“, betont Orlik. Die Steigerung von Frost- ist der Eistag, an dem die Temperatur durchgehend im Minusbereich bleibt. Besonders in den Niederungen ist damit aber erst im Winter zu rechnen.
Sehr bescheiden waren im meteorlogischen Herbst 2021 die Niederschlagsmengen. In Bregenz wurden mit 251 Millimetern um 31 Prozent weniger gemessen als im langjährigen Mittel. Am Hochtannberg, in Warth, entsprachen die 230 erfassten Millimeter gar einem Rückgang von 43 Prozent, also fast der Hälfte: „Aufgrund des Hochdruckeinflusses waren die Monate September und Oktober sehr trocken, erst im November gab es wieder genug Niederschlag“, so Orlik.