Eineinhalb Jahre vom neugeborenen Sohn entfernt. Und dann . . .

Moment puren Glücks. Bernhard Waibel durfte sein Söhnchen Sebastian erstmals in die Arme schließen.
Lustenau Er liebt seine Lebenspartnerin und ist verrückt nach seinem kleinen Sohn. Und trotzdem konnte Bernhard Waibel (62) seinen neugeborenen Sohn über eineinhalb Jahre nicht sehen. Schuld daran: Corona – die VN berichteten.
Bernhard Waibels Partnerin Janice (37) bracht den kerngesunden Sebastian am 18. April 2020 auf die Welt. Bernhard, der auf der Insel Cebu mit Janice eine Ferienpension errichtet hatte, wollte im Mai auf die Philippinen fliegen. Doch Corona kam dazwischen. Weil Bernhard und Janice nicht verheiratet sind, konnte der Lustenauer fast eineinhalb Jahre nicht ins Land einreisen.
Der roten Liste entkommen
“Ich hatte dadurch auch meine Vaterschaft vor Ort nicht beglaubigen können. Bis ich das juristisch in Österreich machen und die bürokratischen Hürden bewältigen konnte, vergingen viele Monate, ja mehr als ein Jahr”, seufzt Waibel. Dabei hatte er dieses Mal noch Riesenglück. “Ich kam am 21. November auf Cebu an. Wenige Tage später setzten die Philippinen Österreich auf die rote Liste. Danach wäre mein Reise wieder auf unbestimmte Zeit verschoben worden.”
Als der nunmehrige Pensionist nun endlich im asiatischen Land ankam, ging es jedoch noch nicht gleich zu Frau und Kind. Trotz Geimpftenstatus und negativem PCR-Test aus Österreich musste Waibel nach seiner Ankunft in Quarantäne. “Vier Tage verbrachte ich in einem Zimmer, in einem Hotel, das extra für Quarantänepersonen zur Verfügung gestellt wurde.

Die erste Begegnung
Entlich, am 26. November, war es soweit. Bernhard Waibel fuhr mit dem Taxi zu seinem Haus. Er wird die Ankunft dort nie mehr vergessen. “Sie haben alle auf mich gewartet. Familie und Bekannte, alle waren da.” Und der kleine Sebastian? “Es war unglaublich, als ich ihn zum ersten mal leibhaftig vor mir sah. So anders, als wenn du nur über Skype kommunizieren kannst.” Jede Sekunde dieser ersten Begegnung hat sich beim Papa eingeprägt. “Man drückte ihn mir in die Arme Doch bald blickte er etwas hilflosweg. Ich stellt ihn wieder auf den Boden, begann mit ihm zu reden. Ich ging mit ihm hinauf in sein Zimmer. Dort fingen wir an zu spielen, und bald es war so, als seien wir schon immer zusammengewesen.”
“Es war unglaublich, als ich meinen Sohn erstmals leibhaftig vor mir sah. Ganz anders als auf Skype.”
Bernhard Waibel, Vater

Lustenauerisch
Bernhard Waibel genießt jeden Tag, jede Minute mit seinem Sohn. Zeit hat er im Überfluss. Was natürlich mit Corona zu tun hat. “Die Insel wäre um die Zeit gut besucht mit Touristen. Die sind jetzt natürlich nicht da, unsere Fremdenzimmer sind leer.” Keiner der im Tourismus Beschäftigten kann damit so gut klar kommen wie Bernhard Waibel. Mehr als eineinhalb Jahre nach dessen Geburt das Kind erstmals sehen können: “Da gibt es einiges aufzuholen”, lacht Waibel.
Mit Sebastian spricht er mal Englisch, mal Deutsch. “Aus dem Deutsch wird jetzt aber immer mehr Lustenauerisch.” Der aufgeweckte Bub könne jedoch davon nur profitieren. “Im nächsten Frühjahr fahren wir alle zusammen nach Lustenau. Da wird er dann gleich auch den Dialekt verstehen”, ist sich der stolze Papa sicher.