So viele Medikamente braucht ein Covid-Intensivpatient pro Tag

Vorarlberg / 06.12.2021 • 08:00 Uhr
Zwei Rollwagen sind erforderlich, um die Menge an Medikamenten darzustellen. <span class="copyright">KHBG</span>
Zwei Rollwagen sind erforderlich, um die Menge an Medikamenten darzustellen. KHBG

Der Cocktail, der heilen soll, ist hoch dosiert.

Feldkirch Hohenems Zwei fahrbare Metalltischchen, wie sie in den Krankenhäusern zum Transport verwendet werden: Darauf der Medikamentencocktail, den jene Covid-19-Patienten erhalten, die auf einer Intensivstation liegen. Die Menge mutet nach einer Wochenration an, tatsächlich jedoch handelt es sich um den Tagesbedarf. Das gesamte Arsenal, mit dem gegen das Coronavirus und seine fatalen Auswirkungen angegangen wird, umfasst bis zu elf Arzneimittelgruppen mit zusammen rund 60 Einzeldosen. Zum Vergleich: Eine Impfung enthält 0,3 Milliliter des schützenden Serums.

Standardmedikation

Im Landeskrankenhaus Feldkirch gibt es eine Zentralapotheke, in den anderen Landesspitälern sind Medikamentendepots eingerichtet. Sie werden von der Zentralapotheke mit den benötigten Arzneien versorgt. „Wir stehen in engem Austausch mit den Intensivstationen und definieren jeweils das Sortiment, das für die Patienten gebraucht wird“, erklärt Leiter Günther Graninger. Was auf dem Foto zu sehen ist, entspricht der täglichen Standardmedikation für Covid-19-Intensivpatienten. Damit diese ständig verfügbar ist, bekommen die Intensivstationen jeweils größere Einheiten geliefert. Engpässe sind laut Graninger nicht zu befürchten. „Es ist alles in ausreichender Menge vorhanden. Die Lager sind gut gefüllt, und auch der Nachschub funktioniert“, bestätigt der Apothekenchef.

Schwerkranke Covidpatienten benötigen Medikamente für den künstlichen Tiefschlaf und zur Aufrechterhaltung der sedierenden Wirkung sowie Mittel für die Schmerztherapie. Auch sie umfassen eine große Palette. Weiters brauchen diese Patienten einen Flüssigkeits- und Elektrolytersatz, Medikamente für die Blutverdünnung und solche, die den Blutdruck heben und dann stabilisieren. „Es ist eine Mischung aus schlechtem Allgemeinzustand, Flüssigkeitsmangel und Medikamenten zur Sedierung, die den Blutdruckabfall begründen“, erklärt Primar Peter Cerkl, Leiter der Pulmologie im Landeskrankenhaus Hohenems.

Ernährung über die Vene

Doch damit nicht genug. Kochsalzinfusionen sorgen dafür, dass sich die Medikamente im Körper auflösen, und Antibiotika sollen die Entzündungen bekämpfen. Zum täglichen Medikamentencocktail gehören außerdem Ernährungsbeutel, die Vitamine und Spurenelemente enthalten, und deren Inhalt über die Vene zugeführt wird. Allen Intensivpatienten gemeinsam ist zudem die Verabreichung von Kortison, das die angegriffenen Lungen weiten soll. Eine Infektion mit dem Coronavirus kann zwar auch Folgen für andere Organe haben, am häufigsten trifft es jedoch die Lunge. „Wehrt sich das Immunsystem gegen diese Viren, kann es zu einer überschießenden Entzündungsreaktion kommen“, beschreibt Peter Cerkl. Letztlich führt aber nicht das Virus zu Schäden, sondern die Entzündung. Schwerkrank sind übrigens auch Patienten auf einer Normalstation. „Sie sind häufig aufgrund von Fieber und Durchfällen, die das Virus auch verursacht, sehr geschwächt“, berichtet Cerkl. Was sie von Intensivpatienten unterscheidet, ist, dass meist eine nichtinvasive Beatmung ausreicht.  

Auch im LKH Hohenems gibt es ungeimpfte Covid-19-Patienten und solche mit Impfdurchbrüchen. Deren Krankheitsbild beschreibt der Lungenfacharzt als leicht bis moderat. „Das ist am letztlich das, was die Impfung versprochen hat. Sie hat nie versprochen, dass man Covid nicht bekommt, sondern dass die schweren Verläufe zu 90 Prozent verhindert werden.“ Peter Cerkl erzählt noch von einem Patienten, der sich eine Woche nach der Erstimpfung mit Corona infizierte. „Jetzt tut es ihm leid, dass er sich nicht schon früher impfen ließ.“