Neuer Zweck für alte Kleidung

Vorarlberg / 05.12.2021 • 16:55 Uhr
In den Räumlichkeiten der einstigen Wäscherei wurde ein Second-Hand-Laden eingerichtet, Wo sich Bedürftige gegen eine kleine Spende mit dem Nötigsten eindecken können.
In den Räumlichkeiten der einstigen Wäscherei wurde ein Second-Hand-Laden eingerichtet, Wo sich Bedürftige gegen eine kleine Spende mit dem Nötigsten eindecken können.

Kleiderstube Walgau gibt Second-Hand-Kleidung an Bedürftige weiter.

BLUDESCH, SCHLINS Seit sechs Jahren helfen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Kleiderstube Walgau geflüchteten Menschen, denen es oft am Nötigsten fehlt. Im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 hatte sich eine Gruppe ehrenamtlicher Helferinnen formiert, die seither um die Belange Hilfsbedürftiger bemüht ist. Die Initialzündung dafür ging von Waltraud Ammann aus. „Als die Flüchtlingswelle in aller Munde war, hatte ich das Bedürfnis, einen Beitrag zu leisten“, schildert die Ludescherin. „Ich bin zur Caritas gegangen und habe meine Hilfe angeboten. So entstand die Idee der Kleiderstube“, erinnert sie sich zurück. Große Unterstützung kam seitens der Gemeinde Bludesch von Doris Hammerer. „Sie ist ebenfalls seit den Anfängen dabei und eine der guten Seelen der Kleiderstube“, streut ihr Ammann Rosen.

Kleiderspenden benötigt

Als Unterkunft steht der Kleiderstube das ehemalige Wäscherei-Gebäude am Gaisbühel zur Verfügung. In den Anfängen war alles sehr spartanisch eingerichtet. „Die Räume waren mit Kisten vollgestellt. Es war ein ziemliches Durcheinander“, erinnert sich die Leiterin der Kleiderstube zurück. In Eigeninitiative wurde nach und nach für Ordnung gesorgt, Kleiderstangen montiert sowie Regale angeschafft. Inzwischen sind die angebotenen Gegenstände sorgfältig und übersichtlich sortiert. Mit 117 Personen ist die Flüchtlingsunterkunft Gaisbühel derzeit voll belegt. „In den letzten Tagen kamen über 30 ‚Neue‘ an, oft nur mit dem, was sie am Leib tragen“, berichtet Waltraud Ammann. „Vor ein paar Tagen war daher auch in der Kleiderstube sehr viel los. Die Leute standen vor der Tür Schlange“, schildert Ammann und fügt hinzu: „Angebot und Nachfrage stimmen leider oft nicht überein, weshalb wir aktuell wieder dringend auf Sachspenden angewiesen sind.“

Waltraud Ammann (r.) mit zwei ihrer guten Seelen (Maria Bertsch und Angelika Haller) vor der Kleiderstube Walgau am Gaisbühel.<span class="copyright">VN/JS</span>
Waltraud Ammann (r.) mit zwei ihrer guten Seelen (Maria Bertsch und Angelika Haller) vor der Kleiderstube Walgau am Gaisbühel.VN/JS

Warme Kleidung, feste Schuhe, Mützen, Handschuhe und Socken, vor allem für Männer, Jugendliche und Kinder, werden derzeit besonders dringend benötigt. Darüber hinaus steht aber auch Hausrat wie Besteck, Teller und Kochtöpfe, Mixer, Rasierer und Föhns sowie Spielzeug, Bilderbücher und Sportsachen auf der Wunschliste des Kleiderstube-Teams. „Wir sind jedem dankbar, der seine Kleiderkasten durchforstet und uns nicht mehr getragene Sachen vorbeibringt“, so Ammann. „Viele Leute sind froh, wenn sie ihre Sachen hier abgeben können, weil sie sicher sein können, dass diese einen guten Zweck erfüllen“, kann Maria Bertsch, eine von acht ehrenamtlichen Helferinnen, berichten. „Zudem macht es auch aus ökologischer Sicht Sinn, nicht mehr Gebrauchtes an andere weiterzugeben.“

Helfer erwünscht

Aktuell befindet sich auch die Kleiderstube Walgau im Lockdown. Ansonsten ist sie jeden Mittwochnachmittag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Gegen eine symbolische Spende erhalten Bedürftige dort passende Kleidung und Haushaltsgegenstände. Darüber hinaus hat sich der Nachmittag inzwischen zu einem Treffpunkt für Geflüchtete entwickelt. „Zudem besteht für die Menschen die Möglichkeit, mit uns Helferinnen ins Gespräch zu kommen. Es ist sozusagen ein ‚lebensnaher Deutschkurs‘“, sagt Angelika Haller, die ebenfalls mitanpackt. Das Angebot wird inzwischen von vielen Menschen im Walgau und darüber hinaus angenommen. „Der Nachmittag ist für uns alle sehr anstrengend. Ich bin froh, dass ich mich auf ein verlässliches und unkompliziertes Team verlassen kann. Trotzdem wären weitere helfende Hände durchaus wünschenswert“, so Waltraud Ammann abschließend.

Spender können sich unter Tel. 0650 3252740 mit Waltraud Ammann in Verbindung setzen.