Platz ist nur noch im Aufwachraum

Vorarlberg / 02.12.2021 • 16:20 Uhr
Platz ist nur noch im Aufwachraum
Die Betreuung von Covidpatienten ist sehr aufwendig und anstrengend. DPA/VN

Pandemie durchkreuzt auch die OP-Pläne.

Dornbirn Gerade einmal sechs neue Covidpatienten am Mittwoch: Für Gerald Fleisch, Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) ein Hoffnungsschimmer, wenn auch nur ein ganz kleiner.

Bitterer Nachsatz: „Alle sind ungeimpft.“ Gleichzeitig konnten 17 Covidpatienten entlassen werden. Allerdings gab es auch wieder zwei Todesfälle. Seit Beginn der Pandemie sind in den Spitälern des Landes 257 Menschen am oder mit dem Virus verstorben. Aktuell benötigen 130 Covid-19-Betroffene eine stationäre Behandlung, 22 ein Intensivbett. 25 davon sind noch verfügbar. „Die Situation ist sehr angespannt“, erklärte Fleisch, vor allem, weil die Pandemie wieder OP-Pläne durchkreuzt. Im LKH Feldkirch beispielsweise fällt derzeit jeder vierte Eingriff aus. Das Anästhesiepersonal wird auf der um zehn Betten aufgestockten Intensivstation gebraucht. Im LKH Bregenz gibt es für Intensivpatienten gar nur noch Platz im Aufwachraum.

Drohbriefe und Demos

Eine zusätzliche Belastung stellen Fake-News, Drohbriefe und Drohmails dar, mit denen sich Mitarbeitende immer öfter konfrontiert sehen. Auch kleinere Demos gab es vor den Spitälern, die in Beschimpfungen für das Personal gipfelten. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen“, kündigte Gerald Fleisch an. Man sei mit Anwälten, der Polizei und dem BVT in Kontakt. „Es braucht endlich eine Lösung, die dauerhaft ist“, sagte der KHBG-Direktor. Die sieht er einzig in der Impfung. Aufgrund der wissenschaftlichen Daten, so Fleisch, sollte es selbst für Zweifler keine Zweifel mehr geben.

Dringliche und lebensnotwendige Operationen würden selbstverständlich weiterhin durchgeführt, beruhigte Primar Wolfgang Hofmann, Kostenstellenleiter im Zentral-OP in Feldkirch. Über weitere Eingriffe entscheidet ein ärztliches Gremium. Große Operationen sind kein Thema, wenn kein Intensivbett für den Patienten gesichert ist. „Wir bemühen uns aber, möglichst viele Eingriffe zu machen“, versicherte der Gefäßchirurg. Als Beispiel nannte er Operationen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung. Sie stehen innerhalb von zwei bis drei Wochen auf dem OP-Plan.

Hoffen auf bessere Perspektiven

Bei Patienten stoßen Verschiebungen von bereits geplanten Operationen nicht immer auf Verständnis. „Manche reagieren mit Unmut, Sorgen und Ängsten bis hin zu Aggressionen“, berichtete Hofmann. All das müssen die Mitarbeitenden abfangen. Für sie bedeutet die Verlegung von Eingriffen nicht nur einen hohen organisatorischen Aufwand, sondern ebenso eine psychische Belastung. Die spürt auch das Personal auf den Intensivstationen. „Es gab kaum Regenerationsphasen“, berichtete Verena Bischof vom Krankenhaus Dornbirn. Nach Abflachung der Coronawellen wurde jede freie Minute genutzt, um Operationen nachzuholen. Dazu kommt die Personalknappheit. „Wir sind erschöpft“, sagte sie. Dennoch versuchen alle, positiv zu bleiben und hoffen auf bessere Perspektiven.