Keine neuen Investorenmodelle mehr in St. Gallenkirch

Vorarlberg / 26.11.2021 • 15:30 Uhr
Das Hotel samt öffentlichem Restaurant soll neben einer Zufahrtsstraße auch mit einer eigenen Kompaktseilbahn erschlossen werden. <span class="copyright">Avenida</span>
Das Hotel samt öffentlichem Restaurant soll neben einer Zufahrtsstraße auch mit einer eigenen Kompaktseilbahn erschlossen werden. Avenida

In der Montafoner Gemeinde werden gerade mehrere Hotels gebaut, davon ist eines ein Investorenmodell. Es soll das Letzte dieser Art sein.

St. Gallenkirch Im Montafon schießt ein Hotel nach dem anderen in die Höhe, so auch in St. Gallenkirch. Investorenmodelle erfreuen sich bei den Bauherren großer Beliebtheit, sind den Gemeinden aber zunehmend ein Dorn im Auge, weshalb einige bereits einen zweijährigen Baustopp für solche Projekte verhängt haben.

Auch das jüngste Projekt in der Gemeinde St. Gallenkirch, das Avenida Resort Montafon, ist ein solches Investorenmodell. Der Baubeginn ist bereits erfolgt. Geplant ist ein Hotelgebäude mit 128 Hotelzimmern sowie drei Chalet-Häuser mit 48 Appartements. Ein großzügiger Wellnessbereich mit Schwimmbädern, ein öffentliches Restaurant sowie eine Seilbahn, die mit der Valiserabahn verbunden ist, sind projektiert.


Umgewidmet wurde die Fläche am Ortseingang bereits 2011 und 2012, damals noch für die Errichtung der Grasjochbahn und eines Kinderhotels. 2016 und 2017 wurde die Umwidmung zugunsten der Betreiberfirma Arborea Hotels und Resorts GmbH angepasst. Da es einen firmeninternen Strategiewechsel gab und sich die Firma mehr auf Projekte in Deutschland fokussieren wollte, hat Arborea das Projekt in St. Gallenkirch nach fünf Jahren Planung fallengelassen. Mit Avenida GmbH hat man aus Sicht des Arborea-Geschäftsführers Johann Kerkhofs einen passenden Nachfolger gefunden, der die gleichen Werte vertritt. Avenida hat zwar noch ein paar kleine, dafür markante Anpassungen vor allem im Sockelgeschoss vorgenommen, doch im Wesentlichen bleibt das Projekt unverändert.

Keine Zweitwohnsitze

Im Gegensatz zum Vorgängerprojekt verzichtet Avenida auf die bereits vorhandene Zweitwohnsitzwidmung. „Damit wollen wir nichts zu tun haben“, sagt Ralph van Kollenburg, Geschäftsführer der Avenida GmbH. Auch wenn die Gefahr von Zweitwohnsitzen gebannt ist, so ist diese von kalten Betten keineswegs, denn zur Finanzierung des Projekts wird das von den Einheimischen viel gefürchtete Investorenmodell herangezogen, bei dem die Wohneinheiten parifiziert und an mehreren Investoren verkauft werden. Viele befürchten, dass die Appartements nach Ablauf des Pachtvertrags zwischen Investor und Betreibergesellschaft leer stehen.

„Wir möchten in St. Gallenkirch keine Investorenmodelle mehr. Wir haben mit den bereits bestehenden teilweise gute, aber auch schlechte Erfahrungen gemacht.

Josef Lechthaler, Bürgermeister St. Gallenkirch


Clemens Eisinger, Sprecher von Avenida, wehrt dies ab: Mit dem 60 Millionen Euro teuren Hotelprojekt gehe man bewusst über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Nicht nur, dass Zweitwohnsitze vertraglich verhindert werden, auch achtet Avenida auf eine nachhaltige, gewerbliche Nutzung, die durch einen Treuhandverein (bestehend aus Betreibergesellschaft, Gemeinde und Silvretta Montafon) kontrolliert werden soll. „Wir werden einen Treuhandverein schaffen, der auf die zentralen Flächen des Resorts zugreifen kann, wenn die gewerbliche Nutzung nicht mehr erfolgt, um sicherzustellen, dass nachhaltig die kostendeckende Weiterführung des Resorts gewährleistet wird“, teilt Eisinger mit. So hat der Treuhandverein ein Mitspracherecht bei der Betreiberwahl, wenn sich Avenida nach den 20 Jahren Vertragslaufzeit selbst nicht mehr als Betreiber zur Verfügung stellt. Im jüngst erschienenen Gmesblättli klärt die Gemeinde St. Gallenkirch über die touristische Entwicklung und in diesem Zuge über die geplanten bzw. bereits vorhandenen Investorenmodelle in der Gemeinde auf. Generell ziehe die Gemeinde klassische Beherbergungsbetriebe den Investorenmodellen vor. Beim vorliegenden Hotelprojekt der Avenida habe man schon „alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Probleme, die sich im Laufe der Jahre ergeben könnten, vorzubeugen“, so Bürgermeister Josef Lechthaler. Aufgrund der Flächenwidmung können dort also weder Haupt- noch Zweit- und Ferienwohnungen entstehen.

Kein Investorenmodell mehr

„Wir möchten in St. Gallenkirch keine Investorenmodelle mehr. Wir haben mit den bereits bestehenden teilweise gute, aber auch schlechte Erfahrungen gemacht. Auf lange Sicht ist die Kontrollierbarkeit sehr schwierig“, sagt Josef Lechthaler. „Deshalb engagieren sich vor allem die ERFA-Bürgermeister für eine Novellierung des Raumplanungsgesetzes. Eine Forderung ist hier, dass die Gemeinden entscheiden können, ob es unabhängig von der Widmung ein Investorenprojekt werden kann oder nicht. Derzeit ist die Rechtslage so, dass bei bestehender Baulandwidmung diese Finanzierungsform nicht verhindert werden kann.“


Neben dem REP (räumlicher Entwicklungsplan) ist auch die Projektstrukturgenossenschaft (PSG) ein weiteres Kontrollinstrument der Gemeinde, mit der sie Grundstücke, die für die strategische Gemeindeentwicklung relevant sein könnten, sichern kann, ohne dabei die Gemeindekasse zu belasten. Beim Grundstückskauf durch die PSG sind Partner beteiligt, die das finanzielle Risiko übernehmen.


Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus, bekommt den Unmut der Bevölkerung zu spüren, weiß aber: „Viele dieser Projekte haben schon bis zu zehn Jahre Planungszeit hinter sich.“ Die Investitionen im Bahnbereich lösten nun einen regelrechten Bauboom aus. „Tatsache ist aber auch, dass das Montafon in den letzten 20 Jahren keine nennenswerte Entwicklung im Bettenbereich erlebt hat und schleichend circa 8000 Gästebetten verlorengingen“, die nun zum Teil wieder ausgeglichen werden. VN-JUN

Bereits bestehende Investorenmodelle

<strong>Gastauer Appartements</strong> 30 Appartements, 120 Betten, Freibad und öffentliches Restaurant: Das Restaurant war für die Gemeinde mit der Hauptgrund, warum sie die Fläche umgewidmet hat. Als das Restaurant aber nicht wirtschaftlich betrieben werden konnte, wollte der Eigentümer auf den Flächen zusätzliche Ferienwohnungen errichten, was die Gemeinde bereits im Oktober 2020 mit dem Beschluss einer Bausperre unterband. „Derzeit sind keine weiteren Projekte in Vorbereitung. Wir behalten es uns vor, recht kurzfristig zusätzliche Bausperren zu verordnen“, so Lechthaler.
Gastauer Appartements 30 Appartements, 120 Betten, Freibad und öffentliches Restaurant: Das Restaurant war für die Gemeinde mit der Hauptgrund, warum sie die Fläche umgewidmet hat. Als das Restaurant aber nicht wirtschaftlich betrieben werden konnte, wollte der Eigentümer auf den Flächen zusätzliche Ferienwohnungen errichten, was die Gemeinde bereits im Oktober 2020 mit dem Beschluss einer Bausperre unterband. „Derzeit sind keine weiteren Projekte in Vorbereitung. Wir behalten es uns vor, recht kurzfristig zusätzliche Bausperren zu verordnen“, so Lechthaler.
<strong>Revier </strong>Das Hotel neben dem Silvretta Park soll im Juni 2022 fertiggestellt werden. Geplant sind 107 Zimmer, 256 Betten, eine Tiefgarage, ein öffentliches Restaurant und Tagungsräumlichkeiten.
Revier Das Hotel neben dem Silvretta Park soll im Juni 2022 fertiggestellt werden. Geplant sind 107 Zimmer, 256 Betten, eine Tiefgarage, ein öffentliches Restaurant und Tagungsräumlichkeiten.
<strong>Landal Ferienpark</strong> 12 Wohngebäude, 93 Appartements, 364 Betten, Hallenbad und öffentliches Restaurant: Vermietung nur an ständig wechselnde Gäste. „Das Projekt wurde seit jeher bestens betrieben und führte zu einem starken Wachstum der Nächtigungen in Gargellen und somit auch zu einer hohen Auslastung der Bergbahnen“, so die Gemeinde.
Landal Ferienpark 12 Wohngebäude, 93 Appartements, 364 Betten, Hallenbad und öffentliches Restaurant: Vermietung nur an ständig wechselnde Gäste. „Das Projekt wurde seit jeher bestens betrieben und führte zu einem starken Wachstum der Nächtigungen in Gargellen und somit auch zu einer hohen Auslastung der Bergbahnen“, so die Gemeinde.
<p class="caption"><strong>Chalet Resort Montafon</strong> 32 Gebäude, 79 Appartements, 240 Betten, Restaurant: Nachdem das Chalet Resort nach kurzer Betriebsdauer aufgrund von bautechnischen Mängeln gesperrt werden musste, konnte dieses nach einer umfangreichen Sanierung seitens der Eigentümer im Dezember 2020 wieder vollständig freigegeben werden.<span class="copyright"> VN/Hartinger</span></p>

Chalet Resort Montafon 32 Gebäude, 79 Appartements, 240 Betten, Restaurant: Nachdem das Chalet Resort nach kurzer Betriebsdauer aufgrund von bautechnischen Mängeln gesperrt werden musste, konnte dieses nach einer umfangreichen Sanierung seitens der Eigentümer im Dezember 2020 wieder vollständig freigegeben werden. VN/Hartinger

<p class="caption"><strong>Alpin Resort Montafon</strong> 3 Gebäude, 60 Appartements und 300 Betten: Der Umwidmungsbeschluss erfolgte bereits 2010 (max. 3 Wochen Eigennutzung pro Jahr für 48 Ferienwohnungen). „Das ursprüngliche Projekt endete in einem wirtschaftlichen Desaster“, so Lechthaler. Im Dezember wird das Projekt nach Übernahme neu in Betrieb gehen.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="copyright">Schmid&amp;Romagna</span></p>

Alpin Resort Montafon 3 Gebäude, 60 Appartements und 300 Betten: Der Umwidmungsbeschluss erfolgte bereits 2010 (max. 3 Wochen Eigennutzung pro Jahr für 48 Ferienwohnungen). „Das ursprüngliche Projekt endete in einem wirtschaftlichen Desaster“, so Lechthaler. Im Dezember wird das Projekt nach Übernahme neu in Betrieb gehen. Schmid&Romagna

Vaya Geplant sind sechs Gebäude mit 476 Betten, Wellnessbereich und öffentlichem Restaurant. Ursprünglich war das Hotelprojekt als Investorenmodell geplant, nach mehreren Verhandlungen wird es nun von einem Einzelinvestor betrieben.