Warum Schulen durch die derzeitigen Coronaregeln verunsichert sind

Vorarlberg / 23.11.2021 • 05:00 Uhr
Warum Schulen durch die derzeitigen Coronaregeln verunsichert sind
Getestet wird so viel wie noch nie an den heimischen Schulen. Der Coronateufel mit der ansteckenden Delta-Variante schlägt trotzdem massiv zu. VN/Steurer

Die Schule ist offen, oder doch nicht wirklich? Ist der Schulbesuch ratsam? Fragen über Fragen.

Schwarzach Am BG Dornbirn wütet der Coronateufel. Acht von 20 Unterstufenklassen befinden sich dort aufgrund zahlreicher Infektionsfälle oder eines K1-Status in Absonderung, dazu noch neun Lehrkräfte. Die Reaktion von Direktor Markus Germann ist vor diesem Hintergrund verständlich: “Wir haben die Eltern gebeten, ihre Kinder zumindest diese Woche zu Hause zu lassen. Nur jene, die keine andere Möglichkeit haben, sollen an die Schule kommen.”

Die Kinder in die Schule schicken oder doch zu Hause lassen? Das war die Frage in vielen Familien mit Schulkindern am Montag, dem ersten Tag des vierten Lockdowns. Die große Mehrheit entschied sich dafür, die Kinder vor Ort ihren Pädagogen zuzuführen. Dabei hatte das Bildungsministerium die Einladung an die Schüler zum Präsenzunterricht bereits am frühen Freitagnachmittag zwar nicht revidiert, aber doch relativiert. “Die Schulen bleiben geöffnet, für alle, die sie brauchen”, hieß es da in einem Brief an die Direktoren plötzlich viel defensiver.

Mangelnde Kommunikation

“Es fehlt die klare Kommunikation von den Verantwortlichen”, bemängelt Robin Würtinger, Direktor der VS Lustenau-Rotkreuz. “Bei früheren Lockdowns gab es noch einen Brief des Ministeriums an die Eltern. Da kannten sie sich aus. Da war vieles klar. Jetzt muss jede einzelne Schule selbst die Kommunikation übernehmen.” Für die Eltern sei unklar gewesen, wie die Unterstützung für die Zu-Hause-Gebliebenen durch die Schule genau ausschaut. “Auch ob Schularbeiten nun abgehalten werden bzw. ob und in welcher Form es Sport-und Musikunterricht gibt, ist nicht eindeutig festgehalten”, ergänzt Würtinger. Was ihm auffiel: “Die unteren Klassen verzeichneten bis zu vier abwesende Schüler, die vierten Klassen waren nahezu komplett.”

Bei früheren Lockdowns hat es noch einen Brief vom Ministerium an die Eltern gegeben. Der fehlte dieses Mal.”

Robin Würtinger, Direktor VS Lustenau-Rotkreuz

Gutes Team in Klaus

Aus der Mittelschule in Klaus-Weiler-Fraxern berichtet Direktor Dieter Losert über wenige Absenzen. “Es gibt sie nur vereinzelt. Einige, die nicht kamen, sind noch dazu K1-Personen. Die hätten also sowieso nicht kommen dürfen.” Der Direktor lobt das “hervorragende” Umfeld der Bildungsstätte. “Ich möchte vor allem die Eltern erwähnen, die in diesen schwierigen Zeiten immer sehr gut mit uns kooperieren.” Den wenigen, die nicht erschienen seien, habe man digital Lernmaterialien zur Verfügung gestellt.” Die Elternvertreterin der Schule, Gudrun Mittelberger, erzählt von den verständnisvollen Eltern, die durch die hohen Sicherheitsstandards an den Schulen beruhigt seien. “Auch die Kommunikation mit der Schule und dem Lehrerteam funktioniert einfach bestens.”

Jüngere stark betroffen

Gar nicht gut finden laut Pflichtschulelternvertreter Michael Tagger viele andere Eltern das Kommunikationssystem. “Da gibt es Schulen, die teilen mit, dass nur jene Schüler kommen sollen, die es brauchen. Andere wiederum fordern die Eltern auf, ihre Kinder zu schicken. Es ist alles sehr unübersichtlich. Viele kennen sich nicht aus.”

Laut ersten Wahrnehmungen kamen am ersten Lockdowntag österreichweit rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler an die Schule. Vor allem viele Jüngere, die noch nicht geimpft sind, blieben offensichtlich zu Hause. Das Infektionsgeschehen ist derzeit bei 5- bis 14-Jährigen von allen Altersgruppen am höchsten.