Warum Bregenz am Sonntag eine gespaltene Stadt war

Vorarlberg / 21.11.2021 • 21:15 Uhr
Warum Bregenz am Sonntag eine gespaltene Stadt war
Großdemonstration gegen die Coronamaßnahmen in Bregenz. Rund 5000 Menschen sind gekommen. VN/Paulitsch

Großdemo am Hafen, Weihnachtsmarkt am Kornmarkt. Zwei Welten mit zwei völlig verschiedenen Gruppen von Menschen.

Bregenz Kuhglocken, Trillerpfeifen, Brandreden, Applaus: Am Bregenzer Hafen ging es nach dem Demonstrationszug der Impfgegener und Coronaskeptiker rund. Circa 5000 Aktivisten sind gekommen. Aus Vorarlberg, anderen Teilen Österreichs, aus Deutschland und der Schweiz. „Ich habe mit noch mehr gerechnet“, sagt Einsatzleiter Stefan Morscher von der Landespolizeidirektion, während wenige Meter entfernt die Kuhglocken der sich „Freiheitsgtrychler“ nennenden Gruppe aus der Schweiz bimmelten. Selbst ernannte Freiheitskämpfer. Dieser Tage bekannt als vor allem eines: aktivistische Gegner gegen Impfen und Coronamaßnahmen.

Auch reaktionäre religiöse Bewegungen fehlten bei der Protestaktion am Bregenzer Hafen nicht. <span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Auch reaktionäre religiöse Bewegungen fehlten bei der Protestaktion am Bregenzer Hafen nicht. VN/Paulitsch

Die bekannten Sprüche

Während VN-Fotograf Roland Paulitsch von unangenehmen Begegnungen berichtet, zieht Stefan Morscher kurz nach 15.00 Uhr eine aus polizeilicher Sicht erfreuliche Bilanz des Demonstrationsgeschehens: „Mir wurden bisher keine besonderen Vorkommnisse gemeldet, keine Ausschreitungen, Aggressionshandlungen oder Sachbeschädigungen.“ Vor dem Café „Die Welle“ wird indes unverdrossen gewettert. Die Freiheit sei in Gefahr, Steuerzahler würden ihrer Rechte beraubt, ziviler Widerstand und Ungehorsam seien gefragt. Mit Transparenten wie „Impzwang = Diktatur, „Nur Gott kann uns helfen“ oder „Mein  Körper, meine Entscheidung“ ging es auf Protestwanderschaft. Auch der stark belastete Spruch „Wir sind das Volk“ war zu hören und dokumentierte die Heterogenität der Demonstranten, die einmal mehr aus verschiedensten Lagern kamen.

Die Exekutive war in ausreichender Zahl präsent, als die Demonstranten in die Landeshauptstadt "einfielen". <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Exekutive war in ausreichender Zahl präsent, als die Demonstranten in die Landeshauptstadt "einfielen". VN/Paulitsch

Laut Morscher waren circa 100 Beamte im Einsatz, um das Geschehen zu kontrollieren. Für eineinhalb Stunden mussten Zufahrtsstraßen in die Stadt gesperrt werden. Anzeigen wegen Verstöße gegen Coronamaßnahmen liefen beim Einsatzleiter bis am frühen Nachmittag noch keine ein.

Der Kontrast

Nur einen Steinwurf von der Großdemo entfernt traf eine andere ganz andre Schar von Menschen zusammen: die Besucher des Bregenzer Weihnachtsmarkts in der Kornmarktstraße. Im Gegensatz zur Demo gab es dort strenge Eingangskontrollen samt Maskenpflicht. „Wir wurden informiert, dass sich einige Besucher mit gefälschten Impfpässen Eintritt verschafften. Deswegen überprüfen wir auch Identitäten“, sagt der Security beim Eingang.

Ein Bild, wie es um diese Zeit viele sich wünschen würden: Beschauliche Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Ein Bild, wie es um diese Zeit viele sich wünschen würden: Beschauliche Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt. VN/Paulitsch

Am Marktgelände dominiert Beschaulichkeit. „Wir haben uns heute, am vorübergehend letzten Tag mit Ausgangsrecht, noch einmal alles gegeben, was wir konnten. Zuerst waren wir essen, jetzt sind wir hier“, sagt Klaus Bucher aus Fußach. Er ist mit Gattin Liane und Ingrid Allmer auf dem Weihnachtsmarkt. Und natürlich kommt die Rede schnell auf das dominierende Thema. „Man sieht die Spaltung. Hier sind wir, die Geimpften, die unseren Beitrag für die Rückkehr zu einem normalen Leben leisten. Und dort drüben sind jene, die das verhindern“, redet sich Liana Bucher ihren Ärger von der Seele. So richtig entspannen könne sie deswegen nicht. „Es ist schade, dass die Gesellschaft so gespalten ist“, fügt Bucher an.

Klaus Bucher mit Gattin Liane und Ingrid Allmer. "Wir hier und die drüben." Corona war trotz Glühwein allgegenwärtig. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Klaus Bucher mit Gattin Liane und Ingrid Allmer. "Wir hier und die drüben." Corona war trotz Glühwein allgegenwärtig. VN/Paulitsch

Beim kleinen Karussel hat sich Familie Bröll mit den Kindern Henry und Emilia versammelt. Die Kinder warten, bis sie wieder eine der Figuren besteigen können. „Wir nehmen es wie es kommt“, sagt Markus Bröll. „Wir sind in der glücklichen Lage, zu Hause einen großen Garten mit viel Freiraum zu haben. Die Kinder werden nicht unter dem Lockdown leiden.“

Vorweihnachtliche Beleuchtung, Glühwein und nette Begegnungen: Darauf werden die Menschen jetzt drei Wochen lang verzichten müssen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Vorweihnachtliche Beleuchtung, Glühwein und nette Begegnungen: Darauf werden die Menschen jetzt drei Wochen lang verzichten müssen. VN/Paulitsch