Skulptur gegen Gewalt: Einweihung als berührender Akt der Versöhnung

Vorarlberg / 21.11.2021 • 16:00 Uhr
Skulptur gegen Gewalt: Einweihung als berührender Akt der Versöhnung
Der frühere Generalvikar der Diözese Innsbruck, Florian Huber, segnet die Skulptur gegen Gewalt von Udo Rabensteiner feierlich ein. TT/Böhm

In Innsbruck wurde das faszinierende Kunstwerk des Vorarlberger Bildhauers Udo Rabensteiner eingeweiht.

Innsbruck Auch der Vorarlberger Diözesanbischof Benno Elbs ließ es sich nicht nehmen, an der feierlichen Übergabe des einzigartigen Mahnmals gegen Gewalt in der Dreiheiligenkirche in Innsbruck, teilzunehmen. Gemeinsam mit dem früherenGeneralvikar der Diözese Innsbruck Florian Huber, zelebrierte er die Messe und nahm anschließend an der Einsegnug der Skulptur im Freien neben dem Gotteshaus teil. Das Kunstwerk erinnert an die schreckliche Bluttat vom 25. November 2018 unweit der Kirche. Damals wurde der 21-jährige Bregenzer Michael Perauer von einem geisteskranken Afghanen ohne Motiv erstochen.

Die Großfamilie Perauer versammelt sich um die Skulptur. Michaels Tod soll nicht umsonst gewesen sein. <span class="copyright">TT/Böhm</span>
Die Großfamilie Perauer versammelt sich um die Skulptur. Michaels Tod soll nicht umsonst gewesen sein. TT/Böhm

Die Skulptur soll aller Opfer von Gewalt eine Erinnerung setzen. Unter anderem auch dem im selben Jahr in Imst getöteten 17-jährigen Keshava Holzmann, dessen Vater, ein Freund des Künstler, für die Entstehung des Kunstwerkes wertvolle Impulse lieferte.

Zeugnis für Vergebung

Zur Mitgestaltung des Gottesdienstes und der anschließenden Einsegnung trug die Familie von Michael Perauer wesentlich bei. In ergreifenden Worten sprach Teresia Perauer, Michis Mutter, von einem “schönen Tag. Es ist dies eine Skulptur des Vergebnes. Für unseren Sohn war jeder Mensch willkommen. Er ist der Grund, warum wir den Weg des Verzeihens gewählt haben.”

Musikalisch wunderbar umrahmt wurde die Messe von Mitgliedern des Chores Collegium Vocale. Der Leiter der Sängerinnen und Sänger, die mit Bläserensemble und Organist vertreten war, hatten den wohl prominentesten Chorleiter Tirols: Georg Willi, regierender Bürgermeister der Stadt Innsbruck.

Emotionale Worte fand Wolfgang Perauer, Vater des ermordeten Michaels, unmittelbar nach der Einsegnung des Kunstwerks. <span class="copyright">TT/Böhm</span>
Emotionale Worte fand Wolfgang Perauer, Vater des ermordeten Michaels, unmittelbar nach der Einsegnung des Kunstwerks. TT/Böhm

Emotionale Szenen

Bischof Benno sprach in seiner Predigt von einem “großen Augenblick der Hoffnung.” An die Familie Perauer gerichtet sagte der Vorarlberger Diözesanbischof: “Ihr hab euch dafür entschieden, die Kraft der Versöhnung stärken. Es ist dies eine starkes Zeichen für Vergebung. Die Mitmenschlichkeit darf nie in den Lockdown gehen.”

Im kleinen abgesperrten Park neben der Kirche direkt vor den mächtigen Viaduktbögen kam es zu berührenden Szenen. Wolfgang Perauer, Michis Vater, dankte allen Anwesenden in emotionalen Worten und beschrieb das Projekt bis zu dessen Umsetzung als harmonischen Prozess, bei dem “lauter Engel am Werk waren.” Die ganze Großfamilie Perauer war gekommen, um bei Kaiserwetter die Zeremonie mitzuerleben. Auch Bildhauer Udo Rabensteiner wohnte der Einweihung bei.

In der Kirche bei der Messe war Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi als Chorleiter in Erscheinung getreten. <span class="copyright">VN/Hämmerle</span>
In der Kirche bei der Messe war Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi als Chorleiter in Erscheinung getreten. VN/Hämmerle

Harmonischer Prozess

Tatsächlich war der Prozess vom Entstehen der Idee bis zur stimmungsvollen Einweihung zum Abschluss von einem harmonischen Miteinander aller Beteiligten geprägt. Ein Spendenaufruf genügte zur vollständigen Finanzierung (30.000 Euro), Diözese Innsbruck, die Pfarre Dreiheiligen, Stadt Innsbruck, Künstler, Mordopferfamilie und andere gute Geister vereinigten sich zu einer gemeinsamen Kraft auf dem Weg zur Umsetzung.

Nicht nur die Skulptur soll an Gewaltopfer im Allgemeinen und Michael Perauer im Besonderen erinnern. Am Zaun vor dem Park ist zudem ein großes Schild mit Informationen zum Mordopfer und der Skulptur samt QR-Code für die Erschließung weiterer Details angebracht.

Eine große Hinweistafel am Zaun zum Kirchenpark enthält detaillierte Informationen über die Skulptur und deren Hintergründe. <span class="copyright">TT/Böhm</span>
Eine große Hinweistafel am Zaun zum Kirchenpark enthält detaillierte Informationen über die Skulptur und deren Hintergründe. TT/Böhm