Warum Corona bald unsere Kindergärten in die Knie zwingen könnte

Vorarlberg / 18.11.2021 • 16:30 Uhr
Warum Corona bald unsere Kindergärten in die Knie zwingen könnte
Im Kindergarten ist der enge Kontakt mit den Kindern sehr wichtig und unvermeidlich. Das bringt in Coronazeiten Probleme mit sich. Symbolbild VN/Tschabrunn

Testchaos, Unvermeidbarkeit enger Kontakte und geringe Impfquote sorgen für gefährliches Gemisch.

Bregenz Österreichweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei Sechs-bis 14-Jährigen in der vergangenen Woche bei 1518 Fällen pro 100.000 Einwohner, das ist ein Zuwachs von satten 61 Prozent innerhalb einer Woche.

In Oberösterreich und Salzburg zog man nun auch in den Schulen die Reißleine: Lockdown, und Homeschooling heißt es dort ab Montag wieder. Es ist jenes Szenario, das Bildungsminister Heinz Fassmann unter allen Umständen verhindern wollte.

Kritik am Testprozedere

Ausgeschlossen scheint auch bei uns gar nichts mehr. Obwohl Pflichtschullehrergewerkschafterin Alexandra Loser gegenüber vn.at sagt: “Eine Stimmung dafür ist bei den Kolleginnen und Kollgegen nicht auszumachen. Lockdown und Homeschooling will niemand mehr.” Eine offensive Impfempfehlung möchte Loser den ihrer Meinung nach zu fast 85 Prozent bereits immunisierten Lehrkräften nicht geben. “Viele lassen sich ja jetzt schon den dritten Stich geben. Wenn man mich fragt, würde ich die Impfung empfehlen. Aber direkte Appelle dafür gibt es von der Gewerkschaft nicht.”

Vehement fordert die Lehrervertreterin ein zuverlässiges Testprozedere. “Es kann doch nicht sein, dass Schüler aufgrund zu spät einlangender Ergebnisse noch tagelang infiziert in den Schulen herumrennen.” Ihre persönlichen Erfahrungen bestärken Loser in ihrer harschen Kritik: “Ich habe mich am vergangenen Sonntag gegen 18 Uhr testen lassen und bis jetzt (Anm.: Donnerstagvormittag) noch kein Ergebnis erhalten.”

Risikofaktoren

Große Sorgen machen sich vor allem im elementarpädagogischen Bereich breit. Dort gibt es nicht nur die geringste Impfquote unter allen pädagogisch in Bildungseinrichtungen tätigen Fachkräften, der unerlässlich enge Kontakt mit den Kindern, sowie die fehlende Verbindlichkeit beim Testen der Kinder. “Wir stoßen an unsere Grenzen”, räumt der die KindergartenpädagogInnen vertretende Thomas Kelterer von der Gewerkschaft Younion ein. “Wir haben bei uns zwei große Risikofaktoren. Das ist der unvermeidbare körperliche Kontakt der Kinder mit den Pädagoginnen, und das Testproblem mit den Kindern. Die dürfen nur zu Hause von den Eltern getestet werden. Die PCR-Spültest müssen die Eltern dann zu den zuständigen Stellen bringen. Machen wir Antigentests bei uns, brauchen wir die Einwilligung der Eltern.”

“Im Kindergarten sind körperliche Kontakte der Pädagoginnen mit den Kindern unvermeidlich.

Thomas Kelterer, Gewerkschafter Younion

Angst macht sich breit

Kelterer berichtet von besorgten Anrufen mehrerer Kindergartenpädagoginnen. “Sie haben Angst, und ich verstehe das.” Einen Aufruf zum Impfen möchte er nicht tätigen. “Weil dieses Thema dermaßen polarisiert, dass solche Aufrufe die Spaltung weiter vertiefen würden. Die Politik hätte früher eine Impfpflicht verordnen können. Dafür ist es jetzt aber zu spät.”

Kommende Woche tagt der Landesvorstand der Younion, um einen Forderungskatalog an die Politik zusammenzustellen. “Wir wollen nicht, dass die Kindergärten schließen, wir können andererseits einen solchen Schritt nicht ausschließen”, sagt Kelterer.