Wie einst der Bregenzer Martinsturm entstand

Vorarlberg / 17.11.2021 • 16:30 Uhr
Wie einst der Bregenzer Martinsturm entstand

Einst diente das Wahrzeichen der Stadt als Getreidespeicher und galt als erstes barockes Bauwerk der Bodenseeregion.

Bregenz Die Martinsgasse 3b in der Bregenzer Oberstadt ist die Adresse des Bregenzer Wahrzeichens, das 1601 als Turm mit Loggia erbaut wurde. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde nach dem Bau der Stadtmauer ein niedriger Turm mit einem Keller- und zwei Obergeschoßen errichtet. Der einstige Getreidespeicher im ersten Hof der Grafen von Bregenz bildet die nordöstliche Ecke. Das Gebäude diente als wehrhafter adliger Wohnturm.

Kapelle entstand

Anfang des 14. Jahrhunderts wurde im Obergeschoss des Turms eine Kapelle eingerichtet, die in den Folgejahren mit einem prächtigen Freskenschmuck versehen wurde. Sie waren eine Bibel für jene, die nicht lesen konnten, und das galt im 14. Jahrhundert für die allermeisten. Die Kapelle diente den Grafen von Bregenz selbst oder ihren Dienstmannen als Burgkapelle. Gestiftet wurde sie 1362 von Wilhelm VII. von Montfort. Er entstammte dem schwäbischen Adelsgeschlecht der Grafen von Montfort. Diese gehörten dem reichsunmittelbar regierenden Hochadel des Heiligen Römischen Reichs an. Die einflussreichen und sehr begüterten Grafen herrschten bis 1523 in Bregenz. Das Geschlecht erlosch 1787.

Größte Zwiebel

Das um 1601 in seinem heutigen Zustand errichtete Gebäude verfügt seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts über eine Loggia mit jeweils drei Bogenarkaden auf einer Steinbrüstung und Säulen. Die Zwiebelhaube samt Laterne, die den Turm krönt, galt als erstes barockes Bauwerk der Bodenseeregion. Die Kuppel war damals als größte mitteleuropäische Zwiebel bekannt. 1602 wurde die überdachte hölzerne Außentreppe vom Bregenzer Baumeister Hundertpfund errichtet. In den Jahren 1701 bis 1705 entstand das an den Turm angesetzte Langhaus. Dadurch kam die Bevölkerung zu einer Kapelle. Die Fresken wurden 1648 auf Anweisung des damaligen Stadtammanns, Johann Deuring, übertüncht. Der Maler Florus Scheel aus Feldkirch legte sie aber in den Jahren 1910 bis 1914 wieder frei.

Dauerausstellung

Vom obersten Geschoss aus haben Besucher einen wunderbaren Rundumblick auf die gesamte Stadt. Von 1985 bis 2011 war im Martinsturm ein kleines militärgeschichtliches Museum eingerichtet; seit Ende April 2015 ist es ein stadtgeschichtliches Museum mit einer Dauerausstellung. Sie führt die Eckpunkte der Stadtentwicklung und die Bedeutung von Bregenz vor Augen, die zur Römerzeit überregionale Bedeutung hatte. Der Bodensee hieß damals übrigens „lacus Brigantinus“ (Bregenzer See). Die Einwohner lebten von Landwirtschaft, Holzhandel und ab 1650 vom Kornhandel. Mit dem Bau der Eisenbahn (1870) begannen die Industrialisierung und der Fremdenverkehr.

<p class="caption">Der Martinsturm gilt als das erste barocke Bauwerk am Bodensee und die Kuppel als die größte Turmzwiebel Mitteleuropas. <span class="copyright">Risch-Lau/Landesbibliothek</span></p><p class="caption"/>

Der Martinsturm gilt als das erste barocke Bauwerk am Bodensee und die Kuppel als die größte Turmzwiebel Mitteleuropas. Risch-Lau/Landesbibliothek