Wie der Kehlkopfkrebs Michael Kirschs Leben auf den Kopf stellte

Vorarlberg / 17.11.2021 • 04:30 Uhr
Wie der Kehlkopfkrebs Michael Kirschs Leben auf den Kopf stellte
Ein starkes Team: Michael Kirsch mit seinem fünfjährigen Sohn Leon. Der Papa ist ein Kämpfer und der Krebshilfe sehr dankbar. VN/Paulitsch

Er hat schon große Schlachten gegen die Krankheit gewonnen. “Ma hilft” spendet Krebshilfe 50.000 Euro.

Hard Er war konstant heiser, vor fünf Jahren. Also beschloss der Betriebselektriker Michael Kirsch, den Arzt aufzusuchen. Der Hausarzt schickte ihn schließlich zum HNO-Spezialisten. Von da ging es für eingehendere Untersuchungen ins LKH Feldkirch. „Man fand nichts“, erzählt der dreifache Vater. Als der Nichtraucher Ende Dezember 2017 plötzlich keine Luft mehr bekam, ging’s erneut ins Krankenhaus. Einen Luftröhrenschnitt und eine CT-Untersuchung später stand die bittere Wahrheit fest. “Die Diagnose lautete Kehlkopfkrebs”, fasst Kirsch jene Ereignisse zusammen, die sein weiteres Leben bestimmen sollten.

Der neue Leiter der Krebshilfe, Dr. Bernd Hartmann, übernimmt einen Scheck von 50.000 Euro von "Ma hilft"-Koordinatorin Marlies Müller und "Ma hilft"-Obmann Gerold Riedmann. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Der neue Leiter der Krebshilfe, Dr. Bernd Hartmann, übernimmt einen Scheck von 50.000 Euro von "Ma hilft"-Koordinatorin Marlies Müller und "Ma hilft"-Obmann Gerold Riedmann. VN/Paulitsch

Atmen über den Bauch

Der aus dem deutschen Bundesland Thüringen stammende Mann nimmt den Kampf gegen die Krankheit auf. “Ich habe mich für eine sofortige Operation und gegen eine Chemotherapie entschieden.” Das bedeutete: Kehlkopf und Stimmbänder raus, monatelange Therapie zur Wiedererlangung einer akkustischen Mitteilungsmöglichkeit. Michael Kirsche spricht seitdem über den Bauch, atmet mit Hilfe einer Kanüle. Seine Stimme klingt unterdrückt, tönt krächzend, wie von jemandem, der an starker Heiserkeit leidet.

Michael Kirsch (l.) im Gespräch mit vn.at. Der gebürtige Ostdeutsche hat von der Krebshilfe profitiert. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Michael Kirsch (l.) im Gespräch mit vn.at. Der gebürtige Ostdeutsche hat von der Krebshilfe profitiert. VN/Paulitsch

Tücken im Alltag

Michael Kirsch jammert nicht. Tapfer stellt er sich seinem Schicksal. “Ich musste mich aus dem Berufsleben zurückziehen, meine finanziellen Mittel waren plötzlich sehr beschränkt, aber wir kommen zurecht”, lächelt der 58-Jährige. Wir, das sind seine zweite Frau und die zwei Kinder. Sein Jüngster, Leon (5), blickt zu ihm auf. Der Bub hat gerade eine Zahn-OP hinter sich und kann daher momentan nicht in den Kindergarten. Zärtlich streicht ihm der Papa durchs Haar.

Der Alltag steckt für Kirsch voller Tücken. “Ich kann nicht lange mit mehreren Personen in einem Raum sein, weil ich dann schlecht Luft kriege. Ich vertrage auch keine Klimaanlagen und das Corona-Virus ist für mich natürlich brandgefährlich.”

Michael Kirsch spricht seit dem Verlust der Stimmbänder und des Kehlkopfs mit einer in vielen Therapiestunden eingeübten Technik. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Michael Kirsch spricht seit dem Verlust der Stimmbänder und des Kehlkopfs mit einer in vielen Therapiestunden eingeübten Technik. VN/Paulitsch

Dankbar und optimistisch

Kirsch ist bescheiden und dankbar. Sein Dank richtet sich auch an die Krebshilfe. “Ich habe dort wichtige Unterstützung erfahren. Sie haben mir den Selbstbehalt für eine Reha finanziert und auch einen Luftreiniger.”

Dass die Krebshilfe selbst durch “Ma hilft” unterstützt wird, freut den leidenschaftlichen Flohmarktgänger sehr. “Solche Organisationen müssen stark bleiben, damit sie vielen Menschen wie mir helfen können.”

Stark und vor allem optimistisch ist die Frohnatur aus Thüringen in seinem Schicksal geblieben. “Nach fünf Jahren ohne Auffälligkeiten, so sagt man, sollte die Gefahr für meinen Krebs gebannt sein. Da bin ich ja auf gutem Weg”, grinst Michael Kirsch. Sohn Leon grinst mit. Der will gar nicht dran denken, seinen geliebten Papa zu verlieren.