Symposium zur Palliativpflege: Beistand bis zum Tod

Vorarlberg / 17.11.2021 • 13:00 Uhr
Symposium zur Palliativpflege: Beistand bis zum Tod
Das Hospiz am See ist eine wichtige Einrichtung, in der Menschen am Ende ihres Lebens würdevoll begleitet werden. Nach Ansicht von Prof. Hubert Jocham würde Vorarlberg am anderen Ende noch ein weiteres Hospiz vertragen. VN/Paulitsch

FH veranstaltet Symposium zur Palliativpflege. Interview mit Organisator Prof. Hubert Jocham.

Dornbirn Mit dem Thema „Palliative Care“ befasst sich das Pflegesymposium der FH Vorarlberg, das morgen, Donnerstag, stattfindet. „Vorarlberg ist in Sachen Palliativ und Hospiz das führende Bundesland“, räumt auch Prof. Hubert Jocham, Studiengangsleiter an der FH, ein. Gewisse Versorgungslücken sieht der dennoch.

Palliativ Care ist in Vorarlberg schon gut verankert. Welchen Zweck verfolgt dieses Symposium?

Jocham Das stimmt, dennoch erlauben wir uns die Frage zu stellen, ob der Slogan „Palliative Care für alle, die es brauchen“, auch tatsächlich bei allen, die Begleitung in der letzten Lebensphase benötigen, angekommen ist.

Gibt es noch Bereiche, wo es nicht so gut läuft?

Jocham Ja, und ich denke da in erster Linie an die palliative und hospizliche Begleitung von Kindern sowie den großen Bereich der Menschen mit Behinderungen. Dort müssen wir uns gemeinsam mit der Lebenshilfe Gedanken machen, wie das Sterben für Menschen mit Behinderung auch zu einem festen Bestandteil wird und die Mitarbeitenden und Angehörigen unterstützt werden.

Die Palliativpflege ist auch in der Ausbildung ein wichtiger Schwerpunkt. Nehmen das die Auszubildenden auch so wahr?

Jocham Ich mache die Erfahrung, dass die Studierenden sehr offen sind für dieses ernsthafte Thema, weil sie teilweise selbst im familiären Umfeld mit Krankheit und Tod konfrontiert worden sind. Die Erzählungen, die Studierende einbringen, sind manchmal selbst für mich erschütternd.

Welche Bedeutung haben ehrenamtliche Helfer in der Palliativ- und Hospizbegleitung?

Jocham Die Ehrenamtlichen sind bei aller Professionalisierung die tragende Säule. Für bestimmte Personen, egal aus welcher gesellschaftlichen oder beruflichen Schicht, ist es eine Art, sich als Teil der Gesellschaft für andere zu engagieren. Man muss aber auch sagen, dass alle, die mit haupt- und ehrenamtlichen Helfern arbeiten, auch für deren Begleitung verantwortlich sind. Es darf nicht sein, Ehrenamtliche zu gewinnen und sie dann in den Einsätzen allein zu lassen. Da gibt es jedoch ein gutes Miteinander.

Wo sehen Sie noch Versorgungslücken?

Jocham Die eine Frage ist, ob ein stationäres Hospiz in Vorarlberg reicht. Wird jemand zum Sterben vom Arlberg oder dem hinteren Bregenzerwald ins Hospiz am See gehen? Die andere Frage ist, ob die Palliativstation in Hohenems ausreichend ist oder ob nicht auch in anderen Krankenhäusern des Landes die eine oder andere Palliativeinheit aufgebaut werden soll.

Welchen Stellenwert hat die Liberalisierung der Sterbehilfe?

Jocham Ich denke, der Ausbau der Hospiz- und Palliativarbeit auf allen Ebenen ist eine klare Antwort auf die Liberalisierung der Sterbehilfe und dass nur eine Verbesserung und ein stärkeres Angebot in allen Bereichen für alle, die es brauchen, eine Antwort auf die organisierte Form der Sterbehilfe sein kann. Sie ist eine gesetzliche Möglichkeit, aber keine Alternative für die Menschen, die sich danach sehnen, in Würde im Kreise ihrer Familie sterben zu dürfen.