Ellbogencheck zur Begrüßung soll wieder salonfähig werden

Vorarlberg / 14.11.2021 • 19:15 Uhr
Ellbogencheck zur Begrüßung soll wieder salonfähig werden
Impfkoordinator Robert Spiegel fand klare Worte für Geimpfte und Ungeimpfte. VN/Paulitsch

Geimpfte wie Ungeimpfte müssen sich auf simple Hygienemaßnahmen zurückbesinnen.

schwarzach Oft schon hat er der Coronaschutzimpfung das Wort geredet, hat appelliert und appelliert. Doch noch immer gibt es 90.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, die nicht gegen das Virus geimpft sind. Jetzt schöpft der Impfbeauftragte der Ärztekammer, Robert Spiegel, aber wieder Hoffnung. Der ab heute, Montag, geltende Lockdown für Ungeimpfte könnte, merkte er bei „Vorarlberg live“ zuversichtlich an, noch einmal einen Schub an Impfungen bringen. Ebenso gut weiß er aber: „Wir werden sicher nicht alle erreichen, wären jedoch froh, einen möglichst hohen Prozentsatz dieses Personenkreises ansprechen zu können.“ Wenigstens die so dringlich eingeforderten Drittstiche haben seinen Aussagen zufolge deutlich angezogen. In den vergangenen Tagen entfielen ein Drittel der Stiche auf Erstimpfungen, zwei Drittel waren demnach Boosterimpfungen.

Den Ärger vieler Impfwilligen, dass schon nach vier bzw. sechs Monaten eine Drittimpfung nötig ist, um den Impfschutz wieder aufzumöbeln, kann er in gewisser Weise nachvollziehen. „Wir haben das auch erst lernen müssen“, sagt er und schickt die gute Nachricht gleich hinterher: „Wir wissen von Daten aus Israel und Amerika, dass eine Auffrischuungsimpfung eine sehr gute Immunantwort hervorruft.“ Spiegel bemüht den Vergleich mit der Zeckenimpfung. Auch dort brauche es ein dritte Impfung. Insgesamt ist der Mediziner jedoch überzeugt, dass der Drittstich gerade in Hinblick auf die Weihnachtsfeiertage und damit verbunden die Ferien sowie die Wintersaison möglicherweise die Lösung ist. „Können wir bis Dezember viele mit dem dritten Stich impfen, kämen wir relativ sicher über den Winter.“

Informationschaos

Robert Spiegel räumte ein, dass „wir jeden Tag dazulernen“. Viele Dinge, die als Richtlinien hinausgegeben wurden, hätten sich wieder in Nuancen geändert. Dadurch sei ein Informationschaos entstanden, das zu einem Vertrauensverlust in die Auskünfte geführt habe. Umso wichtiger sei jetzt eine einheitliche und deutliche Kommunikation. „Wird die Wissenschaft infrage gestellt oder gar lächerlich gemacht, tut das dem Vertrauen auch nicht gut“, betonte er. Seine Forderung: „Wir müssen wieder zusammenfinden, klar auf die jetzige Lage reagieren und Maßnahmen so kommunzieren, dass sie für alle nachvollziehbar sind.“

Den Lockdown für Ungeimpfte bezeichnete er als Schutz für diese Personengruppe. Es sollten aber auch die Geimpften nicht so tun, als ob sie auf der seligen Insel sind. „Wir wissen, dass sie sich anstecken können.“ Von Geimpften wie Ungeimpften verlangt er, sich auf die simplen Dinge zu besinnen: Abstand halten, Maske tragen, lüften und händewaschen. Auch den Ellbogenbegrüßungscheck hält er für salonfähig. „Dann würden die Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften nicht so wahnsinnig schlagend.“