Corona: Zuspitzung im Bodenseeraum

Oberallgäu als „Hotspot“ eingestuft: Intensivmedizin an Belastungsgrenze.
Wien Zeitversetzt und ausgehend von unterschiedlichen Niveaus erfasst die vierte Welle der Corona-Pandemie alle Teile der Bodenseeregion. Der bayerische Landkreis Oberallgäu ist als „regionaler Hotspot“ eingestuft worden. Gestern belief sich die Inzidenz bestätigter Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche auf 614. Im Landkreis, in dem nicht einmal halb so viele Menschen leben wie in Vorarlberg, mussten zudem sieben Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Schon am Wochenende war die Auslastung so groß, dass dies zur Einstufung als Hotspot beitrug. Konsequenz: Es gelten wieder verschärfte Maßnahmen, darunter eine 2-G-Regel für Nachtlokale.
So viele neue Fälle wie noch nie
Im gesamten Bodenseeraum werden anhaltend so viele Neuinfektionen pro Tag bestätigt wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die Tendenz ist überall steigend. Lindau hält einen Inzidenzwert von 328. „Die Delta-Variante ist hoch ansteckend und die Menschen sind momentan viel zu unbesorgt“, sagt Landrat Elmar Stegmann. Von zehn Personen, die stationär behandelt werden müssen, seien acht nicht geimpft, heißt es in einem Lagebericht: „Die Verläufe werden insgesamt immer schwerer.“

„Die Delta-Variante ist hoch ansteckend und die Menschen sind momentan viel zu unbesorgt“, sagt Stegmann.
In der Schweiz versucht man gerade im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche, mehr Menschen fürs Impfen zu gewinnen. Mit 64 Prozent der Gesamtbevölkerung sind ähnlich wenige vollständig geimpft wie in Österreich. Als Ziel gelten nach wie vor 80 Prozent. In St. Gallen gibt es auch Impfnächte. Am Kornhauspatz ist für Freitag etwa ein Rahmenprogramm mit Open-Air-Konzert angekündigt. Der Kanton hält eine Inzidenz von knapp 350. Mehr und mehr macht sich das auch in den Spitälern bemerkbar. Seit Ende Oktober hat sich die Zahl der Corona-Patienten auf 43 verdoppelt. Sechs müssen intensivmedizinisch behandelt werden.

Größte Sorge bereitet Philipp Lutz vom Kantonsspital ein Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal: „Die Personaldecke ist dünn und viele Pflegende sind müde.“ Ein Ausbau der Intensivbetten-Kapazitäten sei unrealistisch. Umso verhängnisvoller sei es, dass die Ansteckungszahlen wieder steigen würden. Mit Verzögerung macht sich das meist auch in den Krankenhäusern bemerkbar.