Immer mehr Afghanen wollen mit dem Zug über Schweizer Grenze

Die Zahl der im Grenzgebiet entlang des Rheins aufgehaltenen Afghanen ist massiv angestiegen.
Bregenz, St. Gallen Im Februar griffen die Schweizer Zöllner fünf Afghanen in aus Österreich kommenden Zügen auf. Im Juli waren es 212, im August bereits 428 illegal eingereiste Afghanen, die im Rheintal von den Grenzern angehalten wurden. Das Reisemittel der Wahl sei dabei der Schnellzug aus Wien. Beinahe alle sind männlich, zwei Drittel minderjährig, erklärt der eidgenössische Bundesrat auf eine parlamentarische Anfrage.
Transit nach Westen
Ihr Ziel: Frankreich und Großbritannien. “Die Schweiz ist ein reines Transitland”, bestätigt Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen den VN. “Sie folgen hier einer Dynamik innerhalb ihrer Community.” Frankreich hat den Ruf, eher Asyl zu gewähren als andere Nationen, außerdem hat es eine vergleichsweise große muslimische Community.
Ähnlich ist die Situation für Österreich, erklärt Bernhard Fetz, stellvertretender Leiter der Fremdenpolizeilichen Abteilung in Vorarlberg. So reise der Großteil der Personen über die Balkanroute nach Österreich. Teilweise stellen diese zwar einen Asylantrag, reisen jedoch meist nach wenigen Tagen weiter Richtung Westen. “Es sind also kaum Menschen, die sich längere Zeit in Österreich aufhalten”, erklärt der Polizist.

In der Schweiz reagieren die Bundesbehörden und die Kantonspolizei mit verschärften Kontrollen. Dies könne entsprechend viel Personal der Kantonspolizei binden, betont Schneider gegenüber dem SRF: “Das können enorme Schwankungen sein. Dann müssen wir schnell Personal stellen können. Das kann dazu führen, dass an anderen Orten für kurze Zeit ein Vakuum entsteht.”
Vonseiten des eidgenössischen Staatssekretariat für Migration wird die enge Zusammenarbeit mit den österreichischen Behörden betont. Die zunehmende Migrationstätigkeit über die gemeinsame Grenze und die Verhinderung dieser sogenannten Sekundärmigration sei beiden Nationen ein hohes Anliegen.
Mehr Kontrollen
Auch auf der österreichischen Seite der Grenze wurde die zunehmende Reisetätigkeit junger Afghanen festgestellt. “Im Hinblick darauf wurden die Kontrollen nach dem Fremdenrecht, insbesondere in den Zügen von Österreich in die Schweiz, deutlich verstärkt”, betont Sicherheitslandesrat Christian Gantner (ÖVP). Im November soll der Kontrolldruck weiter erhöht werden, bestätigt Fetz: „Wir sind deshalb in ständigem Kontakt mit den Schweizer Behörden.” Im November werden dafür sogar Beamte der Eidgenössischen Zollverwaltung, in der Ende 2020 das Grenzwachtkorps aufgegangen ist, auf Vorarlberger Boden in gemeinsamen Kontrollen tätig sein. Die Aufgegriffenen werden nach dem Dublinverfahren wieder in die Länder verwiesen, in deren ihr Asylverfahren läuft. Reisende ausländische Staatsangehörige mit in Österreich laufendem Asylverfahren, die in der Schweiz aufgegriffen werden, werden in die diesen Personen zugewiesenen Unterkünfte in Österreich zurückgebracht.