Schon wieder dürfen Rita* und Lena* nicht in die Schule

Rasante Infektionsentwicklung lässt die Bildungsstätten zittern. Risikostufe drei wohl unvermeidbar.
Bregenz Modellregion Vorarlberg, keine Nasenbohrertests mehr, ein Lehren und Lernen ohne Maske. Wie schön war das noch vor Kurzem. Schule, wie sie immer war. Doch damit ist es jetzt vorbei. Corona hat uns wieder fest im Griff, und die ganzen Erleichterungen sind weg.
Wieder allein zu Hause
Auch für Rita und Lena ist das Leben wieder einsamer geworden. Jene beiden Geschwister, die von ihrer Mutter wegen der Testpflicht aus der Volksschule Bludenz St. Peter genommen und aufgrund der Testbefreiung nach Monaten endlich wieder dorthin gelassen wurden, vn.at. hat berichtet. “Alle freuen sich so sehr”, berichtete damals Direktorin Monika Koch. “Vor allem die beiden Mädchen.”
Doch jetzt ist es mit der Freude vorbei. „Die Eltern konnten nicht überzeugt werden, die Kinder in der Schule zu belassen und sie testen zu lassen“, musste die Direktorin zur Kenntnis nehmen. Sie hatte den Kontakt zur Mutter gesucht, mit Engelszungen auf sie eingeredet, ihr von der völlig problemlosen Abwicklung der Tests mit den willigen Kindern erzählt. Vergebens. Rita und Lena sind nach ihrem kurzen Intermezzo wieder alleine zu Hause. Und das wird angesichts der aktuellen Entwicklung wohl einige Zeit wieder so bleiben.
Schwerwiegende Folgen
Von zwei wieder in den ortsungebundenen Unterricht zurückgekehrten Kindern berichtet auch Simon Hagen, Direktor der Volksschule Rankweil Montfort. „Wir bedauern das natürlich sehr“, sagt der Schulleiter. Er befürchtet emotionale, soziale und pädagogische Folgen für die Kinder, die sich zuvor in der Schulgemeinschaft wieder wohl gefühlt hatten. Wie viele Schulkinder insgesamt aufgrund der Testpflicht die Rückkehr in die Schulen von den Eltern verwehrt wurde, wusste man in der Bildungsdirektion am Donnerstag noch nicht. „Es liegt uns noch keine Gesamtzahl vor“, gab Elisabeth Mettauer-Stubler, Kommunikationsleiterin der zentralen Schulbehörde, bekannt. Vor der kurzfristigen Testbefreiung befanden sich 40 Schülerinnen und Schüler im ortsungebundenen Unterricht. Das heißt: Sie blieben Teil der Klasse und erhielten Fernunterricht. Kinder im häuslichen Unterricht hingegen sind vollkommen von der Schule getrennt. Weit über 300 waren es zuletzt. Sie müssen am Ende des Schuljahres eine Externistenprüfung ablegen.
“Die ganze Bevölkerung zahlt wieder einmal den Preis für die Unvernunft einer Minderheit.”
Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter Bildungsdirektion
Düstere Zeiten drohen
“Wir wollen das jetzt noch nicht als gegeben betrachten. Aber natürlich: Die Schulen wären darauf vorbereitet”, kommentiert Andreas Kappaurer (60), pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion, das realistische Szenario. Risikostufe drei brächte weitere harte Einschränkungen. Unter anderem: Verpflichtendes Maskentragen von Schülern ab der 9. Schulstufe auch am Lernplatz, nur noch digitale Sprechtage, Schulforen nur noch in digitaler Form, Ende von ein- und mehrtägigen Schulveranstaltungen, Zutrittsverbot für externe Personen an den Schulen. “Ganz schmerzhaft wäre es, sollten auch wieder die berufsorientierten Veranstaltungen untersagt werden. Wie zum Beispiel Praxis- und Schnuppertage für Schüler in Firmen. Das hätten wir dann zum zweiten Mal”, betont Kappaurer.
Ein eigenständiges Handeln werde es für Vorarlberg weder in die eine oder andere Richtung geben, versichert Kappaurer. “Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Ministerium und werden uns an den dort ausgegebenen Richtlinien orientieren.” Einen persönlichen Kommentar kann sich Kappaurer nicht verkneifen: “Die gesamte Bevölkerung und auch die Schulen zahlen wieder einmal den Preis für die Unvernunft einer Minderheit.”
*Namen von der Redaktion geändert