Fasching von Coronas Gnaden: So steht es um die fünfte Jahreszeit

Die “fünfte Jahreszeit” mit Jubel, Trubel und Massengaudi wird es in dieser Saison nicht wirklich geben.
Schwarzach Es ist zum aus der Haut fahren: Nachdem bereits letztes Jahr der gesamte Fasching coronabedingt ausfiel, droht den Narren auch heuer Ungemach. “Es wäre ja einiges geplant. Aber so wie die Dinge sich derzeit entwickeln, werden sich mehrere Veranstaltungen wohl nicht durchführen lassen, oder wenn, dann nur in eingeschränkter Form”, stellt die frischgebackene Präsidentin des Verbandes der Vorarlberger Fasnatzünfte, Barbara Lässer (42), nüchtern fest. So gibt es zum Start des Faschings, am 11. 11., ein schaumgebremstes Programm. “Ich weiß, dass etwa die Dornbirner Fasnatzunft am Marktplatz und danach im Kulturhaus etwas machen wird, auch in Feldkirch gibt es einen Marsch durch die Stadt und in Hard eine Abendveranstaltung. In Hörbranz und Höchst sollen die diesjährigen Prinzenpaare vorgestellt werden”, zählt Lässer wenigstens ein paar fest geplante Veranstaltungen auf.
“So wie sich die Dinge entwickeln, wird sich auch heuer manches nicht durchführen lassen.“
Barbara Lässer, Präsidentin VVF

Umzüge kaum möglich
Umzüge, Bälle? Die neue VVF-Präsidentin bleibt realistisch. “Einige Vereine haben ihre geplanten Umzüge bereits jetzt abgesagt. Andere planen zwar, aber sie wissen nicht, ob sie die Veranstaltungen letztlich durchführen können.” Die Rahmenbedingungen sind speziell bei den Umzügen schwierig. Die Veranstaltungszone muss abgeriegelt werden, um Coronakontrollen durchführen zu können. Die Veranstalter brauchen sehr viele Helfer. Und vielleicht ist am Ende aufgrund einer dramatischen Infektionsentwicklung alle Planung ohnehin umsonst.
Verbindliche Regeln kann der VVF seinen in 94 Vereinen organisierten 6838 Mitgliedern nicht auferlegen. “Wir sind keine Behörde. Wir können lediglich Empfehlungen abgeben”, betont Lässer. Keine Empfehlung gibt die VVF-Präsidenten in Sachen Impfung ab. “Ich persönlich bin geimpft. Aber es steht mir nicht zu, anderen dasselbe zu empfehlen.”
Nicht ganz abblasen
Geimpft, oder nicht geimpft: Die Hohenemser Schlossnarren, mit 1200 Mitgliedern und 14 Unterzünften einer der größten Faschingsorganisationen im Land , werden um einen schmerzlichen Entschluss wohl nicht herumkommen. “Wir werden unseren Umzug wohl absagen müssen. Noch haben wir die Organisation nur ausgesetzt, aber so wie es aussieht, wird sich ein Umzug nicht spielen. Wir können das unmöglich kontrollieren.” Ganz abblasen will man den Fasching bei den Schlossnarren dennoch nicht. “Wir werden einen gemütlichen Hock mit den 14 Zünften organisieren. Das lässt sich kontrollieren.”

Nur Kontrollierbares
Kontrollierbares, und nur das, wird auch die Dornbirner Fasnatszunft den ansässigen Narren anbieten. Zu den bereits erwähntem eingeschränkten Programmpunkten zum 11. 11. werden sich auch die Narrenabende im Kulturhaus gesellen. “Statt der geplanten fünf Veranstaltungen wird es halt nur vier geben”, berichtet Zunftpräsidentin Dagmar Fenkart (65). Nachsatz: “Aber immerhin. Und die können wir als Saalveranstaltung ja auch gut kontrollieren.” Auf Verdacht geplant wird in Dornbirn auch der Umzug. Mit wenig Chance auf Umsetzung. Stattdessen soll es am Schorener Viehmarktplatz eine Faschingsveranstaltung geben. “Dort können wir das Gelände gut absperren”, sagt Fenkart.

Unerschütterlicher harter Kern
Die Vorarlberger Faschingszünfte reagieren auf die Coronakrise unterschiedlich. Während Fenkart die Gefahr eines Mitgliederschwundes sieht, beurteilt Schlossnarr Sutter die Situation etwas positiver. “Der harte Kern unserer Mitglieder löst sich durch die Coronakrise sicher nicht auf. Und bei der einen oder anderen Zunft wird es halt einen Neustart geben.” Sutter hofft auf die Kraft der kleinen Zellen. “Die verschiedenen Gruppen der Schlossnarren werden sich sicher in kleinerem Rahmen treffen und den Gemeinschaftssinn hochhalten.”