Enkel-Group & Bilgeri: Bibel statt Schmuggeln

Gotthard Bilgeri liest aus der „Wiener Bibel“.
Bahnteifl-Nachfolger starteten mit neuem Partner erfolgreich durch.
Alberschwende, Thal Einfach war es nicht, denn „Dar Mätsch“ war in zehn Jahren mit fast ebenso vielen Programmen zu einem Klassiker geworden, der es für die Nachfolgeformation nicht einfach machte, dort anzuknüpfen, wo die Bahnteifl und Otto Hofer aufgehört hatten. Der Lustenauer Mundart-Comedian hatte sich in die „Mätsch-Pension“ zurückgezogen und nahm auch Toneles Tone mit. Die Cousins Ulli, Rich und Jos stellten sich als Trio als Hanskaspas Enkel neu auf und fanden einen idealen Partner: Gotthard Bilgeri.
Die ideale Ergänzung
Der Hittisauer „passt genau in unser Programm, er ist die ideale Ergänzung“, so Ulli Troy, denn „mit seinen Wiener Elementen ergänzt er unsere Wiener Nummern aus dem unerschöpflichen Reservoir von Bronner, Kreisler, Leopoldi & Co. vortrefflich“, so der Enkel-Frontman. Statt „Dar Mätsch“ heißt das Programm deshalb fast logisch „Wien-er-Wälder“.
Sein Handwerk gelernt
Den literarisch vielseitig aktiven Vorderwälder Gotthard Bilgeri, der seit Jahrzehnten zu den Fixsternen der Szene zählt, vorzustellen, heißt zwar Eulen nach Athen zu tragen, außerhalb der Region soll es vereinzelt noch Fans der Wien-er-Wälder geben, die wenig über ihn wissen.
Gotthard Bilgeri kam mit dem Theaterspielen Anfang der 1980er- Jahre in Kontakt – im Studieninternat Marianum in Bregenz. Mit 16 Jahren stand er dort das erste Mal auf der Bühne und blieb der Theaterleidenschaft auch während seiner Studienzeit an der Wiener Wirtschaftsuni treu. Mehr noch: er belegte Kurse und nahm sogar Schauspielunterricht – und lernte wienerisch.
Nach Abschluss des Studiums und Rückkehr in den Bregenzerwald setzte er wichtige Aktivitäten, war u. a. Mitbegründer des Ensembles 89 Hittisau, Vorstandsmitglied beim Wälder Kulturforum und brachte mit Mitstreitern auch Klassiker von Felix Mitterer, Jura Soyfer, Johann Nestroy oder Ferdinand Raimund aber auch Helmut Qualtinger zur Aufführung.
Gotthard Bilgeri ist auch für Lesungen gefragt – und da schließt sich der Kreis für seinen Auftritt mit Hanskaspas Enkeln: seine Textbeiträge zu den Liedern der Enkel-Group sind wie der Tupfen auf dem i. Durfte bei Otto Hofer eine Schmugglergeschichte nie fehlen, so fesselt Bilgeri sein Publikum u. a. mit Ausschnitten aus der Bibel – auf Weanarisch. Wolfgang Teuschl hat vor 50 Jahren mit der Übertragung des Neuen Testaments ins Wienerische für heftige Kontroversen gesorgt – heute sieht man „Da Jesus und seine Hawara“ entspannter.
Das Publikum nimmt es jedenfalls locker und amüsiert sich köstlich. Auch wenn sich die Wälder mit dem Lustenauerischen „Munsgaglospitzar“ abmühen. Otto Hofers Gattin Vroni hat den Zungenbrecher getextet und sich bei der Premiere davon überzeugt, dass „die drei Wälder das Ganze recht gut im Griff haben“. Im Griff hat Rich auch die Solopartie des Alpenflugs, den er mit stetem Käpplewechsel als „Einzelzwiegespräch“ interpretiert. Jos überzeugt mit instrumentaler Vielseitigkeit.
Köstlich und auch optisch begeisternd, die Interpretation von Qualtingers g’schupftem Ferdl. Und zwischendurch gibt sich die Enkel-Group sogar klassisch: Johannes Brahms Alphorn-Melodie bekommt eine Coverversion – „Beascht donna z’Wian, merkscht du bold, schöa wia Wian ist ou dor Wold“. Kurzum: Ein Feuerwerk an Altbewährtem und neuen Überraschungen garantiert den vergnüglichen Abend.
Die schlechte Nachricht …
Nach den Vorstellungen in Alberschwende und Thal steht Wien-er-Wälder im November in Andelsbuch und Hittisau auf dem Programm – beide Abende sind jedoch ausverkauft. „Wir müssen unsere Fans auf nächstes Jahr vertrösten“, bedauert Troy, der darauf hinweist, dass „für die Wintertournee bereits sieben Termine fixiert sind – letzte Details sind in Abklärung und Reservierungen schon bald möglich.“ STP


Auch Otto und Vroni Hofer amüsierten sich bei der Premiere.

Mit Käpplewechsel führt Rich ein Zwiegespräch mit sich selbst.