Darum naht das Ende der Antigentests

Vorarlberg / 02.11.2021 • 16:10 Uhr
Darum naht das Ende der Antigentests
Der Wohnzimmertest verschwindet bald wieder. VN/Steurer

Verschärfungen ab 8. November präsentiert: Maskenpflicht im Handel, PCR-Test für Ungeimpfte.

BREGENZ, SCHWARZACH 3G war gestern. Bald dürfte 2,5G gelten. Das bedeutet: Überall, wo bisher geimpfte, genesene und getestete Menschen Zutritt haben, dürfen zukünftig geimpfte, genesene und PCR-getestete Menschen rein. Der Antigentest wird ungültig: Der Wohnzimmertest schon in einer Woche, der beaufsichtigte Schnelltest in spätestens 14 Tagen. Davon geht jedenfalls die Landesregierung aus, wie sie am Dienstag bekannt gab, zusammen mit weiteren Verschärfungen. Die FFP2-Maske wird wieder zum ständigen Begleiter des Konsums.

Es ist der Blick auf die Zahlen, der den Verantwortlichen die Sorgenfalten ins Gesicht treibt. Am 13. Oktober lag die Sieben-Tages-Inzidenz in Vorarlberg bei 59 Infizierten pro 100.000 Einwohner. Gestern, Dienstag, bei 412. Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher rechnet vor: “Das entspricht einer Verdoppelung alle fünf Tage.” Das Tempo sei besorgniserregend, stellt Landeshauptmann Markus Wallner fest. Dasselbe gelte für den Blick in die Spitäler.

Am 20. Oktober lagen sieben Patienten auf der Normalstation. Eine Woche später 18. Jetzt sind es 42. Zwar befinden sich derzeit nur fünf Covid-19-Patienten auf der Intensivstation, aber man bewerte auch den Zustand auf der Normalstation, betont Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Rund 200 Neuinfektionen kommen täglich dazu. Darum werden die Schrauben angezogen: Ab 8. November gilt die FFP2-Maskenpflicht wieder für alle in allen Handelsgeschäften.

Der Antigentest verlässt hingegen den Werkzeugkasten der Pandemiebekämpfung. Am Dienstag übertraf Österreich die Zahl von 300 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. Damit tritt Stufe zwei des des Pandemiebekämpfungsplans in Kraft. Antigen-Wohnzimmertests verlieren am 8. November ihre offizielle Gültigkeit. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein kündigte bereits an, Stufe 2 und 3 zusammenlegen zu wollen. Das würde bedeuten, dass Antigentests insgesamt nicht mehr für den 3G-Nachweis reichen. “Wir gehen davon aus, dass es so kommt. Die Frage ist, ob in sieben oder 14 Tagen”, sag Rüscher. Das dürfte auch für den Arbeitsplatz gelten. Das Land Vorarlberg bereite sich schon darauf vor. Seit Dienstag werden PCR-Wohnzimmertests in der Apotheke ausgegeben. Die Teststationen werden auf PCR umgerüstet. Auch mit den Handelsketten Sutterlüty und Spar wurden Verhandlungen aufgenommen, um in Geschäften PCR-Abhol- und Abgabgestationen einzurichten. “Aber”, betont Rüscher, “das kommt nicht flächendeckend. Die Lösung ist nämlich die Impfung.”

Vor allem mit Blick auf die neuen Varianten. Wie die VN berichteten, wird empfohlen, ab sechs Monaten eine Auffrischungsimpfung durchführen zu lassen. Anmeldungen sind bereits möglich. Grabher schildert: “Wir sehen an den Clustern, wie ansteckend die Delta-Variante ist. Nach einer Theateraufführung hatten wir 18 Fälle, nach einer Hochzeit 20 bis 30.” Vier Fälle von der gefährlicheren Delta+ Variante sind schon aufgetaucht. Deshalb sollen sich auch Menschen rasch ein zweites Mal impfen lassen, die eine Dosis von Johnson & Johnson bekommen haben, erklärt Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein nach der Sitzung des nationalen Impfgremiums am Dienstag.

Impfungen werden in Bregenz und Nenzing regelmäßig ohne Anmeldung angeboten. 62 Prozent der Bevölkerung in Vorarlberg haben sich gegen Covid-19 impfen lassen. Spitzenreiter ist Burgenland mit 72 Prozent. Dort hat die Landesregierung eine Impflotterie eingeführt. Unter allen Geimpften werden drei Autos, 15 E-Bikes und Gutscheine verlost. In Vorarlberg sei so eine Lotterie aber kein Thema, bekräftigt Landeshauptmann Wallner.

Handlungsbedarf gibt es hingegen im Infektionsteam. Bei 200 Ansteckungen pro Tag und fünf bis sieben Kontaktpersonen muss das Contact Tracing aufgestockt werden. Wallner erläutert: “25 Personen aus dem Landesdienst helfen mit. Außerdem wurde ein Assistenzeinsatz genehmigt. Acht Soldaten ziehen wir heran. Das wird nicht das Ende sein.”

Eine Frage ist noch offen: Was geschieht mit rund 500.000 Antigentests, die Vorarlberg auf Lager hat? 60.000 Wohnzimmertests und 20.000 beaufsichtigte Tests werden derzeit pro Woche verwendet. Es bleiben also einige übrig. Rüscher erläutert: “Wir werden sicher noch Verwendung finden. Aber wir müssen das erst besprechen.”

In den Schulen werden noch Antigentests benötigt. Ab heute, Mittwoch, kehren die Schultests in den Alltag zurück. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss zweimal pro Woche einen Antigentest und einmal einen externen PCR-Test durchführen.

Am kommenden Samstag steigt die Clubnight Vorarlberg. Gefeiert wird also trotz der neuen Coronawelle; oder vielleicht sogar wegen ihr. Elf Discos und Lokale sind dabei. Freier Eintritt. Aber nur mit Impfzertifikat.