Maschinistin Conny will „ihr Schiff“ auch steuern

Vorarlberg / 01.11.2021 • 20:41 Uhr
Die 25-jährige Wälderin hat auch ihre Ausbildung zur Matrosin schon begonnen.
Die 25-jährige Wälderin hat auch ihre Ausbildung zur Matrosin schon begonnen.

Auf Dampfmaschinenwärterin wartet nächste Herausforderung.

hard Sie hat vor zweieinhalb Jahren weit über die Region hinaus für Schlagzeilen gesorgt: Conny Simma aus Alberschwende heuerte als Maschinisten-Lehrling auf der Hohentwiel an. Zwei Jahre später war es der logische nächste Schritt, dass sie in Linz auf dem Donau-Dampfer Schönbrunn die Prüfung zur Dampfmaschinenwärterin mit Bravour ablegte. Jetzt arbeitet sie zielstrebig an ihrem nächsten Traum: Österreichs einzige Maschinistin auf einem historischen Dampfschiff will Steuerfrau werden.

Es führt zu Verwechslungen

Wann immer sich Gelegenheit bietet, wechselt sie vom Maschinenraum an Deck, um dort ihre Kollegen bei der Arbeit zu beobachten und unter Anleitung von Robert Kössler das Matrosenhandwerk zu erlernen. Und es gibt manchmal auch Grund zum Schmunzeln, wenn sie von Passagieren für eine Gastronomie-Mitarbeiterin gehalten wird, bei der sie Bestellungen aufgeben wollen. Sie hat Verständnis dafür, denn es ist eine Ausnahme, dass eine junge Frau als Dampfmaschinenwärterin tätig ist.

Nostalgie-Hightech und zurück

Die Liebe zu nostalgischer Technik hat sie früh entdeckt. Conny wuchs mit einem Zwillingsbruder und zwei jüngeren Geschwistern in Alberschwende auf einem Bauernhof auf. Schon als junges Mädchen packte sie überall an, „wo sich etwas bewegte“. Mit ihrem Zwillingsbruder jagte sie mit einem Quad über die Wiesen, später mit dem alten Fiat Panda ihrer Mutter. Sie legten sich Crossmaschinen zu, zerlegten und reparierten sie. Doch dann wechselte sie in eine vierjährige Ausbildung zur Maschinenbau- und Automatisierungstechnikerin. Ein paar Jahre war sie anschließend in der Instandhaltung von Excenter- und Hydraulik-Press- und Stanzmaschinen tätig. Bis sie ein Inserat in der Zeitung las, die historische Schifffahrt suche Verstärkung.

„Da ich mich schon seit Kindestagen für Dampfmaschinen und die Mechanik der früheren Zeit interessiere, fühle ich mich sehr angesprochen“, schrieb sie in ihrer Bewerbung. Als sie dann beim Vorstellungsgespräch die 950-PS-Maschine sah, war es um sie geschehen. „Ich war hin und weg“, erinnert sie sich. Arbeiten bei 40 Grad Hitze? , ungeregelte Arbeitszeit oft bis spät in die Nacht und an Wochenenden? – macht ihr nichts aus. Ihre Arbeitgeber waren schnell überzeugt: das ist der Traumberuf der jungen Wälderin und eine Option für die Zukunft der Hohentwiel, denn die heutige Führungsmannschaft ist in einem Alter, wo man sich Gedanken über die nächste Generation machen muss. Kaum an Bord, war ein Kesselwärter-Kurs der erste Schritt und Voraussetzung dafür, dass sie die nächste Prüfung zur Dampfmotorenwärterin ablegen konnte. Chefmaschinist Christian Hämmerle, der heuer seine 25. Saison im Maschinenraum absolviert, und Kapitän Robert Kössler, er heuerte 1991 auf der Hohentwiel an und hat sich vom Matrosen zum Kapitän hochgearbeitet. Er legte 2002 auch alle Prüfungen als Maschinist ab, leitete die Ausbildung des ehrgeizigen und „unglaublich talentierten“ jüngsten Crewmitglieds.

Auf der Donau gelernt

Und dann ist da noch Florian Pausch, der ihr ebenfalls fachkundig zur Seite steht. Er begann 1984 auf der Donau als Heizer beim Dampfer Schönbrunn seine Schifffahrtskarriere und landete auf historischen Schiffen in Wien. Dabei hat er u. a. das Donau-Kapitänspatent erlangt. 2014 kam er auf die Hohentwiel, wo er weitere Prüfungen absolvierte. Seit Oktober 2018 ist er Bodensee-Dampferkapitän und schifffahrtsrechtlicher Betriebsleiter. Florians Beziehungen zur historischen Schifffahrt auf der Donau erleichterten Conny die Ausbildung.

Im Winter im Steuerhaus

Robert Kössler hat indes längst mit der Weiterbildung von Conny Simma begonnen: „Wann immer sich Gelegenheit dazu ergibt, wechselt sie vom Maschinenraum ins Steuerhaus.“ In der Wintersaison, wenn der Dampfer Pause macht, geht sie an Bord der Oesterreich, um dort nach ihrer Ausbildung im Maschinenraum auch jene an Deck zu absolvieren. Und ihre Kollegen haben keine Zweifel: „Sie wird auch an Deck zielstrebig an ihrer Karriere arbeiten, um sich von der Matrosin über die Bootsfrau, die Steuerfrau und Obersteuerfrau bis zur Kapitänin weiterzubilden, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen.“ STP

Robert Kössler und Chefmaschinist Christian Hämmerle (r.) bildeten Conny Simma zur staatlich geprüften Dampfmaschinenwärterin aus.<span class="copyright">stp/2</span>
Robert Kössler und Chefmaschinist Christian Hämmerle (r.) bildeten Conny Simma zur staatlich geprüften Dampfmaschinenwärterin aus.stp/2