Deshalb wartet Vorarlberg trotz steigender Infektionszahlen noch zu

Vorarlberg / 29.10.2021 • 17:00 Uhr
Deshalb wartet Vorarlberg trotz steigender Infektionszahlen noch zu
Auf den Intensivstationen ist es erstaunlich ruhig. Das dürfte auch der Coronaschutzimpfung geschuldet sein.  khbg
 

Messlatte ist weiterhin die Belegung der Intensivstationen.

bregenz, wien Fast 6000 Neuninfektion innerhalb von 24 Stunden: Damit erreichte die vierte Welle eine neue Dynamik. Ähnlich hohe Werte hatte es zuletzt im November 2020 gegeben, als die zweite Welle über Österreich rollte. Es müssen auch wieder deutlich mehr Covid-19-Patienten in Spitälern behandelt werden. Während andere Bundesländer, darunter aktuell auch Tirol, ob dieser bedenklichen Entwicklung schon die Reißleine ziehen und die Coronakommission dafür plädiert, Maßnahmen des von der Regierung unlängst beschlossenen Maßnahmenplans vorzuziehen, etwa eine einheitliche FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen, verharrt Vorarlberg zumindest vorerst noch im Beobachterstatus. “Wir möchten nicht Hals über Kopf die Strategie ändern”, bestätigte Landeshauptmann Markus Wallner auf VN-Nachfrage. Die Messlatte sei nach wie vor die Belegung der Intensivstationen, “und dabei wollen wir vorläufig bleiben”.

Genaues Auge auf der Entwicklung

Am Freitagvormittag hatte ihn sein Tiroler Amtskollege Günter Platter über die ab 8. November zusätzlich geplanten Einschränkungen informiert. Als Grund nannte Platter unter anderem drohende Engpässe auf der Intensivstation im Krankenhaus Zams. Wallner räumt ein, dass es auch in den Vorarlberger Krankenhäusern mehr Covid-19-Patienten gibt als erwartet, allerdings benötigen nur zwei der aktuell 28 Hospitalisierten ein Intensivbett. Es gebe derzeit auch in anderen medizinischen Bereichen keine  Leistungseinschränkungen. “Deshalb bleiben wir jetzt einmal auf unserer Linie.” Die Entwicklung wird jedoch täglich sehr genau beobachtet. “Wir stehen außerdem in engem Kontakt mit den anderen Bundesländern”, versicherte Markus Wallner. Sollten die Infektionszahlen eine Reaktion erfordern, wird Vorarlberg einen ähnlichen Weg gehen wie jene Bundesländer, die bereits Verschärfungen eingeführt haben. Dazu zählen etwa Zutrittsbeschränkungen bei Großveranstaltungen sowie in der Gastronomie und Nachtgastronomie, wo nur noch Geimpfte und Genesene hineindürfen.

Impfinteresse steigt

Wenigstens einige Tage will der Vorarlberger Landeshauptmann noch abwarten, ob die Infektionszahlen nicht doch wieder einbrechen. “Das ist schwer abschätzbar.” Hoffnung gibt ihm aber das vermehrte Interesse an der Coronaschutzimpfung, das offenbar die Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz bewirkt hat. Das entnimmt Markus Wallner den Rückmeldungen aus Großunternehmen. Insgesamt schleppt sich das Impfen trotz eines umfangreichen Angebots weiter nur zäh dahin. Die Impfrate dümpelt bei 61 Prozent. Deshalb: “Sollte es die Situation erfordern, werden wir reagieren”, lässt Wallner keine Zweifel aufkommen.

Gut sieht jedenfalls anders aus: Genau 5861 Neuinfektionen kamen österreichweit in den vergangenen 24 Stunden hinzu. Am 26. November 2020 waren 5526 neue Fälle gemeldet worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg bundesweit auf 313, in Vorarlberg auf 301. Hier wurden 289 Neuinfektionen gemeldet. Die Bezirke mit der höchsten Inzidenz sind Bludenz (389) und Feldkirch (376).