Das Nadelöhr Klause als Gefahrenstelle

Die Umbauarbeiten entlang der Pipeline drängen die Radfahrer auf die Seestraße. Dies führt zu gefährlichen Szenen und Unfällen.
Lochau “Ich fahre hier jetzt zum zweiten Mal, seitdem gesperrt ist, künftig will ich das aber nicht mehr tun”, ärgert sich Wolfgang Höfle aus Bregenz. “Ich muss noch bis zum Kaiserstrand auf der Seestraße weiterfahren”, verweist er auf den gegenüberliegenden, gesperrten Bahnübergang. Dahinter beschleunigt ein Lkw mit Aushub, der Radweg dient nun bis zum Kaiserstrand als Baustellenzufahrt.

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Bis Mai 2022 wird die Pipeline zwischen Mili und der Eisdiele Melanie umgestaltet, Radfahrer und Fußgänger müssen auf die Seestraße ausweichen. “Es gibt welche, die bleiben auf dem Gehsteig auf der Seeseite, um nach Lochau zu fahren”, kritisiert Höfle. “Es könnte besser beschildert sein.” Und der gefährlichste Streckenteil liegt mit der Klause noch vor ihm. Hier kam es in der Woche seit Beginn der Bauarbeiten vermehrt zu Unfällen von Radfahrern, bestätigt die Polizei. Davon seien jedoch die meisten ohne Fremdbeteiligung glimpflich ausgegangen. Regiert wurde dennoch: Der bereits zum Beginn der Umbauarbeiten vor einer Woche geschaffene Mehrzweckstreifen in Fahrtrichtung Lochau wurde um einen Mehrzweckstreifen nach Bregenz ergänzt. Der Gehsteig darf jedoch weiterhin ebenfalls befahren werden. Zudem gilt Tempo 30 in der Klause.

Gefahrensituationen gibt es nicht nur zu Stoßzeiten. Beinahe minütlich kommt am Mittwochnachmittag ein Fahrrad an der Eisdiele vorbei, auch mit Kinderanhänger. Friedrich Spitalsky aus Lochau ist beinahe täglich mit dem Fahrrad unterwegs. “Es ist schon gefährlich, aber ich könnte ja auch mit dem Zug fahren”, räumt er ein. Der Umbau der Pipeline sei aber notwendig. Schließlich komme es auf dem alten Geh- und Radweg am Seeufer durch die verschiedenen Nutzer oft genug ebenfalls zu gefährlichen Szenen. Da sei der Umbau schon eine notwendige Verbesserung. Den 63-Jährigen ärgert aber, dass er in einem Jahr bei der nächsten Bauetappe wieder vor dem gleichen Problem steht. “Man hätte die gesamte Pipeline auf einmal umbauen sollen.”

Wenige Minuten später ärgert sich eine Familie auf Radausflug entlang des Seeufers über die Baustelle. Jürgen Eggler aus Nonnenhorn und Julia Henneberg aus Sonthofen sind ebenfalls eher zufällig auf der Seestraße unterwegs. “Nach Bregenz hinein ist es schon etwas chaotisch mit dem halbherzigen Radstreifen”, erklärt die 58-jährige Henneberg. Schließlich wechsle man vom Radstreifen auf die Busspur und retour. “Es könnte besser gekennzeichnet sein”, bestätigen die beiden Deutschen.
Auch bei der Radlobby hadert man mit der Situation an der Klause. Der Mehrzweckstreifen an sich wäre zumindest positiv, auch ohne die Baustelle. “Es gibt Radfahrer, die durchaus mit Tempo unterwegs sind und der dichtgedrängten Pipeline ausweichen wollen”, weiß Veronika Rüdisser. Sie verspricht sich von Tempo 30 durchaus eine Verbesserung. Gerade zu den Stoßzeiten wäre oft auch nicht mehr möglich. Sie erinnert auch daran, dass nicht jeder Selbstunfall durch den Radfahrer verschuldet wird, sondern durch die Verkehrssituation entstehe. Optimaler wäre jedoch, wenn die Straße verbreitert werden könnte, um den Mehrzweckstreifen als Radstreifen für die Zeit nach den Umbauarbeiten zu erhalten.