ÖVP-Krise trifft Landespartei

Landes-ÖVP bei Umfrage erstmals klar unter 40 Prozent.
Schwarzach Wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wären, welche Partei würden Sie wählen? Diese Frage wird in Vorarlberg öfter gestellt. Immer wieder bringen VN-Umfragen ein politisches Stimmungsbild im Land. Auch nach der Affäre um die ÖVP und Sebastian Kurz stellte das Meinungsforschungsinstitut Dr. Berndt im Auftrag der VN diese Frage. Das Ergebnis zeigt: Die Affäre geht nicht spurlos an der Landes-ÖVP vorbei. Im Gegenteil. Erstmals liegt die Volkspartei klar unter 40 Prozent. Die anderen Parteien können davon jedoch nicht profitieren; mit einer Ausnahme: die Impfgegnerpartei MFG wäre laut dieser Umfrage im Vorarlberger Landtag vertreten.
Von 44 auf 36
Schon im Mai dieses Jahres ließen die VN die Sonntagsfrage stellen. Damals kam die ÖVP auf 44 Prozent. Nun sind es acht Prozentpunkte weniger: Laut aktueller Umfrage würden 36 Prozent der Vorarlberger die Volkspartei von Landeshauptmann Markus Wallner wählen. Bei der Landtagswahl 2019 waren es 43,5 Prozent. Bei einer Umfrage gibt es stets eine statistische Schwankungsbreite. Selbst im für die ÖVP besten Fall würde sie laut Umfrage bei 40,2 Prozent landen; im schlechtesten Fall bei 31,8 Prozent. Die anderen Zahlen zeigen: Die FPÖ erholt sich langsam, sie matcht sich mit den Grünen um Platz zwei; SPÖ und Neos kämpfen um Rang vier. Allerdings wurde die Umfrage vor dem Führungswechsel an der Spitze der Landespartei durchgeführt. Stand jetzt wäre eine neue Partei im Landtag vertreten: Die Impfgegnerpartei MFG. Sie hat bereits in Oberösterreich überrascht.

Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle ist überzeugt: “Das ist eine Momentaufnahme. Das Thema ist nach einem Jahr wieder weg, dann verteilen sich die sechs Prozent wieder. Die MFG schadet natürlich eher den Freiheitlichen.” Das Ergebnis lasse eine Wählerwanderung erahnen. “FPÖ-Wähler kehren von der ÖVP zurück zu ihrer Stammpartei, die Grünen geben ein bisschen an die Neos ab. Alles in allem läuft es darauf hinaus, dass es schon noch eine dominierende Partei gibt, aber nicht mehr in diesem Ausmaß.” Umgekehrt zeige es aber auch: Eine Koalition gegen die ÖVP ohne Beteiligung der FPÖ sei nicht möglich.
Meinungsforscher Edwin Berndt ergänzt: “Zwei bis drei Prozentpunkte verliert die ÖVP aufgrund der MFG. Der Rest fußt hauptsächlich auf den Ereignissen um die Bundespartei, im besonderen Sebastian Kurz.” Er ortet Rückkoppelungseffekte von der Bundespartei auf die Landespartei.