Große Lücke in der Schlachthoflandschaft

Über 20.000 Rinder seit 2018 geschlachtet: Der mit Abstand größte Schlachthof des Landes schließt bald.
Schwarzach Welche Rolle der Schlachthof in Dornbirn spielt, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. In den Jahren 2018 bis 2020 wurden jährlich zwischen 5400 und 6400 Rinder geschlachtet. Auf Rang zwei im Land liegt eine Metzgerei mit rund 2000 Rindern jährlich, Platz drei schlachtete weniger als 800 pro Jahr. Am 31. Dezember schließen die Schlachthoftore in Dornbirn. Auf welcher Schlachtbank die 5400 bis 6400 Rinder jährlich im kommenden Jahr landen, ist noch völlig offen. Die Opposition ist sauer.
Eigentlich plante die Landesregierung gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer eine Kooperation mit der Metzgerei Walser in Meiningen. Daraus wird aus wettbewerbsrechtlichen Gründen vorerst nichts (die VN berichteten). Wobei die Verantwortlichen hinter den Kulissen noch nicht aufgegeben haben, wie ÖVP-Landtagsabgeordneter Bernhard Feuerstein berichtet. “Ich bedauere sehr, dass es rechtliche Bedenken beim Standort Walser gibt. Aber ich bin zuversichtlich, dass es in einer anderen Form gelingen wird, eine Möglichkeit zu schaffen.” Die Zeit drängt. Feuerstein hofft, noch heuer ein konkretes Projekt präsentieren zu können. “Damit könnte man vielleicht doch noch am Standort Dornbirn verlängern.” FPÖ-Abgeordneter Daniel Allgäuer ist hingegen sauer. “Vor fünf Jahren hat die Stadt Dornbirn gekündigt und gesagt: In drei Jahren ist Schluss, mit einer Option auf zwei weitere Jahre. Ein Antrag dazu von uns wurde im Landtag einstimmig beschlossen. Und jetzt? Hat man die Zeit völlig verplempert. Wir haben bald keinen öffentlichen Schlachthof mehr. Das ist eine Katastrophe!”
Genossenschaft als Lösung?
Die Neos ärgern sich. “Vor der Landwirtschaftskammerwahl hat man eine schnelle Lösung präsentiert, die nun nicht umgesetzt werden kann. Es ist ja nicht so, dass die wettbewerbsrechtlichen Bedenken nicht schon zuvor thematisiert wurden.” Die Kammer habe wieder versucht, Vorarlbergs Bauern für dumm zu verkaufen. Grünen Klubobmann Daniel Zadra ist ebenfalls nicht erfreut: “Die Zeit spielt gegen uns. Und das bisher erzielte Ergebnis ist leider sehr unbefriedigend. Wenn wir regionale Fleischprodukte und weniger Tiertransporte wollen, braucht es einen regionalen Schlachtbetrieb.” Auch Feuerstein betont: “Alleine schon aus dem Gesichtspunkt der Regionalität und des Tierwohls braucht man einen Schlachthof. Alle wollen einen. Aber bisher hat sich niemand gemeldet, wenn es um echte Beteiligungen gegangen ist.” Für Allgäuer steht fest: “Direktvermarkter sind auf einen öffentlichen Schlachthof angewiesen. Aber man ist das einfach zu wenig ernst angegangen.” Gasser bringt erneut das Genossenschaftsmodell ins Spiel. “Das würden viele Landwirte mittragen. Metzger und Gastronomie wären ebenfalls an Bord. Die Kammer kann auch dabei sein, aber wäre nicht federführend. Diese Idee sollte man noch einmal aufgreifen.”
14 Schlachthöfe im Land haben in dreieinhalb Jahren über 1000 Rinder geschlachtet. Beim größten in Dornbirn waren es 21.000, das fällt nun weg. Nach Deutschland werden jährlich 2000 Rinder exportiert, die meisten zum Schlachten. Im Schlachthof in Salzburg landen rund 1400 Tiere pro Jahr, die in Vorarlberg geboren wurden. Diese Zahl könnte bald steigen.