Demokratisierung des Schnifner Strommarkts

Gemeinde kurz vor Errichtung der Erneuerbaren Energiegemeinschaft sowie einer PV-Anlage auf dem Laurentiussaal.
Schnifis Noch läuft die Pilot- und Testphase mit rund 30 Haushalten, bis Ende des Jahres soll das neue System aber betriebsbereit sein und ab dem zweiten Quartal wird dann jeder Schnifner teilhaben können. Die Rede ist von der Erneuerbaren Energiegemeinschaft Schnifis, kurz EEG. Doch was steckt dahinter?
Energie bleibt in der Gemeinde
Viele Gebäude in der Gemeinde verfügen bereits über eine eigene PV-Anlage und produzieren selbst Strom, in den Spitzenzeiten meist sogar zu viel davon. Bisher wurde dieser Strom in das öffentliche Netz eingespeist und verkauft, nun soll diese Energie in der Gemeinde bleiben, damit die anderen Haushalte diesen Strom nutzen können. Der Austausch erfolgt nicht über neue Leitungen, sondern über das reguläre Stromnetz. Mit eingebunden werden sollen nicht nur private Haushalte, sondern auch Wirtschaft, Landwirtschaft und speziell die Sennerei. Bei der Käseproduktion fallen jährlich etwa zwei Millionen Liter Molke als Abfallprodukt an, aus dem erzeugt man am Stachniss-Hof Biogas und daraus wird der in Folge Strom erzeugt, den die Sennerei wieder zur Käseproduktion verwenden kann – ein in sich geschlossener nachhaltiger Kreislauf, von dem die Energiegemeinschaft künftig auch profitieren soll.

Vorreiterrolle
Im Rahmen eines Energieforums im Laurentiussaal wurden der bisherige Stand und die weiteren Schritte von Projektplaner Mátyás Scheibler ausgeführt. Technisch sind die Planungen auf Schiene, was noch fehlt, sind die Entscheidung hinsichtlich der Rechtsform der EEG sowie die endgültigen Einspeistarife und was mit den eingenommenen Mitteln passieren soll. Klar ist auf jeden Fall, dass das Geld für Ökologisierungsmaßnahmen zweckgebunden ist. Das Projekt, das auch mit dem Global Engery Award ausgezeichnet wurde, ist im Übrigen ein absolutes Unikum, für das sich bereits zahlreiche andere Gemeinden aus Österreich und der EU interessiert haben. „Schnifis übernimmt hier europaweit eine Vorreiterrolle. Uns geht es um die Demokratisierung des Strommarkts“, erzählt Bürgermeister Simon Lins stolz über das Vorhaben und dessen Ziele.

PV-Anlage mit Bürgerbeteiligung
Parallel zur Errichtung der Gemeinschaft plant die Gemeinde Schnifis auch im Zuge eines Bürgerbeteiligungsverfahrens den Bau einer PV-Anlage mit einer Leistung von mehr als 50.000 Kilowattstunden auf dem Dach des Laurentiussaals. Unterstützt wird die Umsetzung von der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg. Geschäftsführer Patrick Domig erläuterte im Rahmen des Energieforums den Interessierten das Beteiligungsmodell, von dem künftig alle Seiten profitieren sollen. Martin Frick von der Firma vkw-Doma, die die Anlage errichten wird, erklärte an diesem Abend auch die technischen Details und die Baupläne. Große Schritte für die kleine Kommune Schnifis, die mutig einen Blick in eine nachhaltige Zukunft wirft. CEG