VN-Wanderserie: Auf den König Vorarlbergs

Vorarlberg / 16.10.2021 • 14:00 Uhr
VN-Wanderserie: Auf den König Vorarlbergs
Beim Abstieg geht man an großen Gletscherspalten vorbei. Andreas Pecl

Zum Abschluss geht es am ersten Tag auf das Hohe Rad und am zweiten Tag mit Bergführer auf den Piz Buin.

Bielerhöhe Der krönende Abschluss dieser Wanderserie bildet – wie kann’s auch anders sein – der Piz Buin, mit 3312 Metern der höchste Berg Vorarlbergs. Wir haben die Tour auf zwei Tage aufgeteilt, wobei wir auf dem Hinweg zur Wiesbadener Hütte noch das Hohe Rad – mit 2934 Metern wirklich hoch – mitgenommen haben. Vorweg: Während das Hohe Rad für trittsichere Bergsteiger gut machbar ist, empfehle ich, den Piz Buin nur mit Bergführer zu begehen.

Am Silvretta Stausee: Hier ist der Start der 2-Tages-Tour. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Am Silvretta Stausee: Hier ist der Start der 2-Tages-Tour. Oliver Ihring
Wir gehen zunächst links vorbei am Silvretta Stausee. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Wir gehen zunächst links vorbei am Silvretta Stausee. Oliver Ihring
Der Herbst ist auch in der Silvretta bereits angekommen. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Der Herbst ist auch in der Silvretta bereits angekommen. VN/JUN
Durch eine traumhafte Landschaft geht es zur Radschulter. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Durch eine traumhafte Landschaft geht es zur Radschulter. VN/JUN
Hier auf dem Plateau ist es etwas ebener. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Hier auf dem Plateau ist es etwas ebener. VN/JUN

Ausgangspunkt dieser Zwei-Tages-Tour ist die Bielerhöhe. Die Mautgebühr für die Hochalpenstraße beträgt 16,50 Euro. Wenn man sich den Beleg auf der Hütte abstempeln lässt, zahlt man auf dem Rückweg keine Maut. Vom Dauerparkplatz aus gehen wir links am Silvretta Stausee entlang, bis ein Schild Richtung Radschulter zeigt, mit dem Hinweis, dass dieser weiß-blau-weiß markierte Weg nur für Geübte ist. Die Silvretta ist in herbstliche Farben getaucht, im Hintergrund leuchten die Gletscher in der Sonne. Im Zickzack geht es durch Latschenbewuchs zunächst steiler berghoch, bevor es auf dem Plateau ebener wird.
Der Weg führt teilweise über Blockfelder, wo Trittsicherheit gefragt ist. Durch diese Felslandschaft gestaltet sich die Wegfindung etwas schwieriger, da Markierungen nur spärlich gemalt wurden. Steinmännle helfen aber bei der Orientierung. Auf der Radschulter angekommen, deponieren wir unser Gepäck und wandern von dort aus erleichtert die letzten, im felsigen Gelände sehr steilen Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz weiter.

Die Wanderwege sind hier noch leicht zu gehen.<span class="copyright"> Oliver Ihring</span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span>
Die Wanderwege sind hier noch leicht zu gehen. Oliver Ihring
Hier ist die Wegfindung etwas schwieriger. Links im Hintergrund sieht man den Weg, dazwischen muss man sich durch die Felsbrocken seinen Weg suchen. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Hier ist die Wegfindung etwas schwieriger. Links im Hintergrund sieht man den Weg, dazwischen muss man sich durch die Felsbrocken seinen Weg suchen. Oliver Ihring
Der erste Schnee ist auch schon da.
Der erste Schnee ist auch schon da.
Am Gipfel des Hohen Rades.
Am Gipfel des Hohen Rades.

Die Aussicht von hier oben lohnt sich allemal, denn man sieht auf die umliegenden Gletscher der Silvrettagruppe und damit auf das eigentliche Ziel, den Piz Buin. Nachdem wir unten wieder unseren Rucksack aufgenommen haben, wandern wir weiter über ein zweites Blockfeld zum Radsattel. Hier verläuft auch die Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol. Den Piz Buin immer in Sichtweite, wandern wir über sanfte Hügel hinunter zur Wiesbadener Hütte, wo schon das Abendessen auf uns wartet.

Aussicht auf den Piz Buin und den Ochsentaler Gletscher. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Aussicht auf den Piz Buin und den Ochsentaler Gletscher. VN/JUN
Der türkisfarbene Silvretta Stausee.  <span class="copyright">VN/JUN</span>
Der türkisfarbene Silvretta Stausee. VN/JUN
Das Ochsental unten. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Das Ochsental unten. VN/JUN
Blick auf den Piz Buin. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Blick auf den Piz Buin. Oliver Ihring
 Die spitzen Zacken der Silvretta.  <span class="copyright">VN/JUN</span>
Die spitzen Zacken der Silvretta. VN/JUN

Hier treffen wir den Bergführer Andreas Pecl. Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bietet in den Sommermonaten Bergführungen an. Im Winter ist er für den Lawinenwarndienst des Landes Vorarlberg tätig. Da er in Galtür aufgewachsen ist, kennt er die Gegend um den Piz Buin in- und auswendig. Mit sechs Jahren war er zum ersten Mal auf der Wiesbadener Hütte, mit elf Jahren stand er zum ersten Mal auf dem Piz Buin. „Auf dem Piz Buin bin ich immer wieder gerne, weil er zu meinem Heimatgebiet gehört“, schwärmt er.
Mit den Jahren hat er auch die Veränderung des Ochsentaler Gletschers beobachten können. „Der Gletscher ist in den letzten Jahren enorm zurückgegangen. Früher ist der Gletscher noch bis zur Hütte gegangen“, erinnert er sich. Der Rückgang des Gletschers wird auf Infotafeln in der Wiesbadener Hütte anschaulich dokumentiert. Seit 25 Jahren ist Andreas Bergführer, hauptberuflich wollte er es jedoch nie machen, da der Beruf nicht beziehungsfreundlich sei. Er sucht sich seine Touren lieber selbst aus. In den Bergen genießt er das Zeitlose, das Gefühl, im Hier und Jetzt zu sein und den Verzicht. „Wenn du unterwegs bist, merkst du, was du alles nicht brauchst. Du brauchst nur eine nette Gesellschaft, Wärme und Nahrung.“

Vom Hohen Rad geht es auf schönen Wanderwegen zur Wiesbadener Hütte. Immer im Blickfeld ist der Piz Buin. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Vom Hohen Rad geht es auf schönen Wanderwegen zur Wiesbadener Hütte. Immer im Blickfeld ist der Piz Buin. Oliver Ihring
An der Landesgrenze zwischen Tirol und Vorarlberg. <span class="copyright">VN/JUN</span>
An der Landesgrenze zwischen Tirol und Vorarlberg. VN/JUN
Ganz viel Alpen-Wollgras wächst hier. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Ganz viel Alpen-Wollgras wächst hier. VN/JUN
Von da oben sind wir gekommen. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Von da oben sind wir gekommen. VN/JUN
Die Wiesbadener Hütte ist winzig im Vergleich zu den hohen Bergen ringsherum. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Die Wiesbadener Hütte ist winzig im Vergleich zu den hohen Bergen ringsherum. VN/JUN

Um 6.30 Uhr in der Früh geht es am nächsten Tag los. Es dämmert bereits. Wir gehen an der Grünen Kuppe vorbei und dann „durch die Mitte“, wie Bergführer diese Aufstiegsvariante nennen. Nach dem ersten kleinen Gletscherkontakt steigen wir über Felsen weiter auf, bis wir zum großen Gletscherfeld unterhalb des Piz Buins kommen. Hier wird es ebener, die Gletscherspalten nehmen dafür zu. Zum Glück kennt Andreas den Weg. In der Seilschaft gehen wir bis zur Buinlücke weiter.

Der nächste Tag: Ein paar Meter weiter, aber eine ganz andere Landschaft. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Der nächste Tag: Ein paar Meter weiter, aber eine ganz andere Landschaft. Oliver Ihring
Die aufgehende Sonne küsst die Berge. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Die aufgehende Sonne küsst die Berge. Oliver Ihring
Vorbei an Gletscherspalten.<span class="copyright"> Oliver Ihring</span>
Vorbei an Gletscherspalten. Oliver Ihring
Morgens auf dem Weg zum Piz Buin, der im Hintergrund bereits von den Wolken eingenommen wird. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Morgens auf dem Weg zum Piz Buin, der im Hintergrund bereits von den Wolken eingenommen wird. Oliver Ihring
In der Seilschaft auf dem Weg zur Buinlücke.<span class="copyright">  Oliver Ihring</span>
In der Seilschaft auf dem Weg zur Buinlücke. Oliver Ihring
Am Gipfel des Piz Buins, leider ohne Aussicht. Ich weiß, ich sehe da ein wenig fertig aus: Trotzdem ein großes Dankeschön an den Bergführer Andreas Pecl und an den Fotografen bzw. meinen Partner Oliver Ihring, der nicht nur tolle Fotos von mir bei den Wanderungen gemacht hat, sondern mich auch immer wieder sicher vom Berg runtergebracht hat. Denn das Ziel eines Bergsteigers sollte nie der Gipfel sein, sondern immer das Zuhause am Ende des Tages.
Am Gipfel des Piz Buins, leider ohne Aussicht. Ich weiß, ich sehe da ein wenig fertig aus: Trotzdem ein großes Dankeschön an den Bergführer Andreas Pecl und an den Fotografen bzw. meinen Partner Oliver Ihring, der nicht nur tolle Fotos von mir bei den Wanderungen gemacht hat, sondern mich auch immer wieder sicher vom Berg runtergebracht hat. Denn das Ziel eines Bergsteigers sollte nie der Gipfel sein, sondern immer das Zuhause am Ende des Tages.
Wie man sieht, sieht man nichts.
Wie man sieht, sieht man nichts.
Ein wenig kraxeln muss man schon beim Auf- und Abstieg, aber die Stellen sind gut machbar. <span class="copyright">Andreas Pecl</span>
Ein wenig kraxeln muss man schon beim Auf- und Abstieg, aber die Stellen sind gut machbar. Andreas Pecl

Als wir unsere Steigeisen ausziehen, zucken wir zusammen. Gewaltige Felsbrocken stürzen vom Kleinen Piz Buin hinunter. Kleinere Felsstürze folgen. Selbst Andreas meint, dass so große Felsstürze nicht alle Tage vorkommen. Die letzten paar Höhenmeter legen wir teils in leichter Kraxelei, teils im Gehgelände zurück. Ausgerechnet als wir am Gipfelkreuz ankommen, hat es sich so zugezogen, dass wir keine Aussicht genießen können. Dementsprechend fällt auch unser Aufenthalt dort oben kurz aus. Über den Normalweg, vorbei an riesigen Gletscherspalten, geht es zurück zur Wiesbadener Hütte. Auf dem Rückweg ist nochmals hohe Konzentration geboten, führt der Normalweg doch über ein steiles Gletscherstück und im Anschluss über teils loses Geröll zurück.


Nach einem Kaiserschmarren auf der Hütte gehen wir über den Fahrweg zurück zum Silvretta Stausee und von hier aus linksseitig weiter hinauf zum Kunstraum2032silvretta. Durch den mit Licht und Musik in Szene gesetzten Fußgängertunnel gelangen wir wieder zum Parkplatz. VN-JUN

Hohes Rad und Piz Buin

Tag 1: Stausee – Hohes Rad – Wiesbadener Hütte

Gehzeit 5 Stunden

Höhenmeter 1000

Kilometer 10

Übernachtung Wiesbadener Hütte (momentan geschlossen)

Tag 2: Wiesbadener Hütte – Piz Buin – Stausee

Gehzeit 8 Stunden

Höhenmeter 900

Kilometer 18

Hinweis Der Piz Buin ist eine Hochtour und nur mit Bergführer zu empfehlen

Aussicht auf das Silvrettahorn. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Aussicht auf das Silvrettahorn. VN/JUN
Der Kleine Piz Buin. An der linken Bergflanke waren die Felsstürze zu bestaunen. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Der Kleine Piz Buin. An der linken Bergflanke waren die Felsstürze zu bestaunen. VN/JUN
Das Gefährliche: Hier sieht man Restschnee über einer Gletscherspalte liegen. Wenn man die Spalte nicht erkennt und über die dünne Schneedecke läuft, kann man leicht einbrechen. Deswegen: Wer kein erfahrener Alpinist ist, sollte die Tour nur mit Bergführer machen. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Das Gefährliche: Hier sieht man Restschnee über einer Gletscherspalte liegen. Wenn man die Spalte nicht erkennt und über die dünne Schneedecke läuft, kann man leicht einbrechen. Deswegen: Wer kein erfahrener Alpinist ist, sollte die Tour nur mit Bergführer machen. VN/JUN
Hier sieht man noch einmal das steile Gletscherstück (rechts) beim Abstieg. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Hier sieht man noch einmal das steile Gletscherstück (rechts) beim Abstieg. VN/JUN
Gletscherwasser sucht sich seinen Weg ins Tal. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Gletscherwasser sucht sich seinen Weg ins Tal. VN/JUN
 Hier sieht man den Rückgang des Gletschers gut. Der vordere Bereich, wo ich stehe, war früher noch mit Gletscher bedeckt. Die "Brücke" ist sogenanntes Toteis.  <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Hier sieht man den Rückgang des Gletschers gut. Der vordere Bereich, wo ich stehe, war früher noch mit Gletscher bedeckt. Die "Brücke" ist sogenanntes Toteis. Oliver Ihring
Am Ursprung der Ill. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Am Ursprung der Ill. VN/JUN
Wohlverdient ist der Kaiserschmarren nach der Tour auf der Wiesbadener Hütte. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Wohlverdient ist der Kaiserschmarren nach der Tour auf der Wiesbadener Hütte. Oliver Ihring
Gebirgsbäche speisen die Ill. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Gebirgsbäche speisen die Ill. VN/JUN
Wieder am Silvretta Stausee angekommen. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Wieder am Silvretta Stausee angekommen. VN/JUN
Das Ochsental von unten. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Das Ochsental von unten. VN/JUN
Stolz und glücklich, den Piz Buin endlich bestiegen zu haben. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Stolz und glücklich, den Piz Buin endlich bestiegen zu haben. Oliver Ihring
Letzte Rast vor dem Parkplatz. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Letzte Rast vor dem Parkplatz. Oliver Ihring
Der Weg um den Silvretta Stausee führt über einen kleinen Wasserfall. <span class="copyright">Oliver Ihring</span>
Der Weg um den Silvretta Stausee führt über einen kleinen Wasserfall. Oliver Ihring
Der Kunstraum2032silvretta, mit Licht und Ton schön in Szene gesetzt. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Der Kunstraum2032silvretta, mit Licht und Ton schön in Szene gesetzt. VN/JUN