VN-Wanderserie: Auf den König Vorarlbergs

Zum Abschluss geht es am ersten Tag auf das Hohe Rad und am zweiten Tag mit Bergführer auf den Piz Buin.
Bielerhöhe Der krönende Abschluss dieser Wanderserie bildet – wie kann’s auch anders sein – der Piz Buin, mit 3312 Metern der höchste Berg Vorarlbergs. Wir haben die Tour auf zwei Tage aufgeteilt, wobei wir auf dem Hinweg zur Wiesbadener Hütte noch das Hohe Rad – mit 2934 Metern wirklich hoch – mitgenommen haben. Vorweg: Während das Hohe Rad für trittsichere Bergsteiger gut machbar ist, empfehle ich, den Piz Buin nur mit Bergführer zu begehen.





Ausgangspunkt dieser Zwei-Tages-Tour ist die Bielerhöhe. Die Mautgebühr für die Hochalpenstraße beträgt 16,50 Euro. Wenn man sich den Beleg auf der Hütte abstempeln lässt, zahlt man auf dem Rückweg keine Maut. Vom Dauerparkplatz aus gehen wir links am Silvretta Stausee entlang, bis ein Schild Richtung Radschulter zeigt, mit dem Hinweis, dass dieser weiß-blau-weiß markierte Weg nur für Geübte ist. Die Silvretta ist in herbstliche Farben getaucht, im Hintergrund leuchten die Gletscher in der Sonne. Im Zickzack geht es durch Latschenbewuchs zunächst steiler berghoch, bevor es auf dem Plateau ebener wird.
Der Weg führt teilweise über Blockfelder, wo Trittsicherheit gefragt ist. Durch diese Felslandschaft gestaltet sich die Wegfindung etwas schwieriger, da Markierungen nur spärlich gemalt wurden. Steinmännle helfen aber bei der Orientierung. Auf der Radschulter angekommen, deponieren wir unser Gepäck und wandern von dort aus erleichtert die letzten, im felsigen Gelände sehr steilen Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz weiter.




Die Aussicht von hier oben lohnt sich allemal, denn man sieht auf die umliegenden Gletscher der Silvrettagruppe und damit auf das eigentliche Ziel, den Piz Buin. Nachdem wir unten wieder unseren Rucksack aufgenommen haben, wandern wir weiter über ein zweites Blockfeld zum Radsattel. Hier verläuft auch die Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol. Den Piz Buin immer in Sichtweite, wandern wir über sanfte Hügel hinunter zur Wiesbadener Hütte, wo schon das Abendessen auf uns wartet.





Hier treffen wir den Bergführer Andreas Pecl. Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bietet in den Sommermonaten Bergführungen an. Im Winter ist er für den Lawinenwarndienst des Landes Vorarlberg tätig. Da er in Galtür aufgewachsen ist, kennt er die Gegend um den Piz Buin in- und auswendig. Mit sechs Jahren war er zum ersten Mal auf der Wiesbadener Hütte, mit elf Jahren stand er zum ersten Mal auf dem Piz Buin. „Auf dem Piz Buin bin ich immer wieder gerne, weil er zu meinem Heimatgebiet gehört“, schwärmt er.
Mit den Jahren hat er auch die Veränderung des Ochsentaler Gletschers beobachten können. „Der Gletscher ist in den letzten Jahren enorm zurückgegangen. Früher ist der Gletscher noch bis zur Hütte gegangen“, erinnert er sich. Der Rückgang des Gletschers wird auf Infotafeln in der Wiesbadener Hütte anschaulich dokumentiert. Seit 25 Jahren ist Andreas Bergführer, hauptberuflich wollte er es jedoch nie machen, da der Beruf nicht beziehungsfreundlich sei. Er sucht sich seine Touren lieber selbst aus. In den Bergen genießt er das Zeitlose, das Gefühl, im Hier und Jetzt zu sein und den Verzicht. „Wenn du unterwegs bist, merkst du, was du alles nicht brauchst. Du brauchst nur eine nette Gesellschaft, Wärme und Nahrung.“





Um 6.30 Uhr in der Früh geht es am nächsten Tag los. Es dämmert bereits. Wir gehen an der Grünen Kuppe vorbei und dann „durch die Mitte“, wie Bergführer diese Aufstiegsvariante nennen. Nach dem ersten kleinen Gletscherkontakt steigen wir über Felsen weiter auf, bis wir zum großen Gletscherfeld unterhalb des Piz Buins kommen. Hier wird es ebener, die Gletscherspalten nehmen dafür zu. Zum Glück kennt Andreas den Weg. In der Seilschaft gehen wir bis zur Buinlücke weiter.








Als wir unsere Steigeisen ausziehen, zucken wir zusammen. Gewaltige Felsbrocken stürzen vom Kleinen Piz Buin hinunter. Kleinere Felsstürze folgen. Selbst Andreas meint, dass so große Felsstürze nicht alle Tage vorkommen. Die letzten paar Höhenmeter legen wir teils in leichter Kraxelei, teils im Gehgelände zurück. Ausgerechnet als wir am Gipfelkreuz ankommen, hat es sich so zugezogen, dass wir keine Aussicht genießen können. Dementsprechend fällt auch unser Aufenthalt dort oben kurz aus. Über den Normalweg, vorbei an riesigen Gletscherspalten, geht es zurück zur Wiesbadener Hütte. Auf dem Rückweg ist nochmals hohe Konzentration geboten, führt der Normalweg doch über ein steiles Gletscherstück und im Anschluss über teils loses Geröll zurück.
Nach einem Kaiserschmarren auf der Hütte gehen wir über den Fahrweg zurück zum Silvretta Stausee und von hier aus linksseitig weiter hinauf zum Kunstraum2032silvretta. Durch den mit Licht und Musik in Szene gesetzten Fußgängertunnel gelangen wir wieder zum Parkplatz. VN-JUN
Hohes Rad und Piz Buin
Tag 1: Stausee – Hohes Rad – Wiesbadener Hütte
Gehzeit 5 Stunden
Höhenmeter 1000
Kilometer 10
Übernachtung Wiesbadener Hütte (momentan geschlossen)
Tag 2: Wiesbadener Hütte – Piz Buin – Stausee
Gehzeit 8 Stunden
Höhenmeter 900
Kilometer 18
Hinweis Der Piz Buin ist eine Hochtour und nur mit Bergführer zu empfehlen














