Spritpreise gehen auch im Land durch die Decke

Benzin und Diesel im Jahresvergleich um ein Viertel teurer. Experten sehen Allzeithoch bald erreicht.
Dornbirn Einmal Volltanken, bitte! Vor einem Jahr kostete die Tankfüllung in Vorarlberg im Schnitt noch zwischen 63 Euro (Diesel) und 66 Euro (Benzin). Mittlerweile muss für die 50 Liter Treibstoff deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden. Die Preise an der Zapfsäule sind regelrecht explodiert. Um zwölf Euro oder rund 25 Prozent ist der Sprit aktuell teurer als noch vor einem Jahr. Ein Ende des Preisanstiegs ist nicht in Sicht.


Mit der Coronakrise begann die Talfahrt. Weil die Nachfrage eingebrochen war, gingen die Spritpreise auf das Niveau von 2008 zurück, lagen teils deutlich unter einem Euro je Liter. Das war 2020. “Aufgrund der konjunkturellen Erholung kommen die Energielieferanten noch nicht auf die notwendige Schlagzahl”, erklärt ÖAMTC-Sprecher Jürgen Wagner (61). Die Energieknappheit treibt die Preise vor allem bei den Rohprodukten massiv in die Höhe, sie haben sich zuletzt fast verdoppelt. Mit leichter Verzögerung erreicht die Preisexplosion über die Fertigprodukte auch die Zahpfsäule und damit Vorarlbergs Autofahrer. “Seit Herbst vergangenen Jahres ziehen die Spritpreise monatlich an”, so Wagner. Aktuell zahlt man für den Liter Diesel vereinzelt gleich viel oder sogar mehr als für Super-Benzin.

Preisvergleich lohnt sich
Mit einem Plus von 24 Prozent ist der Dieselpreis stärker angestiegen als Benzin (23 Prozent). Transportwirtschaft und gewerbliche Mobilität hätten stark zugelegt und damit die Nachfrage nach Diesel in die Höhe getrieben, erklärt der ÖAMTC-Experte. Es sei jetzt damit zu rechnen, dass sich Diesel- und Benzinpreise angleichen werden. Aktuell liegt der Lieter Diesel im Land im Schnitt bei 1,387 Euro, der Liter Super-Benzin bei 1,409 Euro.

120 Tankstellen gibt es in Vorarlberg und ein Preisvergleich lohnt sich, wie jüngste Erhebungen des ÖAMTC zeigen. Die Differenz zwischen günstigster und teuerster Tankstelle macht bei einer 50-Liter-Tankfüllung satte 28 Euro beim Diesel bzw. 27 Euro beim Benzin aus. Aber auch zwischen günstigster und durchschnittlichen Tankstellen liege das Sparpotenzial bei einer Tankfüllung bei neun Euro, rechnet der ÖAMTC vor (Hier geht es zum Spritpreisrechner).

Allzeithoch in Reichweite
Autofahren bleibt wohl noch länger ein teures Vergnügen. Anzeichen, dass die Spritpreise in absehbarer Zeit wieder nach unten gehen, gibt es nicht, im Gegenteil. “Auch wenn Prognosen schwierig sind, deutet alles darauf hin, dass wir uns in Richtung Allzeithoch bewegen”, so ÖAMTC-Experte Wagner weiter. Die Preise aus dem Frühjahr 2012 mit durchschnittlich 1,473 Euro (Diesel) und 1,545 Euro (Benzin) sind in Reichweite. Spätestens ab Juli 2022 sind neue Rekordpreise zu erwarten. “Durch die vor Kurzem vorgestellte ökosoziale Steuerreform wird Treibstoff im kommenden Jahr noch einmal um knapp zehn Cent pro Liter teurer”, erklärt Peter Aberer, Obmann der Fachgruppe Energiehandel in der Wirtschaftskammer auf VN-Anfrage.
Mitarbeit: Mirijam Haller
