Neue Hypo-Passage in Bregenz, Ermittlungen gegen Reichart

Stadt Bregenz stellt die Weichen für den neuen Bahnhof, Ermittlungen gegen Reichart.
Bregenz Viele Jahre verstaubte dieser leicht vergilbte Holzstuhl im Keller. Der Bezug der Rückenlehne blättert etwas ab, das Sitzpolster ist ausgebleicht. Dem Stuhl sieht man an: Der ist alt. Er trägt zwar schon lange keine Personen mehr auf, jedoch eine aufregende Geschichte in sich. Maria Theresa saß auf ihm, auch Kaiserin Zita soll darauf Platz genommen haben. Viele Bürgermeister gönnten sich diesen royalen Untersatz, bevor vor vielen Jahren dieser geschichtsträchtige Stuhl in Sicherheit gebracht wurde. Nun steht er wieder im alten Landtagssaal, allerdings nur noch als Dekoration. Zu seinen Beinen diskutieren die Bregenzer Stadtvertreter am Donnerstagabend den Bahnhof, die Hypo-Unterführung und die Klimastrategie. Wobei diskutieren der falsche Begriff ist: Sie loben sich und sind sich einig. Auch der Neustart beim Bahnhof wird einstimmig beschlossen.

Nun steht auch formal fest: Die Stadt Bregenz kündigt beide aufrechten Verträge mit den ÖBB und dem Land zum Bahnhofsneubau. Die Stadtvertretung stimmt einstimmig dafür, die Pläne nicht weiter zu verfolgen. Dem voran gingen lange Verhandlungen, erklärt Bürgermeister Michael Ritsch anschließend. Mit den ÖBB sei dieser Schritt bereits ausgemacht. Auch die Neugestaltung der Hypo-Passage wird einstimmig beschlossen. “Diese Beschlüsse sind der Neustart für den Bahnhof”, bedankt sich der Bürgermeister.


Die Hypo-Unterführung samt provisorischem Bahnsteig wird Anfang des kommenden Jahres in Angriff genommen. Die Stadt rechnet mit zwei Jahren Bauzeit. 2024 oder 2025 soll dann der neue Bahnhof gebaut werden. Bis dahin müssen sich allerdings alle Beteiligten einig werden. Ritsch hofft, dass die Landesregierung bis Anfang 2022 ihre Studie zur Straßenführung unter der Erde fertigstellt. Und nicht, wie angekündigt, erst Ende 2022. “Das ist uns zu spät.”

Einigkeit und Gegenseitiges Lob auch bei Punkt sechs der Tagesordnung, der Klima- und Energiestrategie. 40 Seiten lang ist die Strategie, die der Stadt helfen soll, die Klimaziele zu erreichen, betont der Grüne Stadtrat Heribert Hehle. Er schwärmt: “Die Strategie beinhaltet unter anderem die Seewassernutzung beim Festspielhaus und dem neuen Hallenbad. Allerdings kann damit auch das ganze Seequartier und die Seestadt autark betrieben werden.” Die Stadtwerke sollen zudem zum kompletten Energiedienstleister umgebaut werden, inklusive Biomasseheizwerk. In Weidach ist ein weiteres großes Heizwerk geplant. Alle Fraktionen freuen sich und loben sich in Wortmeldungen gegenseitig und die zuständigen Abteilungen im Rathaus. Deshalb ist es kein Wunder: Die Strategie wird einstimmig beschlossen.

Kein Thema ist an diesem Abend die Causa um die suspendierte Kulturamtsleiterin Judith Reichart. Nur am Rande der Sitzung wird diskutiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt mittlerweile. Sie sicherte bereits Akten und Unterlagen im Rathaus. Auch der Prüfungsausschuss untersucht die Vorwürfe, in der Dezember-Sitzung soll der Bericht vorliegen. Dann wird es weniger ruhig zugehen wie an diesem Donnerstag. Nach einer halben Stunde war die harmonische Sitzung vorbei. Maria Theresa hätte als ihre Freude damit gehabt.