Hochwasserereignisse werden rasch vergessen

Klare Ansagen zum Hochwasserschutz an Bregenzerach.
HARD Viele Menschen haben ein kurzes Gedächtnis, wenn es um die Erinnerung an Hochwasser geht. Darauf verwies der Lauteracher Bürgermeister Elmar Rhomberg bei der Informationsveranstaltung zur Hochwassersanierung an der Bregenzerach in Hard. Der zuständige Fachmann Dr. Bernhard Fink klärte etliche Missverständnisse auf.
Es gab auch kritische Fragen und manche Behauptungen während der Infoveranstaltung auf der Fahrradbrücke über die Bregenzerach. Hier hatte der Wasserverband Bregenzerach Unterlauf zur Information geladen. Die Arbeiten am Harder Achufer laufen auf Hochtouren. Etwa 30 Meter vom jetzigen Achdamm entfernt entsteht bereits ein neuer Schutzdamm. Der Auwald dazwischen wird gerodet, eine ökologisch angepasste Bepflanzung folgt. Etliche der interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer brachten Kritik an den Maßnahmen an.
Inseln in der Mündung
Einmal ging es um die Sandinseln, die sich im Mündungsbereich der Ach gebildet haben. Sie würden bei Hochwasser erheblichen Rückstau verursachen. Hätte man sie wie früher weggebaggert, wäre die Hochwassergefahr gebannt. Dr. Bernhard Fink als Geschäftsführer des Wasserverbands verwies auf die Sohlrampe, das Wuhr oberhalb der Fahrradbrücke. „Wenn es tatsächlich einen Rückstau geben sollte, so gewiss nie weiter als bis zu dieser Sohlrampe.“ Die Hochwassergefahr werde durch diese Inseln also nicht verstärkt. In etlichen Jahrzehnten aber müsse die weitere Vorgangsweise überlegt werden, so Dr. Fink.
Aufklärung gab es auch zur Frage, weshalb das Flussbett lediglich bis zur Fahrradbrücke verbreitert werden muss. Den befürchteten angeblichen „Flaschenhals“ nach der Radbrücke gibt es nicht, wie Dr. Fink ausführte. Der bestehende Hochwasserdamm endet bei der Radbrücke, ein Hochwasser kann sich also in den flachen Auwald ergießen. Hochwasserschutz für das Harder Siedlungsgebiet bietet hier der „Untere Achdamm“ weiter landeinwärts.
Hochwasser 1999 und 2005
Manche Wortmeldungen schätzten die Gefahr von Hochwasser in der Bregenzerach gering ein. Darauf meldete sich Elmar Rhomberg als Obmann des Wasserverbands zu Wort. Er stelle fest, dass derartige Ereignisse offenbar rasch vergessen werden. „Ich weiß noch, wie ich im Jahr 2005 als damals noch junger Bürgermeister die Vorevakuierung im Bereich an der Ache organisieren musste. Damals drohte die Bregenzerach überzugehen.“ Dr. Fink ergänzte durch seine Erfahrungen aus dem Hochwasserjahr 1999 und die drohende Überschwemmung der Bregenzer Achsiedlung. „Ich habe mir abgewöhnt, Hochwasser in der Ach schön zu finden.“
Keine Dammerhöhung
Selbstverständlich sind im Rahmen der Planungsvorbereitung auch andere Varianten geprüft worden. Eine Erhöhung der bestehenden Dämme etwa wäre erheblich kostspieliger gewesen. „Bei höheren Dämmen hätten sämtliche Achbrücken zwischen Hard und Kennelbach neu errichtet werden müssen, um Verklausungen zu verhindern.“ Dazu kommen weitere wassertechnische Probleme.
Viel Geld für Ökologie
Die Baumaßnahmen am Unterlauf der Bregenzerach dienen nicht nur dem Hochwasserschutz, auch die Ökologie darf nicht zu kurz kommen. Dazu erläuterte Fink, dass Flussbaumaßnahmen stets eine Verbesserung der Situation von Natur und Umwelt bringen müssen. Deshalb sind etliche der hier investierten 15,5 Millionen Euro für ökologische Maßnahmen reserviert. Der Auwald, der teilweise gerodet werden muss, erholt sich erfahrungsgemäß rasch wieder. Während der vergangenen Jahre wurden immer wieder auch Bäume eingesetzt, die in einem Auwald nichts verloren haben. Darauf wird bei der Wiederaufforstung geachtet. In den Unterlagen des Wasserverbands mit Bregenz, Hard, Lauterach, Kennelbach und Wolfurt heißt es dazu: „Es ist gewährleistet, dass der Natur- und Lebensraum mittelfristig wertvoller und sicherer sein wird als jetzt.“ AJK

Die Schneise für den Bau des neuen Hochwasserdamms am Harder Achufer.