Coronacluster macht große Sorgen

Vorarlberg / 13.10.2021 • 16:15 Uhr
Die Türen des Sozialzentrums bleiben derzeit für Fremde geschlossen. <span class="copyright">VN</span>
Die Türen des Sozialzentrums bleiben derzeit für Fremde geschlossen. VN

18 Bewohner des Sozialzentrums wurden positiv getestet, ein Betroffener starb an den Folgen der Infektion.

Satteins „Das sind keine leichten Zeiten“, sagt Gert Mayer und seine Stimme klingt leicht gebrochen.

Coronacluster im Sozialzentrum

Der Coronacluster im Sozialzentrum Satteins-Jagdberg, über den die VN bereits vor zwei Wochen berichteten, macht dem Bürgermeister große Sorgen. Aktuell sind 18 der 35 Bewohner positiv getestet, fünf von ihnen liegen im Spital. Alle werden auf der Normalstation betreut. Mayer spricht von einer vorsorglichen Einlieferung. „Es sind ältere Menschen“, merkt er an, und: „Lieber einmal zu früh handeln.“ Allerdings hat der Cluster auch schon ein Todesopfer gefordert, wie aus dem Büro von Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker auf VN-Anfrage bestätigt wurde. Der Coronapatient sei ungeimpft und mit Vorerkrankungen belastet gewesen. Unter den Mitarbeitenden gibt es sechs positive Fälle, zwei weniger als bei Ausbruch des Clusters. „19 Monate lang ist alles gut gegangen, war das Sozialzentrum coronafrei, und jetzt das“, ist Gert Mayer sichtlich erschüttert.  

Vorgaben eingehalten

Wie das Virus in das Sozialzentrum gekommen sein könnte, auch darüber hat sich der Bürgermeister mit dem Geschäftsführer Mario Bettega schon den Kopf zerbrochen. „Wir haben keinen Fehler entdeckt“, fasst er die Überlegungen zusammen. „Es wurden alle behördlichen Vorgaben und Hygieneregeln eingehalten, es wurde vorschriftsmäßig getestet und bei den Besuchern konsequent die 3G-Regel kontrolliert.“ Es wäre, sagt Gert Mayer, aber ohnehin vermessen, Schuldige zu suchen bzw. alles rein spekulativ. Er hofft nur, dass sich die kritische Situation nicht ausweitet, sondern wieder beruhigt. Das sofort verhängte Besuchsverbot soll jedenfalls länger beibehalten werden. „Wir müssen jetzt sehr vorsichtig sein.“ Es kommt auch sonst kein Außenstehender über die Schwelle des Sozialzentrums. Dafür sorgt ein großes Schild mit der unmissverständlichen Aufschrift „Eintritt verboten.“ Die Post muss vor der Türe deponiert werden.

Positiv äußert sich der Bürgermeister zur Zusammenarbeit mit den Behörden und zuständigen Personen. Von der Landesregierung bzw. der dortigen Fachabteilung gebe es Hilfe und Unterstützung, außerdem stehe er in ständigem Austausch mit dem Landeshygieniker und dem Amtsarzt. „Man wird hier nicht alleingelassen“, konstatiert Gert Mayer lobend. Bei der Bewältigung der Arbeiten im Sozialzentrum greifen Mohi-Mitarbeitende dem Personal unter die Arme.

Impfpflicht wird geprüft

Schon sehr früh seien Bewohner und Personal motiviert worden, sich impfen zu lassen. „Der Verlauf einer Coronainfektion ist bei Geimpften verhaltener“, sagt Mayer, der sich offen als Impfbefürworter deklariert. „Personen, die im öffentlichen Gesundheitswesen tätig sind, sollten bestmöglich selbst geschützt sein“, redet er in diesem Zusammenhang einer Impfpflicht das Wort. Einer solchen wäre auch Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker nicht abgeneigt, zumal Empfehlungen bislang offenbar weniger als gewünscht fruchteten. „Gemeinsam mit dem Gesundheitsbereich haben wir schon vor längerem eine dringende Empfehlung an die Trägereinrichtungen ausgesprochen, bei Neuaufnahmen eine Impfung verpflichtend zu machen. Dieser Empfehlung haben sich leider nicht alle Betriebe angeschlossen“, sagt Wiesflecker. Ob eine solche Impfpflicht verpflichtend vorgeschrieben werden kann, wird derzeit rechtlich geprüft. Während des Gesprächs erhält Bürgermeister Mayer die Mitteilung, dass ein Bewohner das Spital verlassen darf. Die Erleichterung ist ihm anzuhören.