„Ein historischer Moment für St. Anton“

Architekten und das Büro stadtland stellen den Bürgern Pläne zum neuen Nahversorger und Dorfkern vor.
St. Anton Einen richtigen Dorfkern hat St. Anton noch nicht. Das wird sich aber bald ändern, denn drei Architekten haben zusammen mit dem Raumplanungsbüro stadtland an einem Modell für St. Anton getüftelt, das sie am Mittwoch den Bürgern vorgestellt haben.
Der Einladung folgten rund 100 Bürger, einen richtigen Ansturm erlebte der Gemeindesaal. Mit so vielen Interessierten haben die Verantwortlichen nicht gerechnet. Die Anzahl der Stühle reichte hinten und vorne nicht, die meisten Bürger mussten stehen und da es kein Mikrofon gab, konnten die Bürger in den hintersten Reihen auch so gut wie nichts verstehen. Trotzdem war dieser Abend „ein historischer Moment für St. Anton“, sagte Raumplaner Herbert Bork.
Denn St. Anton bekommt nun endlich einen richtigen Dorfkern mit Dorfplatz und Nahversorger. Das ist das Ergebnis mehrerer Sitzungen zusammen mit dem Bauausschuss, Landesgestaltungsbeirat sowie mit den drei Architekten Simon Metzler, Gerhard Gruber und Bernd Riegger und dem Raumplanungsbüro stadtland. Das Projekt steht schon seit mehreren Jahren im Raum, nun ist die Umsetzung ein gutes Stück näher gerückt.
Dorfkern nicht geplant gewesen
Dass das Thema Nahversorger in St. Anton auf großes Interesse stößt, haben die Verantwortlichen bei der Bürgerbefragung letztes Jahr gemerkt. Knapp 50 Prozent der Bevölkerung nahmen an der Befragung teil – ein Rekordergebnis. Dabei stand der neue Dorfkern anfangs gar nicht zur Debatte. Die Ausgangsfrage lautete nur, wo der künftige Nahversorger hinkommen soll. Der Dorfkern war nur das Ergebnis dieses Prozesses, wie Gerhard Gruber erklärte.
Blickt man auf die Geschichte St. Antons zurück, so erkenne man, dass die Gemeinde nie eine Gründungsphase durchlebt hatte. „Es gab keine erkennbare Gruppierung von öffentlichen Gebäuden, kein bauliches Zentrum“, führte Gruber weiter aus. Deswegen sei der Wunsch nach öffentlichen Räumen, nach einem Treffpunkt im Ort nach wie vor groß.
Nahversorger mit Mehrwert
Der Lebensmittelmarkt müsse einen Mehrwert für die St. Antöner bieten, weshalb nicht nur der Nahversorger an sich, sondern auch Arztpraxen, Wohnungen oder Büros darüber sowie ein betreubares Wohnen dahinter entstehen sollen. So wären alle wichtigen Infrastruktureinrichtungen (Brotlädle, Feuerwehr, Gemeindeamt, Ärztehaus, Volksschule, Kindergarten, St. Antöner Hock und der neue Nahversorger) gebündelt an einem Ort und würden durch einen gemeinsamen Dorfplatz „enger zusammenwachsen“, erklärt Bürgermeister Helmut Pechhacker. Durch weitere Geschäfte, Gastronomiebetriebe und öffentliche Räume wie die Bibliothek, die momentan im Keller der Volksschule eher ein trostloses Dasein pflegt, bekäme der Dorfplatz einen baulichen Rahmen.

Vier Standorte kamen in Frage
Vier Standorte für einen möglichen Nahversorger wurden evaluiert. Beim Adler gäbe es zwar eine flache Wiese und damit keine baulichen Einschränkungen, jedoch wäre dieses „1A-Grundstück“, so Gruber, für den Nahversorger „völlig sinnlos“, weil wesentliche Infrastruktureinrichtungen so weit entfernt lägen. Bei der Montafonerbahn wäre die Hanglage für „eine große Baumasse“ ideal gewesen, jedoch ist hier die Landesstraße im Weg und für die St. Antöner, die zum Großteil auf der anderen Straßenseite leben, das Überqueren der vielbefahrenen Straße „ein Hindernis“. Standort 3 befände sich auf der Wiese neben dem Gebirgsbach, der Graben stelle aber ebenfalls eine große Barriere dar, weshalb Standort 4 neben dem Gemeindeamt am geeignetsten sei. „Wir haben immer schon mit diesem Standort spekuliert, aber dennoch andere überprüft“, sagte Gruber.
Der Supermarkt brauche auf jeden Fall „einen Auftritt an der Straße“, denn er sei auf zusätzliche vorbeifahrende Leute angewiesen. „Der Markt kann nicht nur von den St. Antönern leben.“ Trotzdem soll der Nahversorger für die Bewohner gut erreichbar sein, weshalb auch der Fußweg hinter dem Gemeindeamt zu einer Dorfstraße aufgewertet werden soll.
„Wir haben immer mit diesem Standort spekuliert, aber dennoch andere überprüft.“
Gerhard Gruber, Architekt
Ein konkreter Nahversorger steht noch nicht fest. „Als nächstes klopfen wir mal bei den Nahversorgern an, ob die mit dem Modell etwas anfangen können“, klärt Pechhacker über die nächsten Schritte auf. Der Nahversorger müsste aber nach den Regeln der Gemeinde spielen. Bauen soll das Gebäude der Nahversorger selbst, die Gemeinde ist für die Überbauung zuständig. Ob sie diese Aufgabe einem Wohnbauträger abgibt, ist offen. „Ein Physiotherapeut oder Fachärzte wären der Hammer“, will Pechhacker am liebsten Ärzte ansiedeln, weiß jedoch, dass dies schwierig werden wird, da Ärzte rar gesät sind.
Betreutes Wohnen hoch im Kurs
Pechhacker hat es außerdem überrascht, dass sich die Bürger ein betreutes Wohnen gewünscht haben. Da das hintere Grundstück der Diözese Feldkirch gehört, liegt dieses Projekt in ihrer Hand. Die Diözese könnte sich aber durchaus ein betreutes Wohnen für Senioren vorstellen. „Die Diözese ist offen für alles und nicht abgeneigt.” VN-JUN