Hier brennen die Reste der historischen Alp-Häuser

Alp-Ensemble könnten noch stehen. Jagdpächter war bereit, die Bauten zu erhalten. Keine Einigung erzielt.
Mellau „Wieder hat ein Ort sein Gesicht verloren.“ Mit diesen Worten hat der renommierte Architekt Hermann Kaufmann gestern in einem VN-Artikel viele im Land aufgewühlt. Im Mellental wurde ein außergewöhnliches Alp-Ensemble abgerissen, der holzverschindelte Baukörper in Sichtweite im Naturschutzgebiet verbrannt. Kaufmann bedauert den unwiederbringbaren Verlust eines architektonischen Juwels.

Alternativlos war der Abbruch allerdings nicht, wie die VN jetzt in Erfahrung bringen konnten. Demnach liegen seit Jahren Pläne zum Erhalt der Alpgebäude in den Schubladen. „Wir wären bereit gewesen, die Gebäude zu retten“, sagt der Bregenzerwälder Unternehmer Hans Metzler, der im Gebiet mehrere Jagdpachten, unter anderem jene der Hauseralpe und der benachbarten Alpe Lindach, besitzt. Das Mauerwerk wäre saniert, der Holzaufbau originalgetreu nachgebaut worden und die Häuser hätten als Jagdstube bzw. Nutzhütte gedient. Gescheitert sind die Pläne schließlich am Widerstand der beiden Alpen gegen eine Wildfütterung. Sie sollte als Empfehlung einer unabhängigen Taskforce zu TBC errichtet werden. Damit auch auf Wunsch des Landes, wie Metzler erklärt.

Mittlerweile scheinen die Fronten zwischen Alpverantwortlichen und Jagdpächter verhärtet. Dass die historisch wertvollen Gebäude jetzt nur mehr Schutt und Asche sind, sorgt bei Hans Metzler für Verärgerung. Er habe kein Verständnis dafür, dass so viel Holz und damit auch Fördergelder aus der Alpe herausgenommen worden seien, man die Häuser aber einfach verfaulen ließ. Und freilich sei den Verantwortlichen auch klar gewesen, dass es sich hier um ganz besondere Gebäude handelt.

Die Darstellung des Alpobmanns Wilfried Keckeis gegenüber den VN war eine andere. Er will erst am Tag nach dem Abbruch im Gespräch mit dem Mellauer Bürgermeister Tobias Bischofberger von der Besonderheit des Alphaus-Ensembles erfahren haben. Auch von der Notwendigkeit einer Abbruchanzeige habe er nichts gewusst.

Die Vorgänge in Mellau haben mittlerweile auch den Alpenschutzverein auf den Plan gerufen. „Hier hat man schnell vollendete Tatsachen geschaffen“, befindet Obmann Franz Ströhle. Der Verein prüft derzeit jedenfalls die genaueren Umstände und hinterfragt auch, warum das Gebäude-Ensemble nicht längst unter Denkmalschutz stand. Jedenfalls hätten die Besitzer aber um die Einzigartigkeit der Gebäudesituation wissen müssen.

„Es tut mir in der Seele weh“
Altbürgermeisterin Elisabeth Wicke hat sich mit der Geschichte der Alpe auseinandergesetzt. Sie habe auch mit den Eigentümern darüber gesprochen. Und auch, dass etwas unternommen werden müsse. „Es tut mir in der Seele weh, wenn so etwas verlorengeht“, sagt Wicke. Dass die Häuser einfach verschwinden könnten, damit habe sie nicht gerechnet.

„Desolater Zustand“
Trotz der Bereitschaft des Jagdpächters mit einem sechsstelligen Betrag das Gebäude-Ensemble zu erhalten, hat die Alpe anders entschieden. Die Gebäude seien kurz vor dem Zusammenfallen gewesen, man sei schon auf den Schandfleck angesprochen worden, rechtfertigt Alpobmann Keckeis. Dabei hätten sich offensichtlich durchaus Interessierte gefunden, diesem speziellen Ort sein Gesicht zu belassen.