Den illegalen Privatschulen auf der Spur

Entlassener Lehrer sucht Räumlichkeiten für private Lerngruppe. Bildungsdirektion und Behörden sind alarmiert.
Bregenz Der Aufruf des wegen Maskenverweigerung bereits entlassenen ehemaligen Polylehrers ist unmissverständlich. Auf seiner Homepage bringt er seine Suche nach privaten Räumen überall in Vorarlberg zur Kenntnis, und zwar für Gruppen mit acht bis zwölf Kindern für den häuslichen Unterricht auf (siehe Faksimile). Diese Unterrichtsgruppen sollen durch Eltern und Lehrer unterstützt werden. Dass sich diese Raumsuche verbunden mit der Bekanntgabe des damit verbundenen Zwecks vor dem aktuellen Hintergrund speziell an Eltern richtet, die ihre Kinder wegen der Coronamaßnahmen dem Unterricht an den öffentlichen Schulen entziehen, ist offensichtlich.
Die Initiative des Ex-Pädagogen nennt sich “Lebensschule Vorarlberg”. Sie ist laut eigenen Angaben eine private und unabhängige Initiative zur Unterstützung des häuslichen Unterrichts.
Erst nur Raumsuche
“Das ist ganz klar eine Ankündigung zur Gründung einer Privatschule”, bewertet Dr. Markus Juranek (62), Leiter der Präsidiale der Bildungsdirektion und als solcher oberster Schuljurist, diese Anzeige. Nach geltendem Privatschulgesetz ist eine solches Vorhaben ohne Erfüllung der dafür vorgeschriebenen Voraussetzungen gesetzeswidrig. “Aber”, schränkt Juranek ein, “dieses Vorhaben ist gegenwärtig noch nicht realisiert und nur ein Aufruf zur Suche von Räumlichkeiten. Eingreifen könnten wir erst, wenn eine solche nicht genehmigte Privatschule in Betrieb ist”, erklärt der Jurist.
Strategiesuche der BH
Mit der Angelegenheit ist mittlerweile die Bezirkshauptmannschaft Feldkirch, zuständig für den in Altach wohnhaften Lehrerrebell, befasst. “Eine solche Situation ist für uns neu. Wir müssen uns zuerst ein Bild von diesem Fall machen. Sicher ist, dass sich meine drei Kollegen von den anderen BH und ich über das Thema illegale Privatschulen unterhalten und eine gemeinsame Vorgehensweise festlegen werden”, teilte der Feldkircher Bezirkshauptmann Herbert Burtscher den VN mit.
“Beim Thema illegale Privatschulen werden die vier Bezirkshauptmänner eine gemeinsame Strategie festlegen.“
Herbert Burtscher, Bezirkshauptmann Feldkirch
Befasst sei man bisher an der BH Feldkirch gelegentlich mit Verstößen gegen die Schulpflicht gewesen. “Das betrifft Eltern, die ihre Kinder in häuslichem Unterricht hatten und dort behalten wollten, obwohl die Kinder die Externistenprüfung nicht schafften und daher wieder an die Schule zurück mussten”, berichtet Burtscher.
353 Schüler weg von der Schule
An der Bildungsdirektion Vorarlberg möchte man verstärkt ein Auge auf versteckte Gründungen von Privatschulen werfen. Als eine solche gilt es, wenn drei oder mehr nicht verschwisterte Schüler gemeinsam als Vorbereitung für die Externistenprüfung unterrichtet werden.
“Es gibt bisher über den bekannten Fall hinaus verschiedene Hinweise auf die Gründung solcher Gruppen, aber nichts Konkretes”, erzählt Jurist Juranek.
Derzeit sind 353 Schülerinnen und Schüler in Vorarlberg zum häuslichen Unterricht angemeldet. Das sind fast drei Mal so viel wie im letzten Jahr. Diese Schüler haben praktisch keinen Kontakt mehr zu ihrer Schule und müssen laut Vorgabe von ihren Eltern unterrichtet werden.