Schützende Hände
Wahlen sind Momentaufnahmen, meistens urlangweilig. Verlierer reden die Verluste schön. Gewinner atmen Erleichterung. Wadelbeißer gratulieren mit maliziösem Lächeln. Alles wie erwartet – am Ende gibt’s nur Sieger.
Aber am Sonntag musste sich niemand in den „Tatort“ flüchten. Als die Kommunisten in Österreichs zweitgrößter Stadt das Ruder übernahmen, musste die Wahlsiegerin „erst mal eine rauchen“ und der aus dem Amt katapultierte Bürgermeister verstieg sich zu dem Satz: „Ich werde meine schützende und helfende Hand (von Graz) zurückziehen.“ Die schreibende Zunft übte sich in Schnappatmung. Die Kommunisten! Je weiter weg von Graz, desto unheimlicher hallte der Ruf durch die Republik. Essen die noch immer mit Hammer und Sichel? Was steht noch mal im Parteiprogramm? Verstaatlichung, Enteignung, Lager?
Zuletzt haben die Kommunisten in der Person der „Roten Fini“ bundesweit Schlagzeilen gemacht, die so anmutig DDR-Millionen verschwinden ließ wie Zauberer Kaninchen aus ihren Zylindern fischen. Aber Elke Kahr ist nicht die Fini, und die Menschen lesen auch heute keine Wahlprogramme. Aber sie nehmen wahr, dass Elke Kahr seit Jahren einen Großteil ihres Gehalts Notleidenden schenkt und dass sie auch am Tag nach der Wahl Sozialberatung leistete. Ihr Sieg ist kein Marketing-Slim-Fit-Erfolg, sondern möglicherweise eine Antwort auf die Frage, die sich Bürger angesichts überheblicher Politiker immer öfter stellen: Wer dient da eigentlich wem? Man muss kein Kommunist sein, um da Freude zu empfinden.
Kommentar