Warteliste für Luxusimmobilien: Superreiche stehen in Lochau Schlange

Lochauer Pfänderhang steht bei Deutschen Millionären hoch im Kurs.
Lochau Das Lochauer Bauamt hat dieser Tage alle Hände voll zu tun. Baueingaben zu Luxus-Immobilien türmen sich. Alleine in den nächsten Wochen stehen, wie die Amtstafel verrät, drei Bauverhandlungen zu millionenschweren Projekten am Pfänderhang an. Gebaut wird an den feinsten Adressen, am „Haggen“ und „Halden“. Was die Orte verbindet: ein atemberaubender Blick auf den See und ein Klientel, das über reichlich finanzielle Mittel verfügt. Die braucht es auch, wie VN-Recherchen im Grundbuch zeigen. So haben kürzlich 1038 Quadratmeter Bauland am Haggen für 3,2 Millionen Euro den Besitzer gewechselt. Boden, der gut zwei Jahre zuvor noch zum halben Preis erworben wurde. Ursprünglich hätten drei Luxus-Appartements in Bestlage entstehen sollen, jetzt soll es laut Baueingabe ein Einfamilienhaus werden.

Der Bauherr leitet einen familieneigenen Dienstleistungskonzern in Frankfurt am Main mit mehreren Zehntausend Mitarbeitern in verschiedenen Ländern. Das geschätzte Familienvermögen: knapp an der Milliardengrenze. Realisiert wird das Luxus-Domizil von Andreas Ahlborn, der mit seinem gleichnamigen Unternehmen seit einigen Jahren am Pfänder aktiv ist. 7 bis 8 Millionen Euro werde das Wohnhaus inklusive Grundstück kosten, so der Immobilienentwickler im VN-Gespräch.

„Ausmaße, die hier in Vorarlberg bis vor Kurzem nicht denkbar waren“, wie er ergänzt. Die Wohnverhältnisse können als höchst großzügig beschrieben werden, schließlich stehen rund 450 Quadratmeter Fläche auf mehreren Etagen zur Verfügung.

Warteliste für Luxus-Wohnungen
Andreas Ahlborn baut auch etwas weiter unten am Berg, in Halden. Dort entstehen sechs Appartements zu Preisen ab 1,5 bis über zwei Millionen Euro. An Kunden für die Luxus-Wohnungen mangelt es nicht. Sie sind längst alle verkauft. Die Superreichen stehen in Lochau Schlange. So gebe es regelrecht eine Warteliste. Verstärkt wird die große Nachfrage auch durch die politische Lage in Deutschland.

Ahlborn spricht von einer Unsicherheit, viele würden ihr Geld im Ausland anlegen wollen. Lochau spiele längst in einer Top-Liga mit, wobei es bei den Preisen auch noch Luft nach oben gebe. „Mit 13.000 bis 15.000 Euro pro Quadratmeter für eine Immobilie ist der Bodensee noch unterbewertet“, sagt er. Wobei eines für sein Klientel klar sei: „Lieber eine Million mehr, aber dafür in der ersten Reihe.” Die unverbaubare Seesicht hat ihren Preis. Auch weil Grundstücke rar sind und wohl auch von der Gemeinde nichts mehr umgewidmet werde. Der Fokus liegt auf bestehenden Flächen und Bestands-Immobilien.

Mit dem politischen Wechsel in der Gemeindestube nach den Wahlen im Vorjahr gibt es Gegenwind für den Bauboom in Bestlage. Dem Grünen-Bürgermeister Frank Matt waren Zweitwohnsitze und der große Leerstand schon zu Oppositionszeiten ein Dorn im Auge. Am Pfänderhang seien zwar nur Hauptwohnsitze erlaubt, aber eine Kontrolle schwer möglich. Hinter den Kullissen wird mit harten Bandagen um die Bauvorhaben gekämpft. „Es würde jedenfalls sehr viel mehr gebaut werden, wenn wir nicht dagegenhalten“, sagt Matt im Gespräch mit den VN.
Gesetzesänderung gefordert
„In Lochau ist jede vierte oder fünfte Wohnung nicht im Hauptwohnsitz.“ Eine Entwicklung, die dem Ortschef Sorge bereitet. Gemeinsam mit Bürgermeistern aus der Region habe man sich für eine Änderung der Gesetzgebung ausgesprochen. Zweitwohnsitz soll stärker besteuert werden, dem Leerstand und den Geisterblöcken der Kampf angesagt werden.
Am Lochauer Pfänderhang werden derweil dennoch Bagger auffahren. Für Superreiche ist Lochau das neue Mallorca, mit einem hervorragenden gastronomischen und kulturellen Angebot, wie Immobilienentwickler Ahlborn befindet.
