DuALPlus: Image der Lehre wird aufpoliert

Vorarlberg / 28.09.2021 • 16:54 Uhr
Die Lehrlinge Ali Duran und Natalie Tschofen haben die innovativen Bildungsformen im Rahmen des Projekts DuALPlus mitentwickelt. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Die Lehrlinge Ali Duran und Natalie Tschofen haben die innovativen Bildungsformen im Rahmen des Projekts DuALPlus mitentwickelt. VN/JUN

Ergebnisse des Projekts DuALPlus wurden im Poly Montafon vorgestellt.

Bartholomäberg Wie kann die Attraktivität und die Qualität der Lehrberufe in Vorarlberg gesteigert werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich in den letzten drei Jahren das Projekt DuALPlus. Nun wurden in der Polytechnischen Schule Montafon die Ergebnisse vorgestellt.

Beim alpenweiten Projekt DuALPlus, an dem unter der Leitung der Regionalentwicklung Vorarlberg neun Organisationen aus acht Regionen von Frankreich bis Slowenien beteiligt waren, wurden Maßnahmen und Angebote für Schüler und Unternehmen entwickelt, um die duale Ausbildung attraktiver zu machen. In Vorarlberg gab es drei Pilotregionen, die bei diesem Projekt mitgemacht haben: Lustenau, Bregenz und das Montafon. Was konkret entwickelt wurde, präsentierten die Verantwortlichen – Soziologin der Stadt Bregenz, Jasmin Dreher, Direktor des Poly Montafon, Martin Pögler, und Projektentwickler Markus Gamon – am vergangenen Donnerstag.

Mehr Werbung für die Lehre

Dabei hatte jede Gemeinde/Region ihren eigenen Schwerpunkt. Da Lustenau mit der starken Konkurrenz des Schweizer Arbeitsmarktes zu kämpfen hat, will das Lustenauer Stadtmarketing die Lehre vor Ort mehr stärken und Lehrstellen, Aktivitäten und Veranstaltungen mithilfe einer ganzheitlichen Kampagne bewerben. Die Lustenauer Unternehmen müssen besser auf dem Markt positioniert werden, um potenzielle neue Auszubildende anzusprechen.

In Bregenz ging es um eine bessere Vermittlung der Jugendlichen an die Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Viele wollen zwar einen Ausbildungsplatz, bekommen aber keinen, da die KMU kaum Kapazitäten für eine Ausbildung haben und die Jugendlichen nicht alle geforderten Kompetenzen mitbringen. „Da müssen wir lokal agieren und die Betriebe an die Hand nehmen“, so Jasmin Dreher. Doch auch die Jugendlichen selbst brauchen einen Support von außen.

Große Betriebe sind omnipräsent

Ein weiteres Problem, wie Marion Maier von der projektausführenden Firma Telesis feststellt: „Die großen Betriebe sind beliebt bei den Jugendlichen.“ Die Firmen stellen sich vor Ort vor, hängen Plakate auf, sind auf Lehrlingsplattformen aktiv, sodass sich die Jugendlichen nur auf die Großbetriebe konzentrieren und dabei die vielen Klein- und Mittelbetriebe übersehen. Ein Unternehmer hätte mal zu ihr gesagt: „Die Großbetriebe schöpfen die guten Lehrlinge ab und wir bekommen den Rest.“ Um die Vernetzung zwischen Betriebe und Schülern zu verbessern, die Betriebe vor Ort zu unterstützen und die Jugendlichen bei ihrer Lehre zu begleiten, wurde in Bregenz eine Lobby gegründet.

Viele Pfade führen zum Ziel

Im Montafon widmete man sich den innovativen Bildungsformen. Martin Pögler stellte den Ausbildungskompass vor, der digital abrufbar ist. „Wir haben 40 Webseiten gefunden, auf denen steht, was man alles tun könnte“, bemängelte er die Informationsflut im Internet. In Kleingruppen, bestehend aus Lehrern, Schülern und Lehrlingen, habe man mögliche Ausbildungspfade erstellt, die in einem Wabensystem gebündelt wurden.

„Das Poly ist kein Karrierehemmer mehr. Man kann auch danach noch Matura machen.“

Martin Pögler, Direktor Poly Montafon

„Die Lehre hat ein schlechtes Image“, weiß der Direktor. Eine Einbahnstraße gebe es aber schon lange nicht mehr. Nach der Lehre kann es in verschiedene Richtungen weitergehen. „Das Poly ist kein Karrierehemmer mehr. Man kann auch danach noch Matura machen, nur das wissen die meisten Eltern nicht“, klärte Pögler auf.

Schnuppertage sind wichtig

Das zweite Modul, mit dem sich die Montafoner beschäftigt haben, ist der Schnuppertag. „Dieser Tag ist für die Schüler ganz wichtig und entscheidet, ob sie dableiben oder nicht“, so Elke Martin, Jugendkoordinatorin des Montafons. Daher gibt es einen Folder für Unternehmen, wie sie den Schnuppertag für Schüler interessant und abwechslungsreich gestalten können.

In Kleingruppen hat man zudem ein Weiterbildungssystem mit fünf Modulen entwickelt, die 18 Ausbildungstage umfassen. „Klein- und Mittelbetriebe tun sich schwer, etwas auf die Beine zu stellen. Wir schnüren für sie ein Aus- und Weiterbildungspaket“, sagte Pögler. Zum einen lernen die Azubis, wie man richtig lernt, Zeit- und Zielmanagement, (angewandte) Mathematik, mentales Training, ganzheitliches Denken und Handeln und Kommunikation. Darüber hinaus lernt man beim Wirtschaftsplanspiel, wie man als imaginäre Firma ein Produkt plant, kalkuliert, herstellt und vermarktet. VN-JUN