Projekt Tiefenschärfe: Der Rhein und seine Mitbringsel

Der Rhein trägt nicht nur Sand und Gestein in den Bodensee.
Bregenz Eine der größten Bedrohungen des Bodensees ist gleichzeitig sein Lebensquell: Der Alpenrhein trägt jedes Jahr rund drei Millionen Kubikmeter Feststoffe in den Bodensee. Das Gros davon machen Feinsand und Schlamm aus, doch auch Sand und Gestein. Jährlich werden zwischen 50.000 und 100.000 Kubikmeter Geschiebe der Rheinmündung entnommen und der Bauindustrie zugeführt, um ein Versanden des Binnensees zu verhindern.


Andere Inhaltsstoffe des Wassers sind weniger sichtbar für den Beobachter. Phosphor ist ein wichtiger Nährstoff für Algen und Pflanzen und hat daher direkten Einfluss auf den Fischbestand. Durch ungereinigtes Abwasser stieg dieser ab den 1950ern stark an. Aus Sicht der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) ist der Bodensee von Natur aus ein nährstoffarmer Alpensee und sollte geringes Algenwachstum haben, um den Sauerstoffgehalt in tiefen Wasserlagen zu sichern. Durch den Bau entsprechender Kläranlagen habe man seit 2006 wieder einen ökologisch guten Zustand erreicht. Das wirkt sich natürlich auf den Fischbestand aus, klagt mancher Berufsfischer. Für die IGKB ist es aber zu vereinfacht, dies nur am Phosphor festzumachen.

Doch auch der Klimawandel hat einen Einfluss auf die Phosphorverteilung im See, warnt die IGKB. Durch die Erwärmung bremst sich der Austausch zwischen Oberflächenwasser und die unteren Schichten ab. Der tiefe See wird dadurch phosphorreicher und sauerstoffärmer. Dies hat bereits Folgen auf die Tiere im See: Spezialisten wie die Äsche werden immer seltener. Auch der Tiefensaibling und die Blaufelchen kämpfen mit den Umständen, während Welse profitieren. Und Neozoen wie die Quaggamuschel verändern den See und seine Nahrungsketten nachhaltig.