Digitale Fallstricke des Virus

Roberto Simanowski im TaS über Schattenseiten der Digitalisierung.
Feldkirch „Das Virus und das Digitale“ ist nicht nur das neueste Taschenbuch von Roberto Simanowski, sondern auch die Tiefenanalyse einer Pandemie: Welche Folgen hat die Pandemie langfristig, auch über das aktuelle Infektionsgeschehen hinaus? Das Virus wird als Hefe der Digitalisierung betrachtet und die Frage aufgeworfen, ob wirklich jegliche Form der Digitalisierung wünschens- und erstrebenswert ist.
Digital die neue Normalität?
Als sinnvoll nannte Simanowski zum Beispiel eine Digitalisierung der Verwaltung und der Gesundheitsämter. Dagegen werden Homeoffice, Fernunterricht, Onlineshopping und Videostreaming aus kritischem Blickwinkel betrachtet. Die Fragestellung müsse sowohl „Was kann ich mit neuen Medien machen?“ als auch „Was machen die Neuen Medien mit uns?“ lauten. Wenn Digitale Bildung als Long-Covid-Folge nur deshalb erhalten bleibt, um Raumkosten und Ausgaben für den Präsenzunterricht zu sparen, gehe die Entwicklung in die falsche Richtung. Die App solle nicht die Lehrkraft ersetzen. „Wir brauchen nicht digitales Lernen, sondern soziales Lernen mit digitalen Mitteln“, lautet Simanowskis Fazit. Zugleich gelte es, einer durch soziale Medien beförderten Infodemie und einer lediglich punktuellen „Halbbildung 2.0“ aktiv entgegenzuwirken.
Als Obmann des Theaters am Saumarkt stellte Peter Bilger den vielfach ausgezeichneten Autor und Wissenschaftler vor und führte ebenso in die Brisanz des Vortragsthemas ein: Geschlossene Grenzen und ein omnipräsenter Staat, der massiv in Grundrechte eingriff, verbunden mit dem „Brandbeschleuniger“ der Digitalisierung führten zu einer Krise der Demokratie. Im Anschluss wurde rege mit dem Publikum diskutiert.
Roberto Simanowski ist Kultur- und Medienwissenschaftler sowie Publizist und seit 2020 Distinguished Fellow of Global Literary Studies im Excellence-Cluster „Temporal Communities“ an der Freien Universität Berlin. Für sein Buch „Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz“ wurde er 2020 mit dem Tractatus-Preis des Philosophicums Lech ausgezeichnet. HE