Atomkraftwerk Beznau wieder am Netz

Rückkehr zum Normalbetrieb nach Revision. Grüne empört.
Döttingen Im August stand Block zwei des Akw Beznau still. Er wurde für eine Revision heruntergefahren und gewartet, Brennelemente wurden gewechselt. Das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) erteilte daraufhin wieder Grünes Licht für den 50 Jahre alten Block: „Es ergaben sich keine Hinweise, die einen sicheren Leistungsbetrieb in Frage stellen.“ Die Grünen sind empört: Der Uraltmeiler Beznau, nur 110 km von Vorarlberg entfernt, müsse sofort abgeschaltet werden, fordert Anti-Atomsprecher Martin Litschauer. „Materialschäden, Überschwemmungsgefahr: Was braucht es noch, damit die Gefahr endlich ernst genommen wird?“
Aktuell sind in der Schweiz vier Atomreaktoren in Betrieb. Die zwei in Beznau wurden 1969 und 1971 errichtet. Das macht sie zum ältesten noch laufenden AKW der Welt. Eine gesetzliche Laufzeitbeschränkung gibt es nicht, solange die Sicherheitsbestimmungen erfüllt sind. Die Grünen zweifeln allerdings am Urteil des ENSI. „Das AKW-Beznau ist uralt, das Material ermüdet und der Standort stark erosionsgefährdet“, sagt Litschauer. Tatsächlich wurden 2015 bei Ultraschallmessungen im Block 1 hunderte Schwachstellen entdeckt. Auch die Umweltschutzorganisation Global 2000 macht auf Materialschäden aufmerksam. 2017 stimmte das Schweizer Volk dafür, keine neuen Atomkraftwerke mehr zu bauen. Der AKW-Betrieb verwundert Litschauer daher umso mehr: „Die Schweiz hat sich mittelfristig für den Atomausstieg entschieden. Wieso das Risiko weiterhin eingehen?“