Wie Corona den digitalen Unterricht in der Volksschule revolutioniert hat

Vorarlberg / 01.09.2021 • 05:00 Uhr
Wie Corona den digitalen Unterricht in der Volksschule revolutioniert hat
Leonie Dreher-Simma hilft Volksschulen beim digitalen Start. Alle Bilder: VN/RAuch

VN-Schulserie (3/12): Vor Corona waren viele Volksschulen gegenüber der Technik skeptisch. Nun entdecken sie die Möglichkeiten für sich.

Dornbirn Im Mutterschiff nahe dem Campus der FH Vorarlberg folgen käferförmige Roboter bunt gemalten Spuren. Ihre größeren Cousins lassen sich per Tasten programmieren. Neben ihnen warten Tablets auf ihren Einsatz in der Volksschule. Leonie Dreher-Simma unterrichtet selbst an der Volksschule, gleichzeitig begleitet sie im Rahmen der Digitalen Schulentwicklung Volksschulen in ganz Vorarlberg. Vor Corona war hier oft die bewusste Entscheidung, die digitalen Möglichkeiten zu ignorieren statt für den Unterricht einzusetzen. “Es hat ganz wenige gegeben, die probiert haben”, erinnert sich die 38-jährige Pädagogin und Mutter. “Corona hat das ganze auf den Kopf gestellt, plötzlich musste man.”

Die Coronapandemie war zweifellos ein Verstärker für alle Bemühungen rund um die Digitalisierung in den Schulen. Zum Schulbeginn diesen Herbst sind alle Sekundarschulen, sprich Mittelschulen und Gymnasien, mit Wlan ausgestattet. Um die erwartete Mehrnutzung in den Klassen aufzufangen, habe man die Infrastruktur verstärkt, erklärt Martin Hartmann von der Bildungsdirektion. Hinzu kommt die Ausgabe von Laptops und Tablets durch die Geräte-Initiative für Erstklässler: Allein an Schüler werden 7300 Geräte ausgegeben. Dies entspreche 100 Prozent der AHS, 85 Prozent der Mittelschulen und 60 Prozent der Sonderschulen – ein unerwartet gutes Ergebnis, da Vorarlberg im Gegensatz zu anderen Bundesländern rein auf Freiwilligkeit setzte. Die Volksschulen werden selten erwähnt. Und auch an den Volksschulen und der Lehrerbildung habe sich im Land viel getan, im Rahmen der Möglichkeiten.

Diese Käfer helfen Kindern, einfache Programmierschritte anzuwenden. Der Kleine folgt farbigen Linien, der große lässt sich über die Tasten lenken.
Diese Käfer helfen Kindern, einfache Programmierschritte anzuwenden. Der Kleine folgt farbigen Linien, der große lässt sich über die Tasten lenken.

Allein im letzten Jahr war Dreher-Simma an über 60 Schulen, um diese zu beraten und Schulungen anzubieten. Denn nun stellt sich die Frage, wie es nun an den Schulen mit den digitalen Möglichkeiten weitergehen kann, will und soll. “Wir können nicht so tun, als ob digitale Endgeräte nicht da wären. Wir wissen einfach, dass Volksschulkinder Zugang zu ihnen haben. 80 Prozent haben am Ende der Volksschule ihre eigenen internetfähigen Smartphones”, kratzt sie am Elfenbeinturm. “Umso wichtiger ist es, ihnen zu zeigen, wie man es so nutzen kann, dass es die Kinder weiter bringt.” Hinzu kommt die Notwendigkeit, die Kinder im sicheren Umgang mit dem Internet zu schulen und Vertrauen zu schaffen. “Wenn ich es nur verbiete, wenn ich sage ‘Das hat in der Volksschule nichts zu suchen, dann kommen sie nicht und sind sie auf sich allein gestellt”, warnt die Expertin. Vor allem Kettenbriefe und Cybermobbing sind Themen in der Volksschule.

Dabei sind die technischen Geräte statt Spielereien vor allem ergänzende, aber selbstverständliche Hilfsmittel neben den klassischen Heften. “Ich hab mir die Mühe gemacht, die Lehrpläne durchzuarbeiten. Die Kompetenzen, die wir so fördern wollen, kommen schon im Vorschullehrplan wortgleich vor”, war selbst Dreher-Simma überrascht. Die Möglichkeiten sind endlos: Roboter bauen und programmieren hilft beim logischen und mathematischen Denken. Lernspiele und Apps helfen mit raschem Feedback. Und für die nachfolgende Klasse erklären, wie man dividiert, steigert den Stolz auf erbrachte Leistungen und zeigt nebenbei, welcher Schüler es wirklich verstanden hat. Möglichkeiten gibt es vom Sachunterricht über Deutsch und Mathematik bis zum Werkunterricht.

Es geht auch analog: Bücher und Karten stellen Knobelrätsel dar, die einerseits logisches Denken, aber auch Mathematik und Programmfunktionen näherbringen.
Es geht auch analog: Bücher und Karten stellen Knobelrätsel dar, die einerseits logisches Denken, aber auch Mathematik und Programmfunktionen näherbringen.

Wichtig ist hier auch die entsprechende Begleitung durch die Lehrkraft. Gleichzeitig bewegt man sich oft noch im leeren Raum, was sich auch in der Nachfrage nach Beratung widerspiegelt. Mit Projekten wie “Denken lernen, Probleme lösen” gibt es einfache und spielerische Angebote für Lehrer, unterstützt von externen Partnern, die auch jenen ohne Vorkenntnisse nützen.