Wunsch nach mehr Kontrollmöglichkeiten bei Zweitwohnsitzen in Brand

Baustopp für Investorenmodelle wäre möglich, klarer definierte Auflagen für Investoren sollen im REP verankert werden.
Brand Jede Gemeinde steht vor dem gleichen Problem – den Investorenmodellen und die daraus entstehende Angst der Zweitwohnsitze. Keiner will sie und doch lassen sich diese schwer vermeiden. Der Baustopp in Lech zieht bereits weite Kreise nach sich. In Schruns zieht man einen Baustopp ebenfalls in Erwägung wie auch in Brand. In der letzten Gemeindevertretungssitzung in Brand war das geplante Kontour-Hotel Auslöser einer Diskussion über die Frage, ob und wie viele Investorenmodelle Brand verträgt.
40 Appartements am Ortseingang
Die Geschäftsführer von A-Appartements Marion Greber und Michael Beck stellten das geplante Investorenprojekt „Ski- und Golfresort“ des niederländischen Trägers Kontour sowie den Betreibervertrag durch A-Appartements Anfang des Jahres auf der Gemeindevertretungssitzung vor. 40 Appartements sind am Ortseingang von Brand geplant. Nun ging es um die gestalterischen Aspekte dieses Hotels. Dem Landesgestaltungsbeirat wurden verschiedene Modelle präsentiert, Streitpunkt ist aber noch die Höhe (Erdgeschoss plus vier oder Erdgeschoss plus drei Etagen). Ein größerer Vorplatz, ein quadratischer Turm und ein längsseitiger Kubus parallel zur Straße seien geplant.
Nicht alle Gemeindevertreter sind begeistert vom Hotelprojekt „Kontour“, wie zum Beispiel Edi Meyer vom Hotel Valavier, der dieses Investorenmodell als „Katastrophe“ für Brand bezeichnet. Das Problem sei die „nicht sachgemäße Nutzung von Wohnungen“ und die Angst vor Zweitwohnsitzen, eine Meinung, die alle Gemeindevertreter teilen. Ungeachtet des neuen Hotelprojektes soll der Räumliche Entwicklungsplan (REP) dahingehend geändert werden, dass eine klare Formulierung die Zweitwohnsitze verhindern soll. Die Formulierung im REP beträfe nur neue Widmungen. So sollen künftig nur noch Flächen umgewidmet werden, die entweder zur Vermietung an ständig wechselnde Gäste dienen oder als Hauptwohnsitz genutzt werden. Eine Umwidmung soll zudem auf sieben Jahre befristet werden, in dieser Zeit muss man also gebaut haben. Die Gemeinde will einen Weiterverkauf an Investoren so schwierig wie möglich machen und mehr Kontrollmöglichkeiten an die Hand bekommen, in Fällen, bei denen der Verdacht einer nicht sachgemäßen Nutzung der Wohnung besteht.
Zu wenig Kontrolle
„Wir brauchen Unterstützung von der Landesregierung, wie wir als Gemeinde gegen Investorenmodelle vorgehen können“, fordert Bürgermeister Klaus Bitschi. Denn momentan hätte eine Gemeinde zu wenige Kontrollmöglichkeiten. „Mehr Kontrolle bei der Gemeinde wäre besser“, wünscht sich Bitschi eine Novellierung des REP. Im REP müsste zudem die Nutzung einer Wohnung klarer definiert werden. „Bei bereits gewidmeten Flächen hast du keine Handhabe mehr.“ Wenn eine gewerblich genutzte Wohnung nach zehn oder 15 Jahren verkauft oder vererbt wird, seien ihm die Hände gebunden. „Eine Parifizierung kann ich nicht verhindern.“ Dann könnten die neuen Eigentümer mit der Wohnung machen, was sie wollen.
„Wir möchten Projekte mit nachhaltiger Wertschöpfung und keine Appartementbuden.“
Klaus Bitschi, Bürgermeister von Brand
Klar definierte Auflagen
Christoph Bitschi (FPÖ-Obmann) glaubt nicht daran, dass die Gemeinde es schafft, die Zweitwohnsitze zu kontrollieren: „Wenn uns das um die Ohren fliegt, haben wir Schwierigkeiten.“ Man müsse die Investorenwohnungen mit klar definierten Auflagen eindämmen, zum Beispiel, dass die Eigentümer selbst nur maximal drei Wochen am Stück und nicht mehr als sechs Wochen im Jahr in ihrem Appartement Urlaub machen dürfen. Dieser Meinung ist auch Bürgermeister Klaus Bitschi, gibt aber auch zu bedenken, dass die Gemeinde aus Zeitgründen nicht jedem Verdacht nachgehen könne. Bereits jetzt gäbe es 30 bis 50 Fälle in Brand, bei denen keine sachgemäße Nutzung stattfindet. In Lech hätte es bereits Anzeigen diesbezüglich gehagelt, berichtet Christoph Bitschi.
Eine Entscheidung zur Umwidmung bezüglich der Kontour-Flächen ist an diesem Abend nicht gefallen. Man hätte noch sechs Monate Zeit, sich zu entscheiden. Klaus Bitschi schlug vor, einen zweijährigen Baustopp wie in Lech zu verhängen. „Ich könnte einem Baustopp schon etwas abgewinnen“, so der Gemeindechef. Martin Meyer will lieber ein kontrolliertes Wachsen von gewerblichen Betten anstatt eines Baustopps. Auch Christoph Bitschi weiß nicht, ob er bei einem Baustopp mitgehen könne.
Grundstücke unbezahlbar
„Am besten wären familiär geführte Hotelbetriebe, aber das macht ja heutzutage keiner mehr“, weiß Klaus Bitschi. Das Ziel sei, in den nächsten fünf bis zehn Jahren circa 500 Gästebetten dazuzugewinnen. Dahingehend müsse man eine Bauverordnung für „weiche Betten“ erlassen. „Wir möchten Projekte mit einer nachhaltigen Wertschöpfung und keine Appartementbuden, in denen dreimal im Jahr das Licht angeht. Das ist nicht nachhaltig.“ Die Gemeinde Brand lebt zu 70 bis 80 Prozent vom Tourismus. Bei 750 Einwohnern stehen 2100 Gästebetten zur Verfügung. Es bringe der Gemeinde aber nichts, wenn die Betten nur drei Wochen im Jahr belegt seien. „In den letzten Jahren haben die Zweitwohnsitze überhandgenommen. Corona war hier wie ein Brennglas“, erzählt Bitschi. Bauland für weitere Hotels sei zwar vorhanden, aber der Quadratmeterpreis zu hoch. „Für Einheimische ist ein Grundstück unbezahlbar“, weiß Bitschi. Und der Wohnraum, der vorhanden wäre, werde von den illegalen Zweitwohnsitzen blockiert.