Mitfahrbänkle für das Große Walsertal

Energiemanager Andreas Bertel setzt neue Akzente in Sachen umweltfreundliche Mobilität.
Sonntag Im Rahmen des heuer stattfindenden Festivals Walserherbst präsentiert Andreas Bertel, Energiemanager im Biosphärenpark Großes Walsertal, die aktuellen Mobilitätsschwerpunkte in der Region. Neben einer groß angelegten Mobilitätsbefragung werden auch die Projekte „Nachtbus“ und „Mitfahrbänkle“ vorgestellt. Andreas Bertel ist es ein Anliegen, dass die Bevölkerung regen Anteil an diesen Projekten nimmt, damit sie auch längerfristig umgesetzt werden können.
In Sachen Klimaschutz ist das Große Walsertal schon sehr lange aktiv. Wie lange beschäftigt sich die Region schon mit dem Thema?
Bertel Mit der Anerkennung als Unesco-Biosphärenpark im Jahr 2000 und dem Beitritt zum e5-Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden im Jahr 2001 wurden schon sehr früh die Weichen in Richtung einer klimaverträglichen und zukunftsorientierten Entwicklung gesetzt. Mit dem Förderprogramm der Klima- und Energiemodellregionen wurde der Wichtigkeit des Themas Klimaschutz noch weitere Bedeutung gegeben. Seit 2009 ist das Große Walsertal eine von 105 Klima- und Energiemodellregionen in Österreich.
Welche Ziele hat sich die Region langfristig gesetzt?
Bertel Ein erklärtes Ziel der Region ist es, den Energiebedarf im Tal maximal zu reduzieren und gleichzeitig nachwachsende Rohstoffe in einem solchen Umfang zu nutzen, dass sich das Große Walsertal bis 2030 zu 100 Prozent energieautonom versorgen kann.
Gerade im Bereich der Mobilität liegen noch große Herausforderungen vor dem Großen Walsertal. Welche Ziele verfolgen Sie im Themenbereich Mobilität?
Bertel Aufgrund der topografischen Lage des Großen Walsertals, des hohen Anteils an Pendlern und der sehr oft verstreut liegenden Gebäude und Weiler, liegt der Anteil an Individualverkehr aktuell auf einem sehr hohen Niveau. Ziel muss es meiner Meinung nach sein, die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs und der alternativen Mobilitätformen deutlich zu erhöhen. Nur so lassen sich das Verkehrsaufkommen und damit auch die CO2-Emissionen reduzieren. Neben Vorteilen für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel kann durch die Transformation des Mobilitätsverhaltens auch der Lebensraum aufgewertet werden. Auch neue Arbeitsmodelle wie beispielsweise Homeoffice können zu einer positiven Entwicklung beitragen.
Diesen Sommer wurde im Großen Walsertal eine Mobilitätsbefragung durchgeführt. Was beinhaltet diese?
Bertel Im Sommer 2021 wurde im Großen Walsertal ein Planungsprozess angestoßen, um die Mobilitätsbedürfnisse der Bewohner zu erheben. Dabei wurde die Bevölkerung eingeladen, sich an einer Mobilitätsbefragung aktiv zu beteiligen und konkrete Ideen und Wünsche einzubringen. Die ersten Zwischenergebnisse aus dieser Befragung werden nun am Donnerstag, 9. September, um 19 Uhr in der Walserhalle Raggal vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen sollen konkrete Maßnahmen im Mobilitätsbereich abgeleitet und vorangetrieben werden.
Im Rahmen des Walserherbstes wird ein Nachtbus getestet. Was steckt dahinter und wann fährt dieser Bus?
Bertel Neben den bestehenden Öffi-Angeboten wird im Rahmen des Walserherbstes vom 20. August bis 12. September ein öffentlicher Nachtbus über drei Wochen getestet. Die zusätzliche Linie fährt von Raggal (Walserhalle ab 22.20 Uhr) über Garsella zum Bahnhof Ludesch (Ankunft 23.08 Uhr) und anschließend auf gleichem Wege wieder zurück ins Tal (Rückfahrt Bahnhof Ludesch um 23.20 Uhr). Das ist ein tolles Angebot für alle, die auch gerne zu späterer Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein möchten. Gleichzeitig werden außerdem Mitfahrbänkle – die moderne Art des Stoppens – in mehreren Gemeinden errichtet.
Das „Mitfahrbänkle“ ist eine sehr spannende Projektidee. Wie sieht die Umsetzung konkret aus?
Bertel Um beispielsweise die hinteren Ortschaften im Walsertal zu erreichen, werden bestehende Bushaltestellen zu Mitfahrbänken aufgewertet. Angelehnt an die alte Tradition des „Autostoppens“ wird mittels einer angebrachten gelben Schwenkfahne der Wunsch zum Mitfahren geäußert. Wer bei einem Mitfahrbänkle die gelbe Schwenkfahne aufgezogen hat, signalisiert: „Ich möchte gerne mitgenommen werden.“ Mitfahrbänkle befinden sich in Thüringerberg, St. Gerold, Blons, Raggal, Garsella, Sonntag und Fontanella.
Können im Rahmen des Walserherbstes die öffentlichen Verkehrsmittel gratis benützt werden?
Bertel Die Walserherbst-Besucher reisen heuer mit den Veranstaltertickets von Vmobil aus ganz Vorarlberg gratis an.
Was dürfen sich die Besucher von der Veranstaltung „Mobilitätslabor“ erwarten?
Bertel Bei der Veranstaltung „Mobilitätslabor“ am Freitag, 10. September, um 19 Uhr in der Walserhalle Raggal wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion über visionäre Mobilitätsthemen und Möglichkeiten einer Transformation gesprochen. BI
Zur Person
Andreas Bertel
Geboren 1. Mai 1979
Wohnort Raggal
Familie Frau Roswitha, Kinder Samuel (5) und Luisa (3)l
Beruflicher Werdegang Von der Technik (Maschinenbau, Monteur), über Projektentwicklung, hin zu Begleitung und Beratung von Gemeinden & Regionen im Klimaschutzbereich
Hobbys Zeit mit der Familie verbringen, Brot im Holzofen backen, Garten und 5 Sumtaler-Rassehühner