Fotograf Nikolaus Walter: „Habe Dinge fotografiert, die keiner sehen wollte“

Vorarlberg / 22.08.2021 • 17:05 Uhr
Der Fotograf Nikolaus Walter stellt im Rahmen des Walserherbstes unter dem Titel „Schlussverkauf“ Werke aus Vorarlberger Textilfabriken aus.<span class="copyright">HAB</span>
Der Fotograf Nikolaus Walter stellt im Rahmen des Walserherbstes unter dem Titel „Schlussverkauf“ Werke aus Vorarlberger Textilfabriken aus.HAB

Walserherbst: Fotograf Nikolaus Walter stellt Schwarz-Weiß-Fotos in Blons aus.

Blons Das Kulturfestival für zeitgenössische Kunst und Kultur im Biosphärenpark Großes Walsertal ist drei Spätsommerwochen lang die Bühne für die unterschiedlichsten Genres: Musik und Literatur, Theater und Performance, europäisches Autorenkino und Fotografie, Kulinarik und Kunsthandwerk. Und damit ist es auch die richtige Bühne für den Fotografen Nikolaus Walter. Seit über 50 Jahren begleitet Nikolaus Walter fast auf der ganzen Welt Menschen und Situationen mit der Kamera. Die Ausstellung „Schlussverkauf“ im Musikraum in Blons zeigt u.a. Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Vorarlberger Textilbetrieben Mitte der 1980er Jahre, Bilder mit den betroffenen Gesichtern der Textilangestellten, die ihre Kündigung erhalten haben, weil ihre Firma insolvent wurde.

Warum sind Sie Fotograf geworden, was ist für Sie das Besondere an Ihrem Beruf?

Walter Eigentlich ist mir nichts anderes eingefallen. Ich studierte an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und kam so zur Fotografie, die mir von Anfang an gefiel. Meine erste große Arbeit war dann in Kanada am „Cowboy“. Das Großartige an der Fotografie ist, dass man die Freiheit genießen kann, wenn man auf einem gewissen Level angekommen ist.

Ist die Fotografie Berufung oder ist das ein ganz normaler Job?

Walter Ich bin Fotograf. Einerseits ist es ein Job, aber andererseits auch, wenn man so will, eine Berufung. Ich habe auch Sachen fotografiert, die eigentlich niemand sehen wollte, wie zum Beispiel die Fabrikarbeit mit ihren negativen Seiten.

Interessant ist, dass Sie eigentlich hauptsächlich in Schwarz-Weiß Menschen in Lebens(schräg)lagen fotografieren, aber dann doch mit dem Bild „Platanen“ 2014 in ein Farbenmeer eintauchten. Warum?

Walter Es ist eigentlich einfach: Ob ich mich für Schwarz-Weiß oder Farbe entscheide, hängt vom Thema ab. Manche Sachen kann man intensiver in Schwarz-Weiß darstellen, andere Themen können mit Farbe stärker ausgedrückt werden, wie zum Beispiel die „Platanen“.

Was macht ein Bild für Sie zu einem guten Foto?

Walter Es freut mich, wenn bei den Betrachtern meiner Bilder Emotionen entstehen und sie darüber mit mir reden wollen.

Welchen Weg raten Sie jungen Menschen, die heutzutage Fotograf werden wollen?

Walter Ganz einfach: Versuchen. Es stellt sich von selbst heraus, ob man für diesen Beruf oder für diese Herausforderung geeignet ist.

Warum Walserherbst?

Walter Vielleicht weil mein Urgroßvater auch Walser war? Ich habe Dietmar Nigsch vor Jahren bei einer meiner Ausstellungen in Thüringerberg kennengelernt, seither sind wir gut befreundet und so kam dann auch seine Einladung zum Walserherbst, wobei ich mein Thema selbst wählen konnte.

Ist das Fotografieren immer noch Ihr Traumberuf?

Walter Ich habe ein angenehmes Leben in Freiheit geführt, musste nie in einem kleinen Büro hocken, konnte viele Sachen machen, die mich interessiert haben und immer noch interessieren. Pension ist daher für mich kein Thema. HAB

zur Person

Nikolaus Walter

Geboren 3. April 1945 in Rankweil

Wohnort Feldkirch

Familie eine Tochter, lebt in einer Beziehung mit Irmgard

Beruflicher Werdegang Von 1964 bis 1967 besuchte er die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.

Hobby Fotografieren

Die Fotoausstellung „Schlussverkauf“ kann man sich vom 20. August bis 12. September, jeweils mittwochs bis sonntags, von 15 bis 19 Uhr im Musikraum in Blons ansehen. Am Samstag, 4. September, von 16 bis 18 Uhr gibt Nikolaus Walter eine Führung.