Große Differenz bei Todesfällen

Covid19: In den übrigen Bundesländern starben mehr Menschen als in Vorarlberg.
SCHWARZACH Gemessen an der Bevölkerung sind in Vorarlberg bisher etwas mehr Infektionen bestätigt worden als in ganz Österreich. Umso bemerkenswerter ist, dass hierzulande wesentlich weniger Menschen mit Corona gestorben sind: Die staatliche Gesundheitsagentur AGES weist für Vorarlberg 307 Todesfälle aus. Das entspricht einer Rate von 77 pro 100.000 Einwohner. Bundesweit handelt es sich um 10.561 bzw. eine Rate, die mit 118 um die Hälfte höher ist. In der Steiermark ist sie mit 168 sogar mehr als doppelt so groß wie in Vorarlberg.
Die Suche nach Erklärungen für diese Unterschiede führt zu Pflegeheimen. „Dort leben ja sozusagen definitionsgemäß Menschen mit einem erhöhten Covid19-Sterberisiko“, erklärt Markus Sauerberg von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: Also sei der Schutz dieser Menschen vor allem zu Beginn der Pandemie entscheidend gewesen.
In den Bundesländern ist dem unterschiedlich bzw. mit unterschiedlichem Erfolg Rechnung getragen worden. In einer parlamentarischen Anfrage ortete der Neos-Abgeordnete Gerald Locker „mangelhafte Schutzkonzepte“. Und zwar auch noch in der zweiten Infektionswelle: „So waren Mitte November rund 40 Prozent der an Covid19 verstorbenen Personen Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.“ Wie der Anfragebeantwortung von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) vom Juni zu entnehmen ist, traf es Heimbewohner in der Steiermark am Schlimmsten: Laut Mückstein starben allein in dem Bundesland bis zum Frühjahr 962 von ihnen mit einer bestätigen Infektion. Im dreimal kleineren Vorarlberg waren es zehn Mal weniger (99). Für ganz Österreich nannte der Minister 3807 Todesfälle unter Heimbewohnern.
Richtige Maßnahmen getroffen
Es gibt vielfältige Einflussfaktoren. Zum einen ist die Anzahl der Heimbewohner maßgebend. Sie ist in Vorarlberg relativ niedrig. Zum anderen spielen Maßnahmen eine Rolle, die ergriffen worden sind. „In Vorarlberg hat vieles rasch und durchgängig funktioniert“, ist der Public-Health-Experte Armin Fidler überzeugt, der das Land berät. Vor allem habe man auf warnende Beispiele reagiert, verweist Fidler auf Schweden, wo sich das Virus zunächst ungehindert in Alten- und Pflegeheimen ausbreiten konnte und vielen Menschen das Leben kostete, sowie auf Italien. Dortige Dramen seien auch darauf zurückzuführen gewesen, dass Patienten aus Spitälern ausgerechnet auf Pflegestationen verlegt worden seien, wo sie dann weitere Senioren angesteckt hätten. „Da war natürlich sehr viel Unwissen dabei“, so Fidler: „Das war der erste Monat der Pandemie“.
Schutzkonzepte für Heime sind nicht unproplematisch, wie Markus Sauerberg betont: „Die schwierige ethische Frage ist, wie sie ohne Isolation gelingen können.“ Immerhin aber gebe es mittlerweile Impfungen, mit denen dieses Dilemma „am besten gelöst werden könne“. Vor diesem Hintergrund sind die ersten Dosen denn auch den Ältesten verabreicht worden. Heute weiß man laut Fidler, dass das geholfen hat, die Lage zu entspannen. JOH
„In Vorarlbergs Alten- und Pflegeheimen hat vieles rasch und durchgängig funktioniert.“
