Gämse in Möggers haben Fans und Gegner

Lokale Jägergemeinschaft will sie abschießen, Hörbranzer Kollege möchte sie lebend.
MÖGGERS, HÖRBRANZ Der erfahrene Jäger aus Hörbranz möchte nicht öffentlich genannt werden. Sehr wohl möchte er öffentlich ein Anliegen loswerden. „Ich verstehe nicht, warum man im Jagdgebiet Möggers behördlich den Abschuss von zwei Gämsen bewilligt, obwohl es dort keinen Stammbestand mehr gibt. Da werden dann einfach Tiere geschossen werden dürfen, die sich aus dem Grenzgebiet ins Revier begeben“, beklagt sich der Weidmann.
Gerade vor dem Hintergrund des Gamswildprojekts bringt er dafür überhaupt kein Verständnis für diese Abschussgenehmigung auf. „Wir hatten in Hörbranz und Möggers einmal einen Bestand von Gämsen. Damit ist es schon lange vorbei. Jetzt sollte man doch nicht gleich jene schießen, die einmal zu uns kommen“, argumentiert der Hörbranzer. Nachsatz: „Würde das nicht passieren, hätten wir wieder zwischen zehn und 15 Gämse hier. Das wäre doch schön.“ Der Jäger sieht sogar EU-Richtlinien verletzt.
Sie sind sich einig
Der zuständige Sachbearbeiter an der BH Bregenz, Michael Metzler, rechtfertigt die Abschussgenehmigung: „Wenn sich Pächter, Grundbesitzer und Waldaufseher darüber einig sind, gibt es für die Behörde keinen Grund, diese Abschüsse in genanntem Gebiet nicht zu genehmigen. Bei den Abschussverhandlungen kann überdies jeder seine Meinung einbringen und Einwände geltend machen. Aber das ist in diesem Fall nicht geschehen“, führt Metzler weiter aus.
Es gehe in Möggers auch nicht um eine Bestandsgefährdung. Weil es dort ja keinen Bestand an Gamswild mehr gibt. Die letzte Gams wurde dort im Jahr 2017 geschossen.
Derjenige, der sie geschossen hat ist Reinhard Rädler (48), Mitglied der Möggerer Öko-Jäger. Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen nicht, und er würde wieder welche schießen, sollte es die Situation erfordern. „Man muss schon wissen, dass die Gämse, die es früher hier tatsächlich gab, im Wald große Schäden anrichteten. Ich kann mich noch erinnern, wie mein Großvater sich immer bitter beklagte, wenn die Gämse den Jungwald verbissen. Das war in den 80er-Jahren“, erzählt Rädler.
Der Jäger weiß, dass sich derzeit zwei Gämse im Revier aufhalten. „Ich mache nicht speziell Jagd auf sie. Aber wenn es sich ergeben sollte, werde ich sie erlegen“, macht Rädler deutlich.
Das falsche Gebiet?
Wildbiologe Hubert Schatz sieht Gämse im Waldgebiet von Möggers am falschen Platz. „Gämse brauchen steiles Gelände, Felsen, freie Flächen auf großer Höhe. Sie sollten sich nicht dort ansiedeln, wo es das nicht gibt. Möggers übt auch keine Korridorfunktion aus für den genetischen Austausch.“
Schatz spricht vom Luchs, der sich in dem Gebiet womöglich ansiedelt. „Dann wären die Gämse ohnehin schnell weg.“ Am richtigen Ort sei das Wild hingegen in der Bregenzerachschlucht. „Dort finden sie ihre Lebensbedingungen vor. Es gibt dort auch schon welche.“ VN-HK