Helft dem Gamswild: Jägerschaft startet Projekt

Vorarlberg / 18.08.2021 • 05:00 Uhr
Helft dem Gamswild: Jägerschaft startet Projekt
Gämse gehören zur Idylle einer perfekten Bergwelt. In Vorarlberg müssen sie geschützt werden. Es läuft ein Projekt. Reiner

Der Lebensraum dieser edlen Tiere ist immer stärker bedroht. Experten suchen nach Lösungen.

Hohenems Das Gamswild gehört zu den illustrativen Klassikern einer heilen Vorarlberger Bergwelt. Wenn die behenden Kletterer stolz auf mächtigen Felsen posieren, ist das ein Augenschmaus für den menschlichen Betrachter.

Dabei sind es die Menschen, die den Gämsen das Leben schwer machen und sie in ihren natürlichen Verhaltensweisen bedrohen. Warum das? “Weil Menschen immer mehr in die Lebensräume der Tiere eindringen”, sagt Gernot Heigl (31), Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft und selbst Wildbiologe.

Gernot Heigl kümmert sich als Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft und als Wildbiologe natürlich auch ums Gamswild. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Gernot Heigl kümmert sich als Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft und als Wildbiologe natürlich auch ums Gamswild. VN/Lerch

Flucht in den Schutzwald

Heigl wird konkret: “Menschen fahren mit E-Bikes in Regionen, die sie sonst nicht erreichen würden. Sie campieren sogar in den Wohnzimmern der Wildtiere. Und dann gibt es auch noch Paragleiter, die hoch vom Himmel nach unten fliegen und Gämse in Panik versetzen.” Die Folge davon: Die Tiere fühlen sich in “ihren” Regionen oberhalb der Baumgrenze nicht mehr wohl und flüchten nach unten in die Wälder. Weil es bei diesen oft um Schutzwälder handelt und Verbisse vorkommen, werden sie intensiv bejagt.

Wenn die Tiere oben gestört werden, fliehen sie nach unten in die Schutzwälder. Dort kommt es zu Verbissen.”

Gernot Heigl, Wildbiologe

Störung des Brunftgeschehens

Die veränderten Lebensbedingungen lassen dann auch die Brunft außer Kontrolle geraten. Junge Böcke dominieren das Geschehen, bringen das gewöhnlich geordnete Treiben durcheinander, reiben sich in Rivalenkämpfen auf. Die alten Böcke werden zurückgedrängt, nicht mehr alle Geißen beschlagen, die Jungen kommen später auf die Welt. Die Probleme entstehen auch durch die zu hohen Entnahmen in den sensiblen Waldgebieten. “Es entsteht ein Populationsungleichgewicht”, erklärt Gernot Heigl.

Der Wald ist der Ort, wo Gämse nicht so gerne gesehen sind. Vor allem nicht im Schutzwald, wo sie für Verbisse sorgen. <span class="copyright">Reiner</span>
Der Wald ist der Ort, wo Gämse nicht so gerne gesehen sind. Vor allem nicht im Schutzwald, wo sie für Verbisse sorgen. Reiner

Modellregion Klostertal

Beauftragt mit dem Gamswildprojekt sind mehrere Experten, federführend dabei ist Rudolf Reiner (38), ein absoluter Kenner der Gämse. “Wir analysieren zuerst die aktuelle Situation, um dann gezielte Maßnahmen zu setzen”, beschreibt Reiner die Herangehensweise. Ansatzpunkte dabei: Erkenntnisse über die Art der Bejagung, eine genaue Bestandsaufnahme der Örtlichkeiten, wo Verbisse vorkommen, Informationen über den Einfluss des Steinwilds, aber auch die Auswirkungen der Klimakrise mit den gestiegenen Temperaturen auf das Gamswild.

Die Modellregion für das Gamswildprojekt ist die “Klostertal Sonnenseite”. “Es ist durch seine besondere Beschaffenheit mit Licht, steilem Gelände und Wald ein idealer Lebensraum für Gamswild”, weiß Reiner.

In Vorarlberg leben an die 8000 Gämsen.